Aktienmärkte im August 2018

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Ein schwieriger Sommer für Schwellenmärkte – die Ansteckung blieb begrenzt

Nach der starken Erholung im Juli kam es Anfang August zu einer kurzfristigen Konsolidierung der weltweiten Aktienmärkte, bevor sie bis zum 15. August wieder zurückfielen. Vor dem Hintergrund etwas ermutigenderer Nachrichten von der Handelsfront China-USA einerseits und der von der Türkei ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Währungsverfalls andererseits setzte eine Trendwende ein. Auch wenn keines dieser Elemente wirklich entscheidend war, schienen die Investoren davon überzeugt, dass diese Entwicklungen trotz zahlreicher ungelöster Fragen Anlass zu verhaltenem Optimismus boten. In ihrer Überzeugung bestärkt wurden sie durch das, Ende des Monats, zwischen Mexiko und den USA zustande gekommene Handelsabkommen.

Darüber hinaus verbesserten sich die Wirtschaftsdaten insgesamt leicht und räumten damit Befürchtungen eines deutlichen weltweiten Wachstumsknicks aus. Die Unternehmensgewinne im Quartal waren erneut solide, insbesondere in den USA, wo die Auswirkungen der Körperschaftsteuersenkung die Gewinne sprudeln ließen und das robuste Wachstum den S&P-500-Unternehmen eine Steigerung ihrer Umsätze um 9 % bescherte. Laut der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für die USA stiegen die Gewinne vor Steuern im zweiten Quartal weiter an (+7,7 % gegenüber Vorjahr), um einen neuen Höchststand in diesem Zyklus zu erreichen.

In diesem eher lebhaften makro- und mikroökonomischen Umfeld konnte sich der MSCI AC World Index (in Dollar) bei abnehmenden politischen Spannungen kräftig erholen und erreichte gegen Ende des Monats Werte, die seit Mitte März nicht mehr verzeichnet worden waren. Am letzten Börsentag im August war jedochein Rückgang zu verzeichnen, der den monatlichen Anstieg begrenzte (+ 0,6 %).

Der MSCI Emerging Index (in US-Dollar) blieb mit einem Minus von 2,9 % im August und 8,9 % seit Jahresbeginn weiter hinter den Erwartungen zurück, während der MSCI AC World Index in den ersten acht Monaten von 2018 um 1,9 % zulegte. Die Turbulenzen in der Türkei und in geringerem Maße in Argentinien belasteten die Aktien der Schwellenländer und führten teils zu starken Währungsverlusten, was den Rückgang der in Dollar ausgedrückten Indizes automatisch verstärkte. Die Schwellenmärkte in Europa und in Lateinamerika verzeichneten dadurch einen starken Rückgang. Der Rückgang der asiatischen Aktienmärkte fiel geringer aus, da die von den chinesischen Behörden beschlossenen Stützungsmaßnahmen und die von der Zentralbank vorgenommene geldpolitische Lockerung die Einbußen an den chinesischen Aktienmärkten eindämmen konnten.

Abbildung 1: Kursverluste der Aktien aus Schwellenländern nehmen zu

 

Quelle: JP Morgan, Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 31.08.2018

Monats-Performance der Aktien in Industrieländern

Unter den großen Industrieländern schnitten die US-Aktien mit Abstand am besten ab, sodass die wichtigen Indizes (S&P 500, Nasdaq) bei Quartalsende neue Rekordstände verzeichnen konnten. Diese Entwicklung wurde von den üppigen Unternehmensgewinnen und sehr gut ausgerichteten Wirtschaftsindikatoren getragen, die auf ein weiterhin sehr starkes Wachstum im dritten Quartal schließen lassen, nachdem das BIP im zweiten Quartal bereits um 4,2 % zulegen konnte. Der S&P 500 verzeichnet ein monatliches Plus von 3,0 % mit einer Outperformance der Technologieaktien und zyklischen Konsumgütern.

In der Eurozone spiegelt der Rückgang der Indizes (-3,8 % für den Eurostoxx 50) zum einen die Angst des Finanzsektors vor einer Ansteckung durch die türkische Krise wider, zum anderen ist er der Underperformance des italienischen Marktes aufgrund der hohen Risikoaufschläge bei langläufigen Anleihen vor dem Hintergrund der Haushaltsstreitigkeiten innerhalb der Regierung geschuldet. Neben den Bankwerten fielen auch zinssensitive Werte (Telekom, Versorger) zurück.

In Tokio konnte der Nikkei 225 nach unberechenbaren Schwankungen um 1,4 % zulegen, während der breitere Topix-Index um 1 % nachgab. Obwohl die Bank of Japan Ende Juli erklärte, sie wolle sich im Rahmen ihrer Anlagepolitik auf ETF-Käufe auf den Topix konzentrieren, fürchten die Anleger, dass sie ihre Käufe einschränken wird. Der japanische Markt litt zunächst unter der leichten Yen-Aufwertung: der Status der Währung als Zufluchtswert führte Mitte des Monats wieder zu einer Wechselkursparität USD/JPY von 110. Später legten die japanischen Aktien im Zuge der globalen Erholung wieder zu. Sektoren, die an die Binnennachfrage gekoppelt sind, notierten im August tendenziell unterdurchschnittlich.

Abbildung 2: Neuer Höhenflug der US-Aktien

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 03.09.2018

Zur Erinnerung: Schwellenländerwährungen in Turbulenzen

Im August galt die Aufmerksamkeit der Devisenhändler den heftigen Einbrüchen mehrerer Währungen der Schwellenländer, wobei dies in erster Linie für die türkische Lira und den argentinischen Peso gilt, die gegenüber dem Dollar in einem Monat um 25 % einbrachen.

In Argentinien schürte ein Kommunikationsdefizit der Regierung, trotz des entschlossenen Eingreifens der Zentralbank und der Unterstützung des IWF vom vergangenen Mai, gegen Ende des Monats erneut die Befürchtungen der Märkte. In der Türkei brach die Währung Anfang August infolge der US-Sanktionen stark ein. Darüber hinaus war die Politik Erdogans seit seiner Wiederwahl (Infragestellung der Unabhängigkeit der Zentralbank, Ernennung seines Schwiegersohns zum Finanzminister) nicht dazu geeignet, das Vertrauen der internationalen Investoren wiederherzustellen. In diesem Kontext verursachte die Ankündigung des Ausscheidens eines Vize-Gouverneurs der Zentralbank am Monatsende eine erneute Währungsschwäche, nachdem sich die Lira seit dem Tiefststand vom 13. August etwas erholt hatte.

Die Nervosität der Märkte weitete sich über Argentinien und die Türkei hinaus aus, was sich in der zurückgekehrten Volatilität der Schwellenländer zeigt, die ihren höchsten Stand seit Anfang 2016 erreichte. Dieses turbulente Umfeld führte zum traditionellen Rückzug in die Währungen der Industrieländer, die als sicherer Hafen gelten (Yen, Schweizer Franken und in geringerem Maße auch der US-Dollar). Der Schweizer Franken legte gegenüber dem Euro um 2,9 % und dem US-Dollar um 2,1 % zu.

Abbildung 3: Steigende Volatilität der Schwellenländer-Währungen

Quelle: JP Morgan, Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 04.09.2018

Die Zeit der guten Vorsätze

Im August widmeten die Anleger den Nachrichten über den internationalen Handel und ganz allgemein der amerikanischen Diplomatie erneut besondere Aufmerksamkeit. Diese Elemente sind ziemlich schwer zu deuten bzw. vorherzusagen. Das Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, das den Weg für eine Neuauflage des NAFTA-Abkommens ebnet, wurde als positive Entwicklung empfunden, nachdem die ersten Börsentage im August von der Besorgnis über die Türkei geprägt waren, deren Währung nicht zuletzt nach den Äußerungen des US-Präsidenten eingebrochen war.

Aus ökonomischer Sicht sind die Befürchtungen um die globale Wachstumsdynamik etwas abgeklungen. Die Wirtschaftsindikatoren tendieren in den USA sehr stark dazu sich zu verbessern, und auch in der Eurozone sowie den Schwellenländern beginnt dieser Trend. Die Rhetorik der Zentralbanken blieb akkommodierend und bestärkte die Märkte in ihrer Annahme einer allmählichen Normalisierung der Geldpolitik trotz leichter Anzeichen einer beschleunigten Inflation, insbesondere in den USA. Schließlich erscheinen die Maßnahmen der chinesischen Zentralbank (PBoC) zur Eindämmung der Yuan-Abwertung als zusätzlicher stabilisierender Faktor für die Weltmärkte.

Allerdings bestehen sowohl über die weitere Entwicklung des Handelsstreits zwischen den USA und China nach Einführung der gegenseitigen Zölle am 23. August als auch im Hinblick auf die politische Situation in Europa noch erhebliche Unsicherheiten. Die britische Regierung hat damit begonnen, über das Verfahren im Falle eines harten Brexits am 29. März nachzudenken, wozu sie mehrere „technical notes“ herausgegeben hat. In Italien müssen im September die Haushaltsbeschlüsse vorgelegt werden, die in diesem Sommer zu heftigen Diskussionen innerhalb der Regierung geführt hatten und die im Oktober von der Europäischen Kommission geprüft werden. In den USA stehen die Halbzeitwahlen bevor (6. November). Das Wahlergebnis dürfte knapp ausfallen, wobei eine mögliche Rückeroberung der Mehrheit im Repräsentantenhaus durch die Demokratische Partei die Fragen um die Zukunft des Präsidenten wieder aufleben lassen dürfte, zumal sich im Sommer neue Affären seiner Gefolgschaft ergeben hatten.

Auf der einen Seite also ein lebhaftes makro- und mikroökonomisches Klima, auf der anderen Seite verwirrende politische Ereignisse, die in den letzten Monaten die Anleger spürbar verunsicherten und zu unberechenbaren Ausschlägen an den Finanzmärkten führten. Mit dem einsetzenden Herbst dürfte man zumindest für einige Zeit zu den Fundamentaldaten zurückkehren.

Weiter Artikel von Nathalie Benatia.


Der Wert der Anlagen und die erzielten Erträge können steigen oder fallen, und Anleger erhalten ihr investiertes Kapital möglicherweise nicht in voller Höhe zurück.

Anlagen in den Schwellenländern oder in spezialisierten oder beschränkten Sektoren weisen in der Regel eine überdurchschnittliche Volatilität auf. Gründe dafür sind eine größere Konzentration und eine höhere Unsicherheit, da weniger Informationen verfügbar sind, die Liquidität eingeschränkt ist oder die Anlagen auf gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Entwicklungen stärker reagieren.

Schwellenländer bieten mitunter weniger Sicherheit als die meisten Industrieländer. Daher können Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Kauf, dem Verkauf oder der Verwahrung von Schwellenmarktanlagen höheren Risiken unterliegen.

Nathalie Benatia

Macroeconomic Content Manager

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