Die Aktienmärkte im November

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Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

Nach Kursgewinnen Anfang des Monats, gefolgt von einer gewissen Volatilität aufgrund von Zweifeln am Wachstum der Weltwirtschaft sowie zunehmenden politischen Unwägbarkeiten, verzeichneten die Aktienmärkte am Ende noch einen Anstieg und standen für November letztlich im Plus (der MSCI AC World Index in US-Dollar legte um 1,3 % zu). Auslöser für den Anstieg waren besänftigende Töne der Fed zu ihrer Geldpolitik sowie ermutigende Entwicklungen bei mehreren politischen und geopolitischen Themen.

Abbildung 1: Anstieg der Aktienkurse gegen Ende November

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 30.11.2018

An der politischen Front wurde der Ausgang der Zwischenwahlen in den USA, die einen gespaltenen Kongress hinterließen, von den Anlegern weitgehend gelassen hingenommen. Die Demokraten hatten dabei die Mehrheit im Repräsentantenhaus errungen, der Senat hingegen blieb in der Hand der Republikaner. Der Grund für diese relative Gleichgültigkeit bestand wahrscheinlich darin, dass den Märkten eine Beurteilung der Auswirkungen dieser neuen Machtverhältnisse in Washington schwerfällt.

Trotz des fortgesetzten Hin und Her von US-Präsident Trump und seiner Regierung zum Thema Handelszölle auf chinesische Waren begannen die Märkte im Vorfeld des G20-Gipfels und des geplanten Treffens von Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Buenos Aires, eine Beilegung des Konflikts an der Handelsfront einzupreisen. Diese Erwartungen bestätigten sich am Samstag, 1. Dezember, als Nachrichten von einer Kampfpause in dem Handelskonflikt die Runde machten. Die USA willigten ein, auf eine für Januar geplante Erhöhung der Zölle von 10 % auf 25 % zu verzichten., und China sagte zu, die Importe aus den USA zu erhöhen und versprach, die Gespräche zu sensiblen Themen wie die Achtung des geistigen Eigentums und die Öffnung seines Binnenmarktes auszuweiten.

Ebenfalls an der politischen Front, allerdings in Europa, brachten rege Diskussionen zwischen der Europäischen Kommission und Italien die Regierung von Giuseppe Conte dazu, in ihrer Position etwas nachzugeben. Eine endgültige Bekanntgabe zum italienischen Haushaltsentwurf für 2019 steht aber noch aus. Im Vereinigten Königreich werden die Märkte die Entscheidung des Parlaments für oder gegen eine Ratifizierung des von Theresa May ausgehandelten und von ihrer Regierung und den 27 anderen EU-Mitgliedstaaten im November gebilligten Brexit-Abkommens sehr genau beobachten.

Ölpreis fällt

Ein übergreifendes Thema mit Bedeutung sowohl für die Wirtschaft als auch für die Politik war der Einbruch der Ölpreise (Erdöl der Marke WTI fiel um 22 % auf 51 US-Dollar je Barrel, den tiefsten Stand seit Oktober 2017). Auslöser dafür waren nicht so sehr die durch einen schlechteren Konjunkturausblick und Warnungen vor drohenden Risiken und Gegenwind aufgekommenen Bedenken wegen des Wachstums der Weltwirtschaft, sondern vielmehr angebotsseitige Probleme. Ab Anfang Oktober, als die Ölpreise noch über 75 US-Dollar je Barrel lagen, wurde klar, dass in den USA reichlich Öl produziert wurde, dass die Auswirkungen des Embargos auf iranische Exporte bislang schwächer als erwartet waren und dass sich die Mitglieder der OPEC nur schwer einig werden konnten.

Abbildung 2: Erdöl der Sorte WTI bei 50 USD je Barrel

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 04.12.2018

In den Schwellenländern zogen fallende Ölpreise die Märkte in Lateinamerika in Mitleidenschaft. Überdurchschnittlich entwickelten sich hingegen die Märkte in asiatischen Schwellenländern, die Nettoimporteure von Erdöl sind. Alles in allem legte der MSCI Emerging Markets Index (in US-Dollar) um 4,1 % zu. Bei den Märkten der großen Industrieländer lagen japanische und US-amerikanische Aktien im November letztendlich nahezu gleichauf. Der Nikkei beendete den Monat mit einem Plus von 2 % und der S&P 500 mit einem Plus von 1,8 %. Bei europäischen Aktien stand Ende des Monats hingegen ein Minus (von 0,8 % für den EuroStoxx 50). Energiewerte schnitten an allen Märkten unterdurchschnittlich ab.

Treibende Kraft für die Abwärtsbewegung an den europäischen Märkten war vor allem das schlechte Abschneiden zyklischer Werte aufgrund der anhaltenden Enttäuschung über die Wirtschaftsindikatoren. Mit Skepsis betrachtete man an den Märkten auch den Zustand der deutschen Automobilindustrie. Im Gegensatz dazu wandten sich Anleger in der Eurozone Sektoren zu, die von Anleihenrenditen abhängig sind, beispielsweise Telekommunikation und Versorger. Weltweit gesehen erging es defensiven Sektoren besser. So war der US-Gesundheitssektor der bei Weitem größte Gewinner im S&P 500. Technologiewerte hingegen beendeten den Monat im Minus.

Fed mit Feinjustierung vor der Dezember-Sitzung

Wie erwartet beließ der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (Fed) bei seiner Sitzung vom 7.-8. November die von ihm angestrebte Spanne der Federal Funds Rate unverändert bei 2,00 % bis 2,25 %. Die recht lakonische Verlautbarung dazu enthielt nichts Neues. Die Fed wies weiter auf den soliden Arbeitsmarkt und das starke Wirtschaftswachstum hin, bemerkte allerdings den schleppenden Anstieg der Investitionen im dritten Quartal.

Die Wirtschaftsindikatoren waren in den letzten Wochen tatsächlich solide, besonders am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit im Oktober betrug 3,7 % und der Lohnzuwachs (gegenüber dem Vorjahr) beschleunigte sich auf 3,1 %. Auf Grundlage der zweiten Schätzung betrug das BIP-Wachstum im dritten Quartal annualisiert 3,5 %. Treiber hierfür waren ein starker Anstieg des privaten Verbrauchs (+3,6 %), die (auf +2,5 %, ein noch immer recht mäßiges Niveau) nach oben korrigierten produktiven Investitionen und ein starker Beitrag von den Lagerbeständen (+2,3 Prozentpunkte). Nachteilig für das BIP-Wachstum war der negative externe Beitrag (-1,9 Prozentpunkte). Darüber hinaus übertraf der private Verbrauch im Oktober die Prognosen, trotz des etwas gesunkenen Vertrauens der privaten Haushalte (welches dennoch weiter auf hohem Niveau lag). Dem Immobilienmarkt erging es in den letzten Monaten weniger gut.

Die geldpolitische Sitzung im November war die letzte ohne Pressekonferenz, denn Jerome Powell wird eine solche planmäßig nach der Sitzung vom 18.-19. Dezember abhalten und er hat bekannt gegeben, dass im Anschluss an jede darauffolgende Sitzung eine Pressekonferenz stattfinden wird. Im November mussten sich Beobachter der Fed deshalb zur Feinjustierung ihrer Erwartungen hinsichtlich künftiger Zinsanhebungen mit Reden und Äußerungen von Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed begnügen.

Daraus konnten sie entnehmen, dass man offenbar eine etwas vorsichtigere und weniger eindeutige Haltung eingenommen hat. Jerome Powell meldete sich bei zwei Gelegenheiten zu Wort, das erste Mal am 14. November, als er seine „ausgewogene“ Wachstumsvision wiederholte, aber auf gewisse Risiken hinwies. Einige Tage später deutete Fed-Vize Richard Clarida an, dass bei der Bestimmung des richtigen Tempos von Zinsanhebungen und der letztendlich anzustrebenden Ziele mehr datenbasierte Einschätzungen (Arbeitsmarkt und Inflation) erforderlich seien. Highlight des Monats war aber Powells Rede vom 28. November vor dem New York Economic Club.

Powell erklärte, die Leitzinsen seien derzeit „knapp unter neutralem Niveau“, im Gegensatz zu seinen Äußerungen von Anfang Oktober, wonach die Zinsen noch „weit entfernt vom neutralen Niveau“ lägen. Ängste vor einer Reihe von Zinsabhebungen im Jahr 2019 wurden dadurch abgeschwächt. Für Dezember haben die Märkte zwar bereits einen Anstieg der Zinsen um 25 Basispunkte eingepreist, ihre Erwartungen für die folgenden Monate gingen jedoch zurück. Das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed vom November, welches am Tag nach der New Yorker Rede veröffentlicht wurde, hat den flexibleren geldpolitischen Ansatz bestätigt, den der Offenmarktausschuss ab dem nächsten Jahr verfolgen will.

Abbildung 3: Kommt es zu einer Umkehr der US-Renditekurve?

Quelle: Reuters Datastream, BNP Paribas Asset Management, Stand: 04.12.2018

Eine neue Welt?

In den Finanzmarkttrends des Novembers kamen die Themen zum Ausdruck, die Anlegern schon seit einiger Zeit Sorgen machen und wahrscheinlich auch im nächsten Jahr Sorgen bereiten werden. Hierzu zählen politische und geopolitische Unwägbarkeiten, Zweifel an der Nachhaltigkeit des Wachstums sowie das Auslaufen der entgegenkommenden Geldpolitik.

Die politischen Themen sind offensichtlich unergründlich. Eines konnte man in den letzten Jahren wohl lernen: Manchmal kommt das anscheinend unwahrscheinlichste Ergebnis zustande. Die Märkte haben also die neuesten Nachrichten verfolgt, und im November nahmen die Entwicklungen beim Brexit, beim Streit Italiens mit der Europäischen Kommission und bei den Handelsgesprächen zwischen China und den USA anscheinend eine etwas günstigere Wendung.

Die Wirtschaftsindikatoren blieben etwas hinter den Prognosen zurück und nährten so Zweifel an der Solidität der Weltwirtschaft. Gleichzeitig hoben der IWF und die OECD aufkeimende Risiken hervor und stuften ihre Wachstumsprognosen für 2018 und 2019 etwas herab. Anlegern machte diese Verschlechterung des kurzfristigen Ausblicks Angst, obwohl das Wachstum in absoluten Zahlen noch immer zufriedenstellend ist.

Vor diesem Hintergrund haben Zentralbanken ihre Einstellung geändert. Jetzt sagen sie, dass die Geldpolitik weiter normalisiert wird, dass aber anstelle eines eindeutigen Ansatzes stärker datenbasiert vorgegangen werden muss, um der tatsächlichen Situation Rechnung zu tragen. An vorderster Front steht wieder einmal die Fed, denn ihre Geldpolitik ist nahe an dem Punkt, wo sie zu restriktiv wird, während die Geldpolitik in den anderen großen Industrieländern offensichtlich noch äußerst entgegenkommend ist.

Gegen Ende November kamen von der Fed besänftigende Töne, aber die Normalisierung findet dennoch statt, und die Anleger werden früher oder später lernen müssen, ohne die quantitative Lockerung zurechtzukommen. Konkret heißt das: Geringe Volatilität gehört anscheinend der Vergangenheit an, und es ist gut möglich, dass sich Korrelationen zwischen Anlagen umkehren. Dies alles wird es erforderlich machen, bei der Vermögensallokation reichlich Flexibilität walten zu lassen.


Weiter Artikel von Nathalie Benatia.

Nathalie Benatia

Macroeconomic Content Manager

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