Aktienmärkte im Oktober 2018

Post with image
Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

Trotz der Rally am letzten Handelstag beendeten die Aktienmärkte den Oktober mit dem höchsten Monatsverlust seit Mai 2012. Der MSCI AC World Index (in US-Dollar) gab um 7,6% nach; die Performance im bisherigen Jahresverlauf wurde dadurch deutlich geschmälert und liegt jetzt bei nur noch 5,6%. Die Schwellenmärkte beendeten den Monat mit einem Rückgang um 8,8%, wodurch sich seit Beginn des Jahres ein Minus von 17,5% ergibt (auf Basis des MSCI Emerging Markets Index in US-Dollar).

Abbildung 1: Massive Kursverluste bei Aktien im Oktober

 

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 02. November 2018

Für die Verluste gab es eine Vielzahl von Gründen. Gleich zu Beginn des Monats löste der Aufwärtsdruck auf die Renditen von US-Anleihen einen deutlichen Rückgang der Aktienkurse aus, weil der sehr optimistische Ausblick des Fed-Vorsitzenden auf die US-Konjunktur die Sorge weckte, die Anleiherenditen könnten schneller steigen als erwartet. Technologieaktien (im weitesten Sinne, also z.B. einschließlich Internet- und E-Commerce-Konzerne) gaben daraufhin einen großen Teil ihrer vorherigen deutlichen Gewinne ab, und die implizite Volatilität bei Aktien nahm zu.

Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen am 6. November, bei denen die Demokraten die Chance haben, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzugewinnen, kam von Präsident Trump ein Trommelfeuer an protektionistischen Aussagen, während er sich zum Stand der Verhandlungen mit China bedeckt hielt. Seine übertriebenen Bemerkungen zu diesem Thema sorgten für Unruhe bei den Anlegern.

Neue Sorgen um das weltweite Wachstum wurden geweckt, als das chinesische BIP-Wachstum im dritten Quartal auf 6,5% zurückging, den niedrigsten Wert seit 2009; gleichzeitig fiel der Industrie-Einkaufsmanagerindex auf ein Zweijahrestief. In seinem am 8. Oktober veröffentlichten World Economic Outlook revidierte der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognosen nach unten und hob dabei mehrere bedeutende Probleme hervor: zunehmende Handelsbarrieren, Kapitalabflüsse aus den schwächsten Schwellenländern sowie erhöhte politische Risiken.

Trotz diplomatischer Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den USA sowie der Aussicht auf neue Beschränkungen für Ölexporte aus dem Iran ab Anfang November gaben die Preise für Rohöl im Oktober nach; wegen Zweifeln an der globalen Wirtschaftsentwicklung fiel WTI-Rohöl um 10,7%.

Europa: Politische Störfeuer belasten die Märkte

Aktien in der Eurozone und der Euro selbst wurden durch eine Kombination aus enttäuschenden Konjunkturdaten und beunruhigenden Nachrichten aus der Politik gedrückt. Die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU schienen zu stocken. Trotz mehrerer Treffen mit hochrangigen Teilnehmern und Gipfeltreffen blieben wichtige Fragen ungeklärt. Zwar ist ein vollständiges Scheitern der Gespräche unwahrscheinlich, doch die Machtverhältnisse innerhalb der britischen Konservativen Partei machen die Aufgabe von Theresa May schwierig.

Am stärksten wurden die Märkte jedoch durch die politischen Entwicklungen in Italien belastet. Nachdem die Regierung des Landes Ende September für 2019 ein geplantes Haushaltsdefizit von 2,4% des BIP angekündigt hatte, informierte die Europäische Kommission den Finanzminister Giovanni Tria, dass dies ein „beispielloser“ Verstoß gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt sei. Obwohl beide Seiten darauf bestanden, die Verhandlungen fortzusetzen, hielt das Thema die Finanzmärkte den Großteil des restlichen Monats in Atem.

Abbildung 2: Italiens Anleihemärkte unter Druck

Quelle: Datastream, BNP Paribas Asset Management, Stand: 31. Oktober 2018

Unter den wichtigsten Industrieländern betrugen die Verluste (in lokalen Währungen) 9,1% im Nikkei 225, 6,9% im S&P 500 und 5,9% im EuroStoxx 50. Die Outperformance des EuroStoxx 50 war allerdings auf den schwächeren Euro zurückzuführen (-2,6% gegenüber dem US-Dollar). Energieaktien wurden durch den sinkenden Ölpreis belastet, bei Technologieaktien gab es Gewinnmitnahmen und bei Industrieaktien eine Verkaufswelle. Europäische Bankaktien litten unter den Sorgen um Italien.

Die Berichtssaison in den USA verlief in Bezug auf Umsätze und Gewinne sehr robust, selbst wenn man die Auswirkungen der Steuersenkungen herausrechnet. In Europa und Japan verlief die Berichtssaison ähnlich, brachte aber auch Enttäuschungen, da die Analystenschätzungen seltener übertroffen wurden als üblich.

Federal Reserve feiert solides Wachstum in den USA

Im Oktober gab es keine Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US Federal Reserve. Damit blieb die Zielspanne für die Federal Funds Rate zwischen 2,00% und 2,25%, wie nach der Sitzung im September angekündigt. Am 17. Oktober wurde das Protokoll der Sitzung vom 25. und 26. September veröffentlicht. Es zeigte, dass die FOMC-Mitglieder relativ überzeugt von der Robustheit der Wirtschaft und der Notwendigkeit höherer Leitzinsen sind. Der Ausschuss hat vor, zu einer restriktiven Geldpolitik überzugehen, indem er die Zinsen über das Niveau hebt, das als neutral angesehen wird. Nach seiner Einschätzung sind die Wachstumsrisiken ausgeglichen.

Verbrauchervertrauen und Fiskalpolitik bilden ein Gegengewicht zu Unsicherheit in Bezug auf die US-Handelspolitik, auseinanderlaufendem Wachstum zwischen den USA und dem Rest der Welt sowie der instabilen Lage in manchen Schwellenländern. Offenbar haben die FOMC-Mitglieder weniger über Risiken gesprochen als bei ihrer vorigen Sitzung.

Der Optimismus der Fed und ihres Vorsitzenden Jerome Powell, der Anfang Oktober von „bemerkenswert positiven Wirtschaftsaussichten“ sprach, wird durch die jüngsten Konjunkturdaten bestätigt. Das BIP-Wachstum der USA im dritten Quartal erreichte annualisiert 3,5% (nach 4,2% im Vorquartal). Diese erste Schätzung in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zeigt einen stark positiven Beitrag der Lagerbestände (2,1 Prozentpunkte), der den Abbau im zweiten Quartal mehr als ausglich. Der Außenhandel wirkte sich aufgrund eines merklichen Anziehens der Importe negativ aus – manche Unternehmen könnten beschlossen haben, ihre Importe vorzuziehen, um höheren Zöllen zuvorzukommen.

Die inländische Endnachfrage blieb robust, getrieben von einer Zunahme des privaten Verbrauchs um 4,0%, während die Investitionen in Wohn- und Gewerbeimmobilien nachließen. Ein robuster Arbeitsmarkt (mit einer Arbeitslosenquote von 3,7% im September, dem niedrigsten Stand seit Dezember 1969) unterstützt das Verbrauchervertrauen, obwohl das Lohnwachstum noch immer mäßig ist.

Die Umfrage des Conference Board im September zeigte den höchsten Wert seit September 2000; die Stimmung unter kleinen Unternehmen (in der NFIB-Befragung) näherte sich einem Allzeithoch. Die Gesamtinflation blieb unter Kontrolle. Der Verbraucherpreisindex stieg im Jahresvergleich im September um 2,3% nach 2,7% im August. Der Deflator für persönliche Konsumausgaben ohne Lebensmittel und Energie belief sich auf 2%.

Die Terminmärkte preisen weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinserhöhung im Dezember ein. Jedoch sind sich Beobachter weniger sicher, dass die Fed auch anschließend ihre strikte Haltung beibehalten wird: Die für Ende 2019 und Ende 2020 eingepreisten Zinsen liegen deutlich unter dem Niveau, das die Fed für „angemessen“ hält.

Abbildung 3: Prognose US-Leitzinsen

Quelle: Federal Reserve, Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 31. Oktober 2018

Neue wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Korrektur am Aktienmarkt im Oktober beruhte auf einer Anhäufung von Problemen und wurde noch von technischen Signalen verstärkt, die dazu führten, dass Hedgefonds und systematische Strategien ihre Engagements verringerten. Die Nachrichten aus der Politik (protektionistische Maßnahmen der USA, Brexit-Verhandlungen, Konflikt zwischen Italien und der EU-Kommission) führten zu reflexartigen Reaktionen, während Anleger gleichzeitig aufgrund von Sorgen um die Konjunktur etwas nervös wurden.

Mittlerweile sieht es so aus, als hätte sich das weltweite Wachstum gegenüber dem robusten Vorjahr tatsächlich abgeschwächt. Trotzdem wecken die Konjunkturindikatoren bislang keinerlei Zweifel am Szenario einer soliden Wirtschaftsentwicklung, insbesondere in den USA.

Aussagen der G4-Zentralbanken sprechen unterdessen dafür, dass sich die Normalisierung der Geldpolitik in 2019 fortsetzen wird – sofern es nicht zu einem deutlichen Wirtschaftsabschwung kommt –, und dass schwache Inflationsdaten dem nicht im Wege stehen werden.

Die Anleger konzentrieren sich auf die Tatsache, dass das globale Wachstum weniger synchron ist als 2017 und die Geldpolitik weniger entgegenkommend; gute Nachrichten verlieren sie aus den Augen. Auch die Unsicherheit an der politischen Front könnte noch eine Zeitlang andauern.

Die Anleger werden sich auf leicht veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen einstellen müssen. . Aber sie müssen sich auch an politische Unsicherheit gewöhnen, die sich außer durch hochgradig taktische Entscheidungen bei der Asset-Allokation kaum berücksichtigen lässt. Erst anschließend werden sie wieder in der Lage sein, die positiveren Faktoren mit einzubeziehen. Einen Beitrag dazu könnten die sehr soliden Umsatzzahlen von Unternehmen im dritten Quartal und die guten Gewinnprognosen für 2019 leisten.

Weiter Artikel von Nathalie Benatia.


Der Wert der Anlagen und die erzielten Erträge können steigen oder fallen, und Anleger erhalten ihr investiertes Kapital möglicherweise nicht in voller Höhe zurück.

Anlagen in den Schwellenländern oder in spezialisierten oder beschränkten Sektoren weisen in der Regel eine überdurchschnittliche Volatilität auf. Gründe dafür sind eine größere Konzentration und eine höhere Unsicherheit, da weniger Informationen verfügbar sind, die Liquidität eingeschränkt ist oder die Anlagen auf gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Entwicklungen stärker reagieren.

Schwellenländer bieten mitunter weniger Sicherheit als die meisten Industrieländer. Daher können Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Kauf, dem Verkauf oder der Verwahrung von Schwellenmarktanlagen höheren Risiken unterliegen.

Nathalie Benatia

Macroeconomic Content Manager

Schreiben Sie einen Kommentar

Your email adress will not be published. Required fields are marked*