Aktienmärkte im September 2018

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Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

Im September hätten sich die globalen Aktienmärkte (gemessen am MSCI AC World Index in US-Dollar) durchaus schlechter entwickeln können, wenn man nach der ersten Woche urteilt, in welcher der Index um 1,9% fiel. Sie hätten aber auch besser abschneiden können, wenn man die Rally betrachtet, die bis zum 25. September dauerte (+2,6%).

Diese Richtungswechsel waren hauptsächlich darauf zurückzuführen, wie die Meldungen von der „Handelsfront“ interpretiert wurden. Nachdem Anleger Anfang September das Schlimmste befürchtet hatten, beruhigten sie sich nach der Stellungnahme des Weißen Hauses am 17. September etwas. In dieser kündigte Präsident Trump an, die Zölle auf Importprodukte aus China im Wert von 200 Mrd. US-Dollar ab dem 1. Januar 2019 von 10% auf 25% anzuheben. Zugleich drohte er, weitere Güter im Wert von 267 Mrd. US-Dollar mit Abgaben zu belegen, falls China mit Vergeltungsmaßnahmen reagiere. Die Anleger ignorierten diese Äußerungen größtenteils. Zweifellos sahen sie darin die übliche „Verhandlungstaktik“ Trumps.

Als konstruktiv angesehene Zentralbankmaßnahmen, vor allem in der Türkei, verschafften den Schwellenländerwährungen eine Verschnaufpause. Die Zuversicht wurde auch durch ziemlich ermutigende Konjunkturdaten und Ausblicke von G7-Zentralbanken gestärkt, die auf eine allmähliche und vorsichtige Normalisierung der Geldpolitik hindeuteten, statt auf eine plötzliche Straffung.

Am Ende des Monats überschattete die italienische Regierung die Märkte mit der Vorlage eines „Haushalts des Wandels“. Die Bekanntgabe enthielt zwar kaum Details, erfüllte jedoch einige Wahlversprechen. Das könnte bedeuten, dass sich das Haushaltsdefizit 2019, 2020 und 2021 auf 2,4% des BIP ausweitet.

Der massive Aufwärtsdruck auf die italienischen Anleihenrenditen und der markante Einbruch am Mailänder Aktienmarkt belasteten Aktien allgemein und schwächten den Euro. Vor diesem Hintergrund beendete der MSCI AC World den Monat mit einem Plus von nur 0,3%. Interessanterweise ging die Aktienvolatilität nach einem leichten Anstieg in der ersten Woche des Monats schnell auf rund 12% für den VIX (S&P 500) bzw. 13% für den VSTOXX (EuroStoxx 50) zurück.

Der MSCI Emerging Market Index (in US-Dollar) fiel um 0,8% hauptsächlich aufgrund der schwachen Entwicklung der asiatischen Märkte angesichts der Handelskonflikt-Rhetorik. Im Gegensatz dazu wurden die Märkte in Europa und Lateinamerika durch höhere Ölpreise nach oben getrieben. WTI-Rohöl stieg um 4,8% auf über 73 US-Dollar je Barrel.

Dieses Niveau war seit Juli nicht mehr zu beobachten. Die OPEC weigerte sich, klarzustellen, ob eine Anhebung der Fördermengen in Betracht gezogen werde, wenn das Rohölangebot aufgrund der Sanktionen gegen den iranischen Energiesektor, die Anfang November in Kraft treten sollen, abnimmt.

Abbildung 1: Anstieg des Ölpreises seit Mitte August

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 28/09/2018

Neue Schlusskursrekorde bei US-Aktien

Europäische Aktien beendeten den Monat fast unverändert (+0,2%, gemessen am EuroStoxx 50), nachdem sie am 28. September um 1,5% gefallen waren. In Mailand büßte der MIB an diesem Tag 3,7% ein. Sein monatlicher Anstieg ist aber immer noch beachtlich, denn die Anleger hatten vor der tatsächlichen Ankündigung einen wesentlich vorteilhafteren Haushaltsentwurf der italienischen Regierung erwartet.

Unter den Märkten der wichtigsten Industrieländer schnitten US-Aktien gut ab: Der S&P 500 und der Dow Jones markierten im September neue Rekordstände zum Börsenschluss. Sie wurden durch die Unternehmensgewinne und sehr solide Konjunkturindikatoren in die Höhe getrieben, die auf eine Fortsetzung des robusten Wachstums im dritten Quartal hindeuteten. Der S&P 500 stieg in diesem Monat um 0,4%, obwohl Aktien in den Sektoren Rohstoffe, Finanzen, Versorger und Technologie Einbußen erlitten.

In Tokio begannen die Aktien den Monat mit einer steilen Talfahrt aufgrund der Besorgnis über den Welthandel und der Naturkatastrophen in Japan. Kurz darauf kletterten sie jedoch wieder, da sich der japanische Yen abschwächte (-2,3% gegenüber dem US-Dollar), solide Konjunkturdaten gemeldet wurden und Shinzo Abe als Chef der Liberaldemokratischen Partei (LDP) wiedergewählt wurde. Damit kann er Ministerpräsident bleiben und die expansive Wirtschaftspolitik der Regierung fortsetzen. Der Nikkei 225 stieg im September um 5,5% und markierte den höchsten Tageskurs seit 27 Jahren.

Abbildung 2: Rally japanischer Anleihen im September

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 28/09/2018

Schwellenländer im Blick

In den Schwellenländern trug die starke Erhöhung des türkischen Leitzinses (um 625 Basispunkte auf 24%) zu einer Aufwertung der Lira bei. Allgemein konnten sich Währungen, die im August stark gefallen waren, zumeist wieder erholen, da Anleger die geopolitischen Fortschritte begrüßten (wie das Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko) oder schwache Konjunkturdaten beiseiteschoben.

Der südafrikanische Rand fiel Anfang September, da das BIP im zweiten Quartal unerwartet zurückging (-0,7% nach ­2,6%), stieg aber später nach der Bekanntgabe eines Konjunkturprogramms. Angesichts der allgemeinen Ablehnung der vorgeschlagenen Sparmaßnahmen und trotz des aufgestockten Hilfsprogramms des IWF fiel der argentinische Peso weiter, während sich die Inflation beschleunigte und der Vorsitzende der Zentralbank zurücktrat.

In Brasilien, wo der Präsidentschaftswahlkampf in den kommenden Wochen den Höhepunkt erreichen wird (der erste Wahlgang ist für den 7. Oktober geplant und das endgültige Ergebnis soll am 28. Oktober feststehen), sackte der Real auf ein Allzeittief gegenüber dem US-Dollar ab. Er wurde durch die vielen wirtschaftspolitischen Unsicherheiten belastet, während sich das Haushaltsdefizit bereits erheblich ausgeweitet hat.

Abbildung 3: Einige Schwellenländerwährungen bleiben anfällig

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 28/09/2018

Ein veränderliches Umfeld

Nach mehreren „Panikattacken“ im Laufe des Sommers im Zusammenhang mit Schwellenländerwährungen, italienischen Anleihenrenditen und den jüngsten Entwicklungen im Welthandel wurde die zaghafte Haltung der Märkte Anfang September schnell durch positivere Trends abgelöst, obwohl das Marktumfeld noch immer etwas angespannt ist.

Die Stabilisierung der türkischen Lira, der Rückgang der italienischen Anleihenrenditen, die Abschwächung des US-Dollars und neue Rekordstände des S&P 500 zum Börsenschluss erweckten den Eindruck, dass an den Märkten wieder Ruhe eingekehrt sei. Die letzte, volatile Handelssitzung im September zeigte jedoch, dass dies nicht der Fall war. Vielmehr zeugten die positiven Trends vor dem letzten Handelstag unserer Meinung nach von der pragmatischen Haltung der Anleger.

Angesichts der vielen Probleme (Auswirkungen der US-Handelspolitik, der Haushaltspolitik der italienischen Regierung und der Brexit-Verhandlungen), die zeitnah nicht gelöst werden dürften, ist es durchaus sinnvoll, sich auf günstige Fundamentaldaten zu konzentrieren, ohne jedoch allzu überschwänglich zu werden. Solide Konjunkturindikatoren, angemessene Reaktionen der Zentralbanken Argentiniens und der Türkei , um den Kursverfall ihrer Währungen zu bremsen, und die vorsichtige Normalisierung der Geldpolitik in den G7-Ländern können als positive Faktoren angesehen werden.

Das Umfeld, an das wir uns inzwischen gewöhnt haben, befindet sich im Wandel, und wahrscheinlich wird es eine Weile dauern, bis sich ein neues Gleichgewicht herausgebildet hat. Es hat keinen Sinn, in dieser Phase der Instabilität allzu zaghaft zu sein, vor allem, da bereits viele Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, um die schlimmsten Auswirkungen an der Handelsfront zu vermeiden. Eine tollkühne Haltung wäre in diesem Umfeld des Wandels aber ebenso fehl am Platz. Vermögensallokationen sollten nach wie vor von kühlen Reaktionen und eiserner Disziplin bestimmt werden.

Weiter Artikel von Nathalie Benatia.


Nathalie Benatia

Macroeconomic Content Manager

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