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Börsenentwicklung im juli 2018

Im Spannungsfeld zwischen protektionistischen Drohgebärden und vagen Handelsvereinbarungen haben sich die Aktienmärkte wieder erholt.

Im Juli waren es – wie bereits in den Monaten davor – erneut eher politische als wirtschaftliche Themen, mit denen sich die Finanzmärkte befassen mussten. Dabei sorgten vor allem die diversen Verlautbarungen aus den USA und die entsprechenden Reaktionen ihrer Handelspartner für Aufsehen.

Im Spannungsfeld zwischen protektionistischen Drohgebärden und vagen Handelsvereinbarungen haben sich die Aktienmärkte wieder erholt.

Im Juli waren es – wie bereits in den Monaten davor – erneut eher politische als wirtschaftliche Themen, mit denen sich die Finanzmärkte befassen mussten. Dabei sorgten vor allem die diversen Verlautbarungen aus den USA und die entsprechenden Reaktionen ihrer Handelspartner für Aufsehen.

In den ersten beiden Juliwochen schienen die handelspolitischen Spannungen zunächst weiter zu eskalieren, nachdem der US-Präsident am 10. Juli mit neuen Strafzöllen auf chinesische Einfuhren gedroht und EU-Ratspräsident Donald Tusk auf einem Gipfel in Peking die beiden Seiten aufgefordert hatte, „Konflikte und Chaos zu vermeiden“. Am 25. Juli trafen dann die USA und die Europäische Union unerwartet eine Vereinbarung, die die Märkte wieder hoffen ließ. Immerhin sind damit Einfuhrzölle auf europäische Autos vorerst vom Tisch, auch wenn die sehr vage gehaltene gemeinsame Erklärung, nach der eine Arbeitsgruppe für mehr freien Handel zwischen den USA und der Europäischen Union sorgen soll, viele Fragen offen lässt. Die Märkte reagierten dennoch erleichtert, sodass globale Aktien im Juli (gemessen am MSCI AC World) auf Dollarbasis um +2,9 % zulegten, was einem Plus von 1,3 % seit Jahresbeginn entspricht.

Nach einem trostlosen ersten Halbjahr profitierten die Börsen der Industrieländer – trotz der diffusen protektionistischen Drohgebärden – von anhaltend positiven Wirtschaftsdaten. Derweil erzielte der MSCI-Schwellenmarktindex auf Dollarbasis lediglich ein kleines Plus von 1,7 %, was einem Verlust von -6,1 % seit Jahresbeginn entspricht. Die erneute Underperformance der Schwellenmärkte war vor allem China zuzuschreiben, da die eskalierenden Handelsstreitigkeiten mit den USA das Land in besonderem Maße belasteten, zumal auch das BIP im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr nur noch um 6,7 % gewachsen war (gegenüber +6,8 % im Vorquartal).

Abbildung 1: Schwellenmarktaktien entwickeln sich weiter unterdurchschnittlich

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 31.07.2018

Das Wirtschaftswachstum ist – insbesondere in den USA – nach wie vor solide

Der IWF warnt in seinem letzten Weltwirtschaftsausblick vom 13. Juli vor den Risiken eines zunehmenden Wachstumsgefälles. Er erklärt zudem ausdrücklich, dass eine Eskalation oder eine Fortführung der Handelsmaßnahmen „die Wirtschaft entgleisen lassen“ könnte. Der IWF behielt jedoch seine Prognose für das globale Wachstum bei und erwartet für 2018 und 2019 weiterhin Zuwachsraten von 3,9 %. Auch die jüngsten Daten deuten nicht auf eine Trendwende hin.

Tatsächlich erzielten die USA im zweiten Quartal erneut ein dynamisches BIP-Wachstum von 4,1 % gegenüber dem Vorjahr (nach 2,2 % im ersten Quartal), das sich sowohl auf einen soliden Verbrauch der privaten Haushalte als auch auf hohe Investitionen der Unternehmen stützt. Den ersten Daten zufolge könnte die Zuwachsrate im dritten Quartal sogar noch höher ausfallen. Die europäische Konjunktur entwickelte sich indes weiter schleppend, mit einem BIP-Anstieg von gerade einmal 0,3 % (nach 0,4 % im ersten Quartal) und erneut schwachen Stimmungsindikatoren. So ging im Juli etwa der PMI-Composite-Index, der die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor zusammenfasst, gegenüber dem Vormonat von 54,9 auf 54,3 Zähler zurück.

Derweil lässt die Anfang Juli veröffentlichte Tankan-Umfrage der Bank of Japan (BoJ) darauf schließen, dass sich auch die japanische Konjunktur verlangsamt, was sich insbesondere im Produktionssektor, der empfindlicher auf die Entwicklungen im Welthandel reagiert, bemerkbar macht. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel sogar auf den niedrigsten Stand seit 20 Monaten. Ebenfalls schwächer zeigt sich die chinesische Konjunktur, unter anderem wegen der durch die US-Handelspolitik geschürten Unsicherheiten, die den Yuan im Juli gegenüber dem US-Dollar um 2,7 % absacken ließen (bzw. um 5,2 % seit Mitte April).

Die Monatsperformance an den Börsen der Industrieländer

Die Sorgen um die japanische Konjunktur könnten der Grund dafür sein, dass die Tokioter Börse im Juli (gemessen am Nikkei 225) lediglich ein kleines Plus von 1,1 % und die auf die Binnennachfrage ausgerichteten Sektoren sogar ein Minus verbuchten.

Im Euroraum verzeichnete der Eurostoxx 50 ein Plus von 3,8 %, gestützt auf eine positive Entwicklung bei Finanzaktien, die von steigenden Langfristzinsen profitierten. Ebenfalls solide entwickelten sich Energie- und Industriewerte (vor allem aus dem Automobilsektor, der von den Vereinbarungen mit Washington profitierte).

Die Leitindizes der USA wurden von der starken Konjunktur, einem vielversprechenden Beginn der Fahrsaison und verstärkenden Effekten der Körperschaftssteuersenkung gestützt. Der S&P 500 verbuchte einen Anstieg von 3,6 %, mit einer Outperformance der defensiven Branchen wie etwa Gesundheit und Basiskonsumgüter sowie einer uneinheitlichen Entwicklung im Technologiesektor aufgrund heterogener Gewinnmeldungen.

Abbildung 2: US-Aktien sind weiter beliebt

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 31.07.2018

US-Anleihen unter dem Einfluss der japanischen Notenbank    

Die Rendite für zehnjährige US-T-Notes beendete den Juli – nach einem vorübergehenden Zweimonatshoch von mehr als 3 % – zehn Basispunkte höher bei 2,96 %. Während sich die Rendite in den ersten zwei Juliwochen noch relativ stabil um die 2,85 % bewegt hatte, legte sie in den letzten 14 Tagen stark zu.

Dies war darauf zurückzuführen, dass die japanische Notenbank (BoJ) am 19. Juli die Wertpapieraufkäufe reduziert hatte und Gerüchte darauf hindeuteten, dass die Währungshüter auf ihrer Juli-Sitzung eine Anpassung der Geldpolitik vornehmen könnten. Obwohl Gouverneur Kuroda dies zunächst dementiert hatte und ein Bericht über das Finanzsystem zu dem Schluss gekommen war, dass die Banken des Landes durch negative Leitzinsen und eine aktive Steuerung der Zinskurve nicht in nennenswerte Schwierigkeiten geraten würden, hat die BoJ diesen Weg am 31. Juli tatsächlich vorsichtig eingeschlagen.

Infolgedessen könnte die Renditespanne für zehnjährige japanische Staatsanleihen, die nach wie vor eine Rendite von etwa 0 % bieten, auf bis zu 0,20 % steigen (gegenüber bislang 0,10 %). Wenngleich Notenbankchef Kuroda die Maßnahmen als eine Anpassung hin zu mehr Flexibilität und nicht als „Normalisierung“ bezeichnet und die BoJ immer noch eine sehr vorsichtige Inflationsprognose zugrunde legt, die für das im März 2020 endende Fiskaljahr von 1,5 % ausgeht, hat die Erwartung, dass die Notenbank eine Anhebung der Langfristzinsen anpeilt, die US-Staatsanleihen belastet.

Abbildung 3: Moderat steigende Langfristzinsen

Quelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand: 31.07.2018

Investoren müssen die protektionistischen Drohungen im Auge behalten

Auch wenn sich die Börsen im Juli wieder etwas erholten, erlebten die Finanzmärkte in diesem Jahr einen recht turbulenten Sommeranfang, da zahlreiche Unsicherheiten die Stimmung eintrübten. Die verschiedenen Erklärungen des US-Präsidenten wie beispielsweise zum finanziellen Engagement seiner NATO-Partner, zum Iran, zu Russland und zu China sowie vor allem die amerikanische Handelspolitik haben die Nervosität weiter angefacht.

Die entsprechenden Kommentare haben an den Börsen erhebliche Tagesschwankungen ausgelöst. Zusätzliche Risiken für das globale Wachstum stellen die Einführung von Zöllen auf chinesische Produkte und die Erwartung , dass der US-Präsident in den kommenden Monaten weitere Verlautbarungen in Bezug auf neue Steuern, Repressalien oder WTO-Beschwerden veröffentlichen wird, dar.

Positiv zu werten sind daher die Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Stützung der Binnenkonjunktur, da daran deutlich wird, dass China den Drohungen aus den USA defensiv entgegnet, um eine weitere Zuspitzung zu vermeiden. Auch die Übereinkunft zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, die die Aufnahme neuer Verhandlungen in mehreren Bereichen ermöglicht, ist nach den wochenlangen Spannungen als konstruktiv zu werten. Dasselbe gilt für das Handelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union.

Die Gefahr des Protektionismus besteht allerdings nach wie vor. Darauf verweisen insbesondere die Währungshüter, die jedoch von ihrer Entscheidung, die ultralockere Geldpolitik schrittweise zu beenden, letztlich nicht abrücken. Trotz der äußerst niedrigen Inflation hat nun sogar die japanische Notenbank Schritte in diese Richtung eingeleitet.

Die Weltwirtschaft scheint indes stark genug, um die gestiegenen – jedoch keineswegs unüberwindbaren – Risiken zu verkraften. Zudem gilt es auch, verschiedene andere Belastungsfaktoren genau im Auge zu behalten, so etwa die verworrenen Brexit-Verhandlungen nach diversen Rücktritten und die hitzigen Diskussionen um die italienischen Staatsfinanzen. Dennoch generieren die Unternehmen anhaltend solide Gewinne, woran deutlich wird, dass die Fundamentaldaten – trotz des gegenüber 2017 schwierigeren Umfelds – weiter intakt sind.


Weiter Artikel von Nathalie Benatia.

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