Chart der Woche – Es herrscht Zuversicht

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Anzeichen für eine leichte Konjunkturaufhellung sowie positive Schlagzeilen zur Handels- und Geopolitik haben einen Abverkauf bei sicheren Anlagehäfen (wie deutschen Bundesanleihen und Gold) ausgelöst. Damit fand der „Widerstand“ dieser Vermögenswerte gegen den Aufwärtstrend bei Aktien und Anleihen (einschließlich Schwellenländeranleihen) im Jahr 2019 ein Ende.

  • Eine niedrige Rendite bei Bundesanleihen und ein höherer Goldpreis standen steigenden Aktienkursen und einer Verengung der Kreditspreads gegenüber.
  • Auch die relative Stärke des japanischen Yen seit dem vierten Quartal 2018 war ein Anzeichen für die anhaltende Nachfrage nach sicheren Anlagen.
  • Vor kurzem war jedoch bei Gold und Bundesanleihen eine Kapitulation zu beobachten.

Die Risikobereitschaft scheint gestiegen zu sein, da die Nachfrage nach Bundesanleihen und Gold zurückgegangen ist. Diese Anlageklassen entwickeln sich normalerweise in Zeiten, in denen sich vorsichtige Anleger für sichere Anlagen entscheiden, gut. Dieser Stimmungsumschwung hat dazu geführt, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe angestiegen ist und dass Gold einen Großteil der seit Jahresbeginn erzielten Gewinne wieder einbüßen musste (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Gold und Bundesanleihen haben nachgegeben

Die Widerstandsfähigkeit von Bundesanleihen und Gold – die starken Verluste von Ende 2018 wurden infolge einer neuen Zuversicht wettgemacht – stand im Widerspruch zu den Zuwächsen an den meisten großen Aktienmärkten seit Jahresbeginn. In Europa scheint die Konjunktur wieder anzuziehen, unterstützt durch optimistischere Stimmungsindikatoren im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland und Frankreich (die gerade erst ihre zyklischen Tiefstände hinter sich gelassen haben).

Während in Frankreich die Gelbwestenbewegung weiter anhält, scheinen die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Anti-Establishment-Proteste nachzulassen, was dazu geführt hat, dass der Einkaufsmanagerindex (EMI) seine Talfahrt von Dezember 2018 und Januar 2019 beendete. Angesichts der Tatsache, dass sich auch der italienische Einkaufsmanagerindex wieder stabilisiert, scheinen wir in der gesamten Eurozone vor dem Ende der Schwächephase zu stehen.Von nun an ist mit einer Stimmungsaufhellung zu rechnen.

Zusätzlich wird der Risikoappetit durch die Hoffnungen der Anleger genährt, dass die USA und China, die zwei größten Volkswirtschaften der Welt, möglicherweise kurz vor dem Abschluss eines Handelsabkommens stehen. Eine Ausweitung oder Erhöhung der Handelszölle könnte damit vermieden werden; sogar eine Aufhebung der Handelsbeschränkungen wäre denkbar.

Aufgrund der jüngsten Entwicklungen von Bundesanleihen und Gold scheint es angemessen, eine Warnung auszusprechen: Wird Zuversicht unter den Anlegern zunehmend zur Normalität und bewegen sich viele Märkte nur in eine Richtung, könnte Grund zur Vorsicht geboten sein, zumal bestens bekannte Belastungsfaktoren weiterhin bestehen. Dazu gehören eine schwächere Nachfrage aus China und Asien, ein möglicher Handelskrieg mit Europa, die Unsicherheit im Hinblick auf den Brexit und eine schwache Nachfrage im Automobilsektor.


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Daniel Morris

Senior investment strategist, CFA charterholder

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