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Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Die Erhaltung unserer Wälder: Ein wichtiges Ziel nachhaltiger Entwicklung

Die Initiativen für den Stopp der Abholzung (Zero Deforestation) tragen zu vielen Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung bei und werden zunehmend als zwingend notwendig von Investoren und der Gesellschaft insgesamt anerkannt.
  • Der Agrarnahrungsmittelsektor macht einen großen Teil der Entwaldung aus
  • Der größte Kampf betrifft die Soja- und Rinderzuchtindustrie
  • Der Druck auf Anleger kann dazu beitragen, die Führungs- und Verwaltungsstruktur zu verbessern und die Finanz- und Reputationsrisiken zu verringern

Die Abholzung (die auf jährlich 13 Millionen Hektar geschätzt wird) ist gleichzeitig ein Umwelt-, Sozial- und Governance-Problem. Während bereits Maßnahmen ergriffen wurden, ist BNP Paribas Asset Management der Ansicht, dass noch mehr getan werden muss, um die Wälder der Welt zu schützen. [1] Mehr als 1,6 Milliarden Menschen sind auf Wälder angewiesen, um ihren Lebensgrundlage zu sichern. Wälder sind riesige Lagerstätten von Nahrungsmitteln, Wasser, Inhaltsstoffen für Medikamente und machen bis zu 80% der biologischen Vielfalt auf dem Land aus. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Kohlenstoffbindung und, da der Kohlenstoff sinkt, beim Abfangen großer C02-Mengen. Die Bemühungen zur Erhaltung der Wälder tragen zur Erreichung vieler der 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDG) für 2030 bei, einschließlich der Klimamaßnahmen (SDG 13), der Beseitigung von Armut und Hunger (SDG 1 & 2) sowie eines verantwortungsvollen Konsums und einer verantwortungsbewussten Produktion (SDG 12). Das SDG 15 umfasst insbesondere die Bekämpfung der Abholzung und der Wüstenbildung sowie den Schutz der biologischen Vielfalt.

Die Rolle des Agrarnahrungsmittelsektors bei der Entwaldung

40% der weltweiten Entwaldung können auf vier Rohstoffe bzw. Tätigkeiten zurückgeführt werden: Palmöl, Holz und Erzeugnisse auf Papierbasis, Soja und Rinderhaltung. Für die beteiligten Unternehmen wird das Geschäftsrisiko auf 941 Milliarden USD geschätzt, was ihrem kombinierten Jahresumsatz entspricht. Der Agrarnahrungsmittelsektor ist als Erzeuger und führender Verbraucher der betreffenden Rohstoffe stark gefährdet und sich seinem Einflussbewusst. Dementsprechend zielt er auf einen vollständigen Stopp der Entwaldung bis zum Jahr 2020 ab.

Abbildung 1: Ursachen der Entwaldung (in Mio. Hektar)

Quelle: World Resources Institute, September 2018 https://www.wri.org/news/2018/09/release-new-study-finds-more-quarter-global-tree-cover-loss-commodity-driven Als Anleger ist BNP Paribas Asset Management bestrebt, die damit verbundenen Risiken zu verstehen und zu bewerten, wie die Unternehmen diese steuern, um einen Stopp der Abholzung zu erreichen. Unsere Analyse konzentriert sich auf die vier Rohstoffaktivitäten mit dem größten Risiko und geht in unsere ESG-Ratings von Unternehmen des Lebensmittelsektors ein. Wir identifizieren drei Arten von Risiken:
  • Finanzielle Risiken: Sie beziehen sich auf den möglichen Anstieg der Kosten (oder sogar Engpässe) des Angebots und auf die Auswirkungen auf Wertschöpfungsketten sowie auf die Auswirkungen, die dies auf die Gewinne eines Unternehmens haben könnte
  • Regulatorische Risiken: Sie treten beispielsweise bei der Beschaffung aus illegalen Quellen auf
  • Imagerisiko: Der Ruf des Unternehmens kann durch die Nichtregierungsorganisation (NRO), Verbraucher und Anleger, die Transparenz und Waldschutz fordern, geschädigt werden, was zu Marktanteilsverlusten und Gewinneinbußen führen kann
Ein Beispiel hierfür ist der Boykott gegen KitKat wegen seines Palmölgehalts. Dies wurde 2010 von Greenpeace organisiert und ist ein Musterbeispiel: Der Kitkat-Hersteller Nestlé wurde beschuldigt, zur Entwaldung und zur Zerstörung der Lebensräume von Orang-Utans beigetragen zu haben. Infolgedessen trennte sich der Konzern schnell von dem beschuldigten Lieferanten, um den Ruf und die Einnahmen des Spitzenprodukt zu schützen. Unabhängig davon haben der World Wildlife Fund und Unternehmen wie Unilever ein Palmölzertifizierungssystem eingerichtet - den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO). Angesichts des wachsenden Bewusstseins der Öffentlichkeit haben die meisten Agrarlebensmittelunternehmen nun erklärt, dass sie bis zum Jahr 2020 ein ausschließliches RSPO-Angebot anstreben. Berichte von NGOs bzw. NROs (Nichtregierungsorganisationen) haben jedoch gezeigt, dass selbst zertifizierte Produzenten in Südostasien und Lateinamerika ihre Verpflichtungen nicht ernst nehmen. Die Zertifizierungskriterien sollten verschärft werden, um sowohl gegen Umweltbelastungen, als auch gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen. Die Unternehmen sind sich in den letzten Jahren auch der Notwendigkeit bewusstgeworden, die Verwendung illegalen Holzes zu vermeiden und stattdessen nachhaltiges Holz und Papier in ihren Lieferketten zu verwenden, indem sie zertifizierte Quellen einführen, die heute ähnlich wie RSPO-Palmöl weithin verfügbar sind. Strengere Prüfungen vor Ort sollten die Glaubwürdigkeit dieser Bescheinigungen gewährleisten. Schließlich ist zu bedenken, dass illegale Aktivitäten zwar einen erheblichen Teil der weltweiten Entwaldung ausmachen, dass aber auch die legale Abholzung ein wesentliches Problem darstellt. Die Einhaltung des Gesetzes ist daher notwendig, aber nicht ausreichend, um die Thematik zu lösen.

Auseinandersetzung mit Soja und Rinderhaltung: Der größte Kampf

Soja und vor allem die Rinderzucht tragen am meisten zur Entwaldung bei. Sie haben zwischen 1990 und 2008 einen Verlust von 480 000 bzw. 2,7 Millionen Hektar Wald verursacht. Viele Agrarlebensmittelunternehmen haben jedoch immer noch Mühe, den Umfang des Problems zu beurteilen. Das Angebot aus gefährdeten Gebieten wie dem Cerrado in Brasilien, wo immer mehr Rinderweiden eine anhaltende Bedrohung darstellen, wird kaum kartografisch erfasst. Für Soja gibt es nachhaltige Labels, aber das Volumen der gekennzeichneten Produkte ist noch bei weitem nicht ausreichend. Während das Moratorium für Soja im Jahr 2008 dazu beitrug, die Entwaldung im Amazonasgebiet erheblich zu verringern, bleibt die Sojaproduktion im Cerrado ein ernstes Problem. Unternehmen und Investoren, darunter BNP Paribas Asset Management, haben eine Erklärung zur Unterstützung des Cerrado Manifests unterzeichnet, um die Entwaldung in der Region zu beenden. Um den Bekämpfungsprozess gegen Entwaldung und Sojaproduktion bei amerikanischen Agrarlebensmittelunternehmen auf ein EU-Niveau anzugleichen, ernannte BNP Paribas Asset Management vor kurzem einen „Head of Stewardship“ für den amerikanischen Kontinent, um sich gründlicher mit diesen Unternehmen zu befassen.

Investmentbranche übt Druck aus

Der künftige Bedarf an Soja und neuen Ackerflächen für die Rinderhaltung dürfte das Risiko der Entwaldung weiter erhöhen. Allein für die Rinderhaltung werden die Einnahmen börsennotierter Unternehmen, die mit der Entwaldung in Zusammenhang stehen, auf 137 Milliarden USD geschätzt. Um auf diese Unternehmen erheblichen Druck auszuüben, haben BNP Paribas Asset Management und mehr als 40 vergleichbare Unternehmen die Rinderindustrie aufgefordert, die Entwaldung in der südamerikanischen Produktion zu stoppen. Diese Anleger, die Vermögenswerte in Höhe von 6,8 Bilionen USD verwalten, haben sich öffentlich um eine größere Rechenschaftspflicht der Unternehmen, eine bessere Rückverfolgbarkeit und die Einhaltung der Lieferantenvorschriften bemüht. Noch zu wenige Unternehmen haben ihre Lieferketten, insbesondere für Soja und Rinderhaltung, dargelegt. Wir begrüßen eine verbesserte Transparenz, die uns ermöglicht, unsere vergleichende Analyse der Unternehmen und unseren Dialog zu verbessern, um größtmögliche Wirkung zu erzielen.

Das Ende der Entwaldung ist Sache aller

Ein Ende der Entwaldung sollte dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu verringern, die biologische Vielfalt, den Boden und das Wasser zu schützen. Darüber hinaus sollte sichergestellt werden, dass die in den betroffenen Gebieten lebenden Gemeinschaften ihren Lebensunterhalt und das gesamte Spektrum der lokalen natürlichen Ressourcen, von denen sie abhängig sind, erhalten. Eine bessere Governance dürfte das Ansehen der Unternehmen bei den Endkunden verbessern und die finanzielle Performance unterstützen. Verpflichtungen zur Beschaffung zertifizierter Waren sind zur Beruhigung der Anleger unerlässlich und müssen von Audits und der Überwachung der Lieferanten begleitet werden, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Wir halten die Beendigung der Entwaldung für unerlässlich - für Anleger und die Gesellschaft als Ganzes. Als Treuhänder vertiefen wir unser Verständnis dieses vielschichtigen Problems weiter und arbeiten mit anderen Organisationen zusammen, um die wirksamsten Lösungen zu finden. Wir werden mit Beteiligungsgesellschaften durch Dialog und Proxy-Abstimmung zusammenarbeiten.   [1] BNPP AM zielt darauf ab, dass relevante Unternehmen in unseren Portfolios bis 2020 keine Entwaldung, keinen Torf- und keine Nutzungsverpflichtungen für Agrarrohstoffe beinhalten; Quelle: BNPP AM Global Sustainability Strategy, S. 27-29, 2019
Weitere Informationen zu unserer globalen Nachhaltigkeitsstrategie finden Sie hier > Für mehr Artikel über nachhaltiges Investieren, klicken Sie hier>
Die genannten Unternehmen dienen lediglich zur Veranschaulichung, sind nicht als Aufforderung zum Kauf von Aktien dieser Unternehmen gedacht und stellen keine Anlageberatung oder -empfehlung dar. Der Wert von Anlagen und die von ihnen erwirtschafteten Erträge können sowohl fallen als auch steigen, und es ist möglich, dass Anleger ihre anfänglichen Ausgaben nicht zurückerhalten.

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