BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Multi-Sector Fixed Income – Ausblick für die Rentenmärkte der USA und der Eurozone im Jahr 2021

Die Renditen der Staatsanleihen von Industrieländern haben 2020 Rekordtiefs erreicht. Chief Market Strategist Daniel Morris und Olivier De Larouzière (OL), Head of Multi-Strategy Fixed Income, diskutieren über den Ausblick für Anleihen im Jahr 2021.

Welche Auswirkungen werden die finanziellen Anreize der EZB Ihrer Meinung nach auf die Konjunktur und die Zinssätze in der Eurozone haben?

OL: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit der Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms bis Mitte 2021 und der Aufstockung auf 1,85 Billionen Euro eine wichtige Entscheidung getroffen. Die EZB hat bereits viel getan, aber dieses zusätzliche Maßnahmenpaket wird die Märkte im Hinblick auf die geldpolitischen Absichten der Notenbank beruhigen. Diese macht jetzt mit der Renditekurvenkontrolle ernst: Um die Pandemie zu überwinden, wird sie voraussichtlich einen Großteil der von den Regierungen der Eurozone neu begebenen Anleihen kaufen. Spanien hat erst vor Kurzem zum ersten Mal Staatsanleihen mit negativen Zinsen begeben. Angesichts der extrem niedrigen Zinsen brauchte der Markt eine Bestätigung der Politik der EZB.

Für mich setzt die Notenbank eindeutig in die Praxis um, was sie aus der Erfahrung anderer Zentralbanken gelernt hat. Wir wissen, dass es innerhalb der EZB eine heftige Debatte um die Maßnahmen gegeben hat. Ihre Vorsitzende Christine Lagarde konnte einen Konsens zustande bringen, nachdem die geldpolitischen Entscheidungsträger über eine Expansion in Höhe von 500-750 Milliarden Euro diskutiert hatten.

Als die Entscheidung gefallen war, erholten sich die Märkte. Die Anleiherenditen in den Peripheriestaaten des „Blocks“ fielen, was damit rechnen lässt, dass die Maßnahmen Ländern wie Italien und Spanien Auftrieb verleihen werden. Auch Unternehmensanleihen der Kategorie Investment-Grade dürfte die Entscheidung zugute kommen.

Dieses jüngste Maßnahmenpaket ist besonders für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) und Haushalte in der Eurozone von Bedeutung, die der Bankensektor dank der EZB-Maßnahmen mit Liquidität versorgen kann. Dank dieser garantierten Kredite, die für die Konjunktur der Eurozone von großer Bedeutung sind, konnten wir eine deutliche Zunahme der Kreditvergabe feststellen.

Wie zutreffend ist die Idee einer ‚,Japanisierung‘‘ der Eurozone?

OL: Diesen Vergleich mit der japanischen Wirtschaft höre ich schon lange. Es gibt durchaus Ähnlichkeiten – schwaches Konjunkturwachstum, Desinflation und jetzt die Renditekurvenkontrolle – aber für mich ist der Vergleich hauptsächlich aus zwei Gründen unangemessen:

  • Erstens die relative Stärke des Bankensektors in der Eurozone: Japan hatte in den 1990er Jahren unter einer chronischen Schwäche des Bankensektors zu leiden, der mit notleidenden Krediten kämpfte. In der Eurozone ist das derzeit nicht der Fall. Die Coronavirus-Pandemie ist eine große Herausforderung und wird vermutlich die Ausfallraten beeinflussen, aber die EZB tut alles in ihren Kräften stehende, um die Risiken einzudämmen, so dass die Krise unter Kontrolle bleiben dürfte.
  • Zweitens die Erwerbsbevölkerung: In Europa ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu den in Japan erreichten Werten hoch. Das kann man natürlich dahingehend auslegen, dass die Situation schlechter ist, aber für mich bedeutet es das komplette Gegenteil. Meiner Meinung nach entsteht so Spielraum für Konjunkturwachstum, wenn sich die Situation verbessert, aber wirklich nur dann. Für mich ist es eine Quelle der Hoffnung.

Diese Faktoren sorgen für wesentliche Unterschiede zwischen der Entwicklung in Japan und der voraussichtlichen langfristigen Entwicklung in der Eurozone.

Wie sieht Ihr Ausblick für Anleihen der Eurozone in 2021 aus? Wo sehen Sie Chancen?

OL: Die Renditen von Staatsanleihen in der Eurozone sind sehr niedrig (siehe Diagramm 1). Seit die EZB im Oktober ihre Absicht bekannt gab, ihr Anleihekaufprogramm auszuweiten, sind die Renditen zahlreicher südeuropäischer Anleihen auf unter 0% zurückgegangen. Ich habe das lange nicht gesagt, aber ich denke jetzt, dass die Anleiherenditen in der Eurozone wahrscheinlich sehr nahe an ihrem absoluten Tiefstwert liegen.

Wenn ich nach dem Ausblick für zehnjährige Anleihen gefragt werde, betrachte ich zunächst die Renditen zweijähriger Staatsanleihen. Die Renditen zweijähriger Bundesanleihen liegen derzeit nahe an minus 80 Basispunkten. Der Einlagenzins der EZB zählt mit -0,50% bereits zu den niedrigsten weltweit. Untersuchungen der Zentralbank zufolge liegt das Gleichgewichtsniveau für Renditen von Staatsanleihen der Eurozone irgendwo bei -1%. Von diesem Niveau, das ich als Mindestwert betrachte, sind wir nicht mehr weit entfernt.

Wenn ich davon ausgehe, dass die zweijährigen Renditen fast ihr absolutes Tief erreicht haben, wie weit können dann die zehnjährigen Renditen sinken? Die Antwort lautet, dass sie nicht viel niedriger werden können als sie bereits sind, da die Renditekurve schon jetzt sehr flach ist. Der Rückgang der Renditen für zehnjährige Staatsanleihen der Eurozone liegt größtenteils hinter uns.

Darüber hinaus gibt es das längere Ende, an dem die Kurve zwischen zehn- und dreißigjährigen Staatsanleihen steiler verläuft. Die Anleger wechseln zwischen Staats- und Unternehmensanleihen der Eurozone, je nachdem, wie steil die Kurve verläuft und wie groß die Renditeabstände der Unternehmensanleihen sind. Die Kreditspreads haben sich stark verengt, und wir stellen eine Rückkehr der Anleger zu Staatsanleihen fest.

Auch wenn es überraschen mag: Die jüngsten Emissionen von Anleihen mit langer Laufzeit in der EU zeigten das Interesse an diesen neuen Anleihen. In der EU werden im Jahr 2021 voraussichtlich zahlreiche Anleihen begeben werden, und wir können eine Nachfrage nach Anleihen mit längeren Laufzeiten verzeichnen.

Angesichts der aktuellen Werte beschränken sich die Chancen auf Staatsanleihen der Eurozone mit zehnjähriger Laufzeit. Die italienischen Anleihen haben in der jüngsten Zeit eine gute Performance erzielt, denn die Renditen zehnjähriger Anleihen fielen von 1% im September auf derzeit rund 0,50%. Für mich handelt es sich um den einzigen Staatsanleihemarkt, an dem noch Spielraum besteht – ich halte einen Rückgang um weitere 0,2-0,3% durchaus für möglich.

Bei den Unternehmensanleihen sind die Renditeabstände bereits eng (siehe Diagramm 2), aber bei den „Fallen Angels“ sind meiner Meinung nach Chancen zu finden. Irgendwann wird es 2021 vermutlich Recovery Trades auf die Sektoren geben, die dieses Jahr die schlechteste Performance erzielten, z. B. Immobilien oder einige der größten Fluggesellschaften.

Wir halten auch den Bankensektor der Eurozone für interessant. Dieser besetzt schon lange einen ausgesuchten Platz in unseren Portfolios, besonders nachrangige Anleihen. Wir sind davon überzeugt, dass die neuen Bedingungen, die die EZB für die TLTROs angekündigt hat, weiterhin für starke Unterstützung sorgen, aber die positivsten Neuigkeiten sind die garantierten Kredite an Haushalte und KMU. Das dürfte dem Bankensektor zugute kommen.

Zusammenfassend sehen wir an den Rentenmärkten der Industrieländer, besonders in der Eurozone, bei Spread-Produkten in bestimmten Sektoren die interessantesten Chancen.

Welches Risiko bereitet Ihnen für 2021 größere Sorgen: Deflation oder Inflation?

OL: Der Ausblick in den USA und Europa ist sehr unterschiedlich.

In den USA sind alle Voraussetzungen für eine höhere Inflation gegen Ende des Jahres 2021 erfüllt: Fiskalische Anreize, Konjunkturerholung in 2021, historisch niedrige Zinsen. Eine solche Entwicklung wäre positiv. Betrachten wir die in den USA von der National Federation of Independent Business Survey (NFIB) antizipierten Lohnerhöhungen, finden wir Hinweise auf eine deutliche Erholung der Absichten, höhere Löhne zu zahlen.

In der Eurozone bietet sich ein völlig anderer Inflationsausblick. Hier ist die Arbeitslosigkeit zu hoch, um viel Spielraum für bedeutende Lohnerhöhungen zu lassen. Die einzigen Quellen, die ich für eine Inflation in der Eurozone im Jahr 2021 sehe, sind technischer Art – höhere MwSt. in Deutschland, bestimmte Basiseffekte aufgrund der Änderungen bei der Inflationsberechnung.

Niedrige Inflation und das Deflationsrisiko ist für die EZB im Jahr 2021 das größte Risiko, weshalb sie die Entwicklung des Euro an den Devisenmärkten aufmerksam verfolgen dürfte und auf jede schnelle Aufwertung mit Maßnahmen reagieren könnte, um den potenziellen Auswirkungen auf die Inflation in der Eurozone entgegenzuwirken.

Hören Sie auch Market Weekly – Zinsen in der Eurozone nahe am absoluten Tief (Podcast), oder lesen Sie „Für die EZB beginnt ein Zeitalter informeller Renditekurven- und Spread-Kontrolle“.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

In Verbindung stehende Artikel

Weekly insights, straight to your inbox

A round-up of this week's key economic and market trends, and insights on what to expect going forward.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Please check the boxes below to subscribe