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Gedanken zur Verflachung der US-Zinsstrukturkurve

Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

Anleihen

Bitte beachten Sie, dass dieser Text technische Ausdrücke enthalten kann. Er richtet sich daher nur an Leser mit professioneller Investmenterfahrung.

In diesem Jahr ist die US-Zinsstrukturkurve zunehmend flacher geworden. Der Renditeabstand zwischen lang- und kürzerlaufenden Anleihen hat sich also verringert.

Die ausbleibende Inflation hat 2017 zu einer flacheren Zinsstrukturkurve geführt

Wie Abbildung 1 zeigt, ist der Abstand zwischen der Rendite zehnjähriger und zweijähriger US-Staatsanleihen seit Herbst 2016 immer kleiner geworden. Nach dem überraschenden Wahlsieg von Donald Trump sind die Renditen gestiegen, weil man glaubte, dass die neue Regierung für mehr Inflation sorgen könnte. Jedoch kam es anders. Die Inflation ist 2017 niedrig geblieben und lag wiederholt unter den Erwartungen.

Zuletzt hat sich die Verflachung der Zinsstrukturkurve sogar noch beschleunigt. Am 24. November betrug der Renditeabstand erstmals seit November 2007 nur noch gut 0,5 Prozentpunkte, und der Abstand zwischen dreißigjährigen und zweijährigen Titeln fiel auf fast einen Prozentpunkt (Abbildungen 1 und 2 unten).

Abbildung 1: Verflachung der Zinsstrukturkurve 2017: Der Renditeabstand zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Treasuries ist gefallen

AnleihenQuelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand 29.11.2017

Abbildung 2: Der Griff nach „Qualitätsrenditen“? Auch der Renditeabstand zwischen 30-jährigen und 2-jährigen Treasuries ist 2017 gefallen

AnleihenQuellen: Renditeabstand zwischen 30- und 10 -jährigen US-Staatsanleihen in Basispunkten, Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand 29.11.2017

Ist die Zinsstrukturkurve ein Konjunkturindikator?

Das ist ungewöhnlich. Weil die Federal Reserve die Kurzfristzinsen zurzeit anhebt (wenn auch sehr langsam: eine Erhöhung 2015, eine weitere Erhöhung 2016 und bislang zwei Erhöhungen 2017, wobei für Dezember eine dritte Anhebung um 25 Basispunkte erwartet wird), müssten die Langfristzinsen eigentlich steigen.

Die Steigung der Zinsstrukturkurve gilt als Frühindikator für das künftige Wirtschaftswachstum. Üblicherweise signalisiert eine steile Zinsstrukturkurve starkes und eine flache Kurve schwaches Wachstum. Nach Aussage der Federal Reserve Bank of Cleveland ist eine inverse Zinsstrukturkurve (bei der die Kurzfristzinsen höher sind als die Langfristzinsen) ein Zeichen dafür, dass in etwa einem Jahr eine Rezession zu erwarten ist. Den letzten sieben Rezessionen (gemäß Definition des US National Bureau of Economic Research) ging eine Inversion der Zinsstrukturkurve voraus. Beispielsweise invertierte die US-Zinsstrukturkurve im August 2006 und gut ein Jahr später, im Dezember, fielen die USA in ihre bislang letzte Rezession. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass es nach den beiden Zinsstrukturkurveninversionen (Ende 1966 und Ende 1998) in den zwölf Monaten danach nicht zu einer Rezession kam.

Abbildung 3: In den zwölf Monaten nach der Inversion der US-Zinsstrukturkurve kam es häufig zu einer Rezession

AnleihenQuelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand 29.11.2017 Renditeabstand (in Basispunkten) zwischen 10-jährigen und 2-jährigen US-Staatsanleihen vom 6. Dezember 1980 bis zum 29.11.2017

Was wird diesmal geschehen?

Die Inflationserwartungen auf Sicht der nächsten Quartale dürften keine Auswirkungen auf die Zehnjahresrenditen haben, weil hier die langfristigen Aussichten zählen. In ihrem Blog schrieb die Federal Reserve of San Francisco (FRBSF) kürzlich, dass die langfristigen Inflationserwartungen Umfragen zufolge 2017 nicht abgenommen haben. Zurückgegangen ist aber der finanzielle Ausgleich für die Inflation, der Abstand zwischen den nominalen und den realeninflationsindexierten Renditen, gemessen an den Kursen inflationsindexierter US-Staatsanleihen (TIPS). Dieser Rückgang und die fallende Inflationsrisikoprämie (die Investoren für die Möglichkeit geringerer Anleihenerträge durch eine steigende Inflation entschädigt), lassen die San Francisco Fed vermuten, dass die Investoren bereit sind, mehr für nominale Anleihen zu bezahlen – weil sie diese zunehmend als Absicherung gegen eine niedrige Inflation betrachten.

Wenn diese Vermutung stimmt, ist die seit einigen Jahren andauernde Phase mit niedriger und rückläufiger Inflation noch nicht vorbei. Wenn man – wie wir – unvermindert daran glaubt, dass es noch immer Konjunkturzyklen gibt, wird es bald zu einer Rezession kommen. Wir sehen allerdings keine Anzeichen dafür, dass dies schnell der Fall sein wird, im Gegenteil: Das Wachstum steigt. Aber wir teilen die Meinung, dass sich die Inflation auch 2018 noch nicht bemerkbar machen wird. In unserem Investmentausblick, der demnächst erscheint, werden wir uns ausführlicher mit diesem Thema befassen. Wiederkommen lohnt sich!


Verfasst am 29.11.2017

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