GRASFI: Akademische Ressourcen bündeln, um Nachhaltigkeit zu fördern

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Nachhaltiges Investieren wurde in der Vergangenheit manchmal durch einen Mangel an Definitionen und klaren Kennzahlen erschwert. Dies hat sich mittlerweile geändert: Die Regulierungsbehörden sorgen für Transparenz darüber, was Nachhaltigkeit im Finanzbereich bedeutet und geben Anlegern die Richtung vor.

Weiter gestärkt wird die Glaubwürdigkeit von nachhaltigen Investments durch multidisziplinäre akademische Forschung. Die Global Research Alliance for Sustainable Finance and Investment (GRASFI) spielt bei der Förderung der Zusammenarbeit zwischen Forschungsuniversitäten eine führende Rolle. 18 renommierte Universitäten aus der ganzen Welt forschen unter dem Dach von GRASFI zusammen zum Thema nachhaltige Finanzierungen und Anlagen.

Die von BNP Paribas Asset Management gesponserte Allianz zielt darauf ab, die Lehrpläne an Wirtschaftsuniversitäten im Hinblick auf Nachhaltigkeit und die damit verbundenen Informationsflüsse und Kennzahlen sowie Themen wie Klimarisiken und CO2-Bepreisung zu verbessern. Ziel ist es, Nachhaltigkeit von Anfang an in die Finanzanalyse zu integrieren, das entsprechende Wissen zu erweitern und zu vertiefen und so letztendlich auch die allgemeine Finanzkompetenz zu verbessern.

Auf der ersten GRASFI-Konferenz[1] wurden unter anderem folgende Themen behandelt[2]:

Grüne Unternehmensanleihen Caroline Flammer (Boston University)

Thema: Untersuchung der finanziellen Effektivität und der Umweltauswirkungen der Emission von grünen Unternehmensanleihen.

Fazit: Es gibt einen messbaren, anhaltend positiven Einfluss auf den Aktienkurs und die Kapitalrendite des emittierenden Unternehmens sowie einen signifikanten Einfluss auf die Umweltwerte und CO2-Emissionen im Vergleich zu ähnlichen Unternehmen, die keine grünen Anleihen ausgegeben haben.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Der Aktienkurs des Emittenten verbessert sich durch die Ankündigung sofort um 0,9%.

Aktienkursentwicklung von Klimasünder und Klimaunterstützern: Hinweise im Zuge der Wahl Trumps  Stefano Ramelli, Alexander Wagner, Alexander Ziegler (Universität Zürich), Richard Zeckhauser (Harvard University)

Thema: Querschnittsanalyse der Aktienkursentwicklung im Verlauf von zwei klimarelevanten Ereignissen (Donald Trumps Wahlsieg im November 2016 und seine Ernennung von Scott Prutt zum Leiter der US-Umweltbehörde EPA im Dezember).

Fazit: Die „schmutzigen“ (d.h. emissionsintensiven) Sektoren entwickelten sich besser, aber bei der Betrachtung von Einzelwerten zeigte sich das Gegenteil: Anleger belohnten Klimaverantwortung relativ, innerhalb der Sektoren.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Mit steigender Popularität Trumps scheinen Anleger Klimaverantwortung stärker belohnt zu haben – eine interessante Variation der positiven Reaktion des Marktes insgesamt.

Sozialverantwortliche Firmenkunden – Rui Dai (Wharton), Hao Liaing (Singapore Management University), Lilian Ng (York University)

Thema: Untersuchung der wechselseitigen Beeinflussung der Corporate-Social-Responsibility-Regeln von Kunden und Lieferanten

Fazit: CSR-Vorschriften von Kunden haben erhebliche Multiplikatoreffekte auf die CSR-Vorschriften ihrer Lieferanten, aber umgekehrt verhält es sich nicht so.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Der Einfluss auf die CSR des Kunden ist größer, wenn sich der Lieferant in einem anderen Land befindet.

Legen Anleger Wert auf Nachhaltigkeit? Ein natürliches Experiment zur Untersuchung von Ranking und Kapitalflüssen – Samuel Hartzman, Abigail Sussman (University of Chicago)

Thema: Analyse der Reaktionen von Fondsanlegern auf die Veröffentlichung der Globe Awards (Nachhaltigkeitsratings) durch Morningstar im März 2016

Fazit: Signifikante Abflüsse aus Fonds der untersten Kategorie und Zuflüsse in Fonds der obersten Kategorie zeigen, dass Investoren Wert auf Nachhaltigkeit legen. Einige Ergebnisse der Umfrage bestätigen, dass die Motivation zumindest teilweise finanziell ist (die erwarteten höheren Renditen wurden in den folgenden 11 Monaten nicht erzielt).

Wissenswert/wichtigster Punkt: Der Effekt ist nur in den Extremen messbar, zwischen dem 11. und 89. Perzentil des Nachhaltigkeitsratings zeigen sich keine signifikanten Unterschiede in den Geldflüssen.

Soziale Verantwortung und prognostizierbare Renditen – Yao Chen (Cardiff University), Alok Kumar (University of Miami), Chendi Zhang (Warwick University)

Thema: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der wahrgenommenen Sozialverantwortung der Unternehmen (CSR) und den Aktienrenditen

Fazit: Es besteht ein deutlicher und vorhersagbarer positiver Zusammenhang zwischen unternehmerischer Sozialverantwortung einerseits sowie Branchen- und Unternehmenserträgen andererseits.

Wissenswert/wichtigster Punkt: CSR-Marktführer entwickeln sich besser als vergleichbare Unternehmen, aber Nachzügler entwickeln sich nicht schlechter als die Wettbewerber.

Die Nachteile der Orientierung von Unternehmen an kurzfristigen Resultaten– Tima Bansal (Ivey School of Business)

Thema: Die Nachteile der Orientierung von Unternehmen an kurzfristigen Resultaten

Fazit: Kurzfristiges Denken hat negative Auswirkungen auf das Wachstum, die Überlebensraten und die Krisenfestigkeit von Unternehmen sowie auf Forschung, Entwicklung und Innovation. Darüber hinaus erhöht es die Häufigkeit von Fehlschlägen und führt zu stärkeren Schwankungen der Aktienkurse.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Unternehmen, die mehr mit Worten kommunizieren, sind in der Regel langfristiger orientiert, Unternehmen, die mehr mit Zahlen kommunizieren, eher kurzfristig.

Der Export von UmweltverschmutzungItzhak Ben-David (Ohio State University), Stefanie Kleimeier (Universität Maastricht etc.), Michael Viehs (Oxford University, Hermes Investment Management)

Thema: Untersuchung, in welchem Maße Unternehmen Umweltverschmutzung exportieren, indem sie umweltverschmutzende Aktivitäten aus Ländern mit hohen Umweltschutzstandards in Länder mit lockereren Regelungen verlagern.

Fazit: Unternehmen mit strengen Vorschriften im eigenen Land emittieren zwar weltweit weniger, aber es gibt eine gewisse Verlagerung von umweltbelastenden Aktivitäten in Länder mit lockereren Umweltauflagen, insbesondere bei Unternehmen mit schwächerer Governance.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Gut geführte Unternehmen exportieren keine Umweltverschmutzung.

Globale Lieferkettennetzwerke und Corporate Social Responsibility – Christoph Schiller (Toronto University)

Thema: Untersuchung der Weitergabe von ESG-Standards und -Vorschriften zwischen Kunden und Zulieferern in globalen Lieferkettennetzwerken (ESG: Environmental, Social, Governance – Umwelt, Soziales, Unternehmensführung).

Fazit: Es besteht eine stark positive Beziehung zwischen der Einführung von ESG-Standards in Kundenunternehmen und der späteren Übernahme dieser Standards durch Zulieferfirmen, aber nicht umgekehrt. Dies wird durch sich positiv auswirkende finanzielle Mechanismen gefördert. Die Effekte sind stärker, wenn sich die Kunden in Ländern mit höheren ESG-Ratings befinden und wenn sie über eine große Verhandlungsmacht verfügen.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Dieser Effekt ist stärker, wenn sich die Kunden in Ländern mit höheren ESG-Ratings befinden, die Kunden Verhandlungsmacht (Unternehmensgröße) haben, Mindeststandards für ESG/CSR festlegen und Lieferantenschulungen anbieten.

Der Nachhaltigkeitsfußabdruck institutioneller Investoren – Phillip Krueger und Rajna Gibson (Universität Genf)

Thema: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen risikobereinigter Performance und Nachhaltigkeitsfußabdrücken und aus welcher Motivation heraus Anleger auf Nachhaltigkeit achten.

Fazit: Die Umweltratings repräsentativer institutioneller Investoren sind zwischen 2002 und 2015 stetig gestiegen. Die Investoren mit den am stärksten verbesserten Nachhaltigkeitsfußabdrücken hatten die am stärksten verbesserte Performance, Investoren mit sich verschlechternden Fußabdrücken hatten eine sich verschlechternde Performance. Langfristige Investoren haben in der Regel einen besseren Nachhaltigkeitsfußabdruck als kurzfristige Investoren.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Wichtige Sozialratings institutioneller Investoren haben sich zwischen 2002 und 2015 sogar verschlechtert.

Untersuchung der gesellschaftlichen Ursprünge des Aufbaus von ESG-Metriken – Robert Eccles, Judith Stroehle (Oxford University)

Thema: Untersuchung der gesellschaftlichen und institutionellen Einflüsse auf die Zusammensetzung von ESG-Kennzahlen

Fazit: Die Ratingmethodik hängt mit der Herkunft und der Geschichte der ESG-Ratingunternehmen zusammen.

Wissenswert/wichtigster Punkt: Im Rahmen der breiteren Akzeptanz von ESG hat sich die Quantität der Daten, aber nicht ihre Qualität verbessert, genauso wenig wie die zugrunde liegenden Methoden.


[1] Fand vom 5.-7. September 2018 statt. Die Jahrestagung 2019 findet vom 3.-6. September statt.

[2] Die vollständige Tagesordnung des Maastrichter Treffens finden Sie hier. >

  • Weitere Informationen zu BNP Paribas Asset Management und GRASFI finden Sie hier. >
  • Weitere Informationen zum Thema nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investieren mit BNP Paribas Asset Management finden Sie hier. >

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