BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Infrastrukturanleihen gegen Marktturbulenzen

Infrastrukturanleihen halten konjunkturellen Schwankungen stand und überstehen Krisen wie die COVID-19-Pandemie. Diese Instrumente dienen der Finanzierung von Projekten, in denen es um Sachanlagen wie Kraftwerke und Straßen geht, erklärt Karen Azoulay, Head of Infrastructure Debt.

Infrastrukturanlagen aus Industrieländern zeigten sich in den letzten Monaten widerstandsfähig, weil die mit ihnen verbundenen Dienstleistungen – Strom, sauberes Wasser, Internetzugang – für das Funktionieren der Gesellschaften als wesentlich erkannt wurden.

Oft gelten für Infrastrukturanlagen auch hohe Einstiegsbarrieren, denn um beispielsweise ein Kraftwerk zu bauen, sind viele Jahre und Millionen Euro erforderlich. Zumal Marktlücken normalerweise auch nicht kurzfristig geschlossen werden können. Häufig sind bei derartigen Anlagen auch Monopolpositionen und Regulierung im Spiel – so wird möglicherweise nur eine bestimmte Anzahl an Brücken benötigt, und in Gebieten, in denen es bereits einen Versorger gibt, ist kein weiterer erforderlich.

Aufgrund dieser Merkmale können Infrastrukturanleihen über Konjunkturzyklen hinweg langfristige und qualitativ hochwertige Cashflows liefern. In sie zu investieren bedeutet, Zugang zu einem stabilen Renditepotenzial zu erhalten.

Infrastrukturanleihen – In vielen Bereichen standhaft

Auf dem Höhepunkt der COVID-19-Krise war die Volatilität dieser Anlageklasse aufgrund ihrer vorgenannten Eigenschaft daher wesentlich geringer als bei den meisten anderen Anlageklassen – einschließlich Aktien. Angesichts der für den Rest des Jahres erwarteten, anhaltenden Marktvolatilität, die durch das Verhindern einer zweiten Corona-Welle hervorgerufen werden könnte, halten wir dieses Merkmal durchaus für relevant.

Zu den widerstandsfähigsten Infrastruktur-Teilsektoren zählten erneuerbare Energiequellen. Von diesen waren viele bereits einsatzbereit (in anderen Worten: Sie mussten nicht mehr „gebaut“ werden). Außerdem können sie aus der Entfernung bedient werden, es werden keine Arbeitskräfte vor Ort benötigt.

Ebenso liefen viele Dienstprogramme unvermindert weiter. Denken Sie an Heizungsnetze und Wasseraufbereitungsunternehmen. Im Telekommunikationssektor wurden Glasfasernetze und Mobilfunkmasten wichtiger, denn Home-Office – und der entsprechende Bedarf an Hochgeschwindigkeits-Internet – wurde zur Norm.

Andere Teilsektoren entwickelten sich unterdessen weniger gut, zum Beispiel der Transport: Mautpflichtige Straßen verzeichneten während des Lockdowns einen deutlichen Rückgang, da das Verkehrsaufkommen stark nachließ. In den meisten Fällen war aber eine schnelle Erholung auf das Niveau vor der Krise zu verzeichnen. Am stärksten wurde der Flugverkehr beeinträchtigt. Diese Erholung könnte mehrere Jahre dauern, besonders angesichts struktureller Herausforderungen wie weniger Geschäftsreisen und Tourismus.

Verlagerung der Emissionen zu mehr Nachhaltigkeit

Wir sind davon überzeugt, dass in den Teilsektoren – die sich als widerstandsfähig erwiesen – mehr Anleihen emittiert werden dürften.

Auch die Tatsache, dass diese Teilsektoren Nachhaltigkeitsanforderungen und -initiativen wie dem Dekarbonisierungsplan der EU besser gerecht werden, dürfte ihre Entwicklung und damit den Kapitalbedarf fördern.

Im Transportsektor rechnen wir dagegen mit weniger Emissionen. Wir sind davon überzeugt, dass ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Governance) die Kapitalallokation beeinflussen werden.

Infrastrukturanleihen und ESG

ESG-Erwägungen spielen in den Anlageentscheidungen von BNP Paribas Asset Management eine wichtige Rolle. Wir haben in unseren Investmentprozess eine umfassende ESG-Politik eingebettet. In deren Rahmen erfolgt u.a. eine Bewertung durch unser unternehmenseigenes Sustainability Center, das sich sogar gegen Anlagen aussprechen kann. Darüber hinaus beurteilen unabhängige Gutachter beispielsweise die Folgen von geringeren Schadstoffemissionen, den Netto-Umweltbeitrag und die Übereinstimmung mit den Pariser Klimazielen. Wir kombinieren diese Erkenntnisse, um klimafreundliche Portfolios zusammenzustellen und nutzen sie als Grundlage für die ESG-Berichterstattung an unsere Kunden.

Eine alternative Ertragsquelle

Das Nettoergebnis ist eine Klasse ESG-freundlicher Anlagen. Es sorgt gepaart mit Stabilität, beispielsweise gleichmäßige Cashflows, die sowohl gegenüber traditionelleren Anlageklassen als auch innerhalb der Anlageklasse selbst (durch die Wahl der Teilsektoren) für Diversifizierung.

Durch ihre Illiquiditätsprämie und geringere Verlusterwartungen sind vorrangige Anleihen für eine breitere Diversifizierung des Portfolios geeignet. Ebenfalls tragen nachrangige Anleihen zu der Diversifizierung bei, da diese höhere, absolute Erträge erzielen, und zwar mit Investitionen in die gleichen Vermögenswerte.


[1] Im Finanzbereich handelt es sich bei vorrangigen Schuldtiteln um Schuldtitel, die Vorrang vor anderen Schuldtiteln des Emittenten haben. Es handelt sich um eine Klasse von Unternehmensanleihen, deren Kapital und Zinsen Priorität vor anderen Anleiheklassen und allen Aktienklassen desselben Emittenten haben. Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Senior_debt

Lesen Sie auch:

Verantwortungsbewusste Infrastrukturanlagen: Mehr als nur erneuerbare Energie


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Verwahrung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

In Verbindung stehende Artikel

Weekly insights, straight to your inbox

A round-up of this week's key economic and market trends, and insights on what to expect going forward.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Please check the boxes below to subscribe