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Nachdem MSCI A-Aktien hinzugefügt hat, startet China „Bond Connect“

Am 3. Juli 2017 startet in China das Programm Bond Connect – zwei Wochen, nachdem 222 hoch kapitalisierte chinesische Onshore-Aktien in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen wurden. Bereits im Oktober 2016 war der Renminbi in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds aufgenommen worden. Auch wenn auf kurze Sicht keine größeren Auswirkungen auf den Markt zu erwarten sind, könnte diese Entwicklung langfristig eine Trendwende und einen Preisanstieg bei chinesischen Assets zur Folge haben.

Am 3. Juli 2017 startet in China das Programm Bond Connect – zwei Wochen, nachdem 222 hoch kapitalisierte chinesische Onshore-Aktien in den MSCI Emerging Market Index aufgenommen wurden. Bereits im Oktober 2016 war der Renminbi in den Korb der Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds aufgenommen worden. Auch wenn auf kurze Sicht keine größeren Auswirkungen auf den Markt zu erwarten sind, könnte diese Entwicklung langfristig eine Trendwende und einen Preisanstieg bei chinesischen Assets zur Folge haben.

Bond Connect - ohne Quoten

Ebenso wie bei Stock Connect können ausländische Anleger über das Programm Bond Connect jetzt grundsätzlich in Hongkong am chinesischen Interbanken-Anleihenmarkt (CIBM) handeln und investieren („Nordwärtshandel“). Gleichzeitig soll auch der Hongkonger Anleihenmarkt für Anleger aus Festlandchina geöffnet werden („Südwärtshandel“), was allerdings derzeit noch nicht möglich ist, da die chinesischen Behörden nach wie vor Kapitalabflüsse befürchten.

Mit Bond Connect erhalten ausländische Anleger umfassendere Möglichkeiten, direkt auf den CIBM zuzugreifen. Bislang war dies nur über die Programme QFII, RQFII und über den CIBM-Direktzugang möglich. Das neue Programm ist darauf ausgerichtet, die Marktinfrastruktur des chinesischen Festlandes (onshore) mit der von Hongkong (offshore) zu verbinden. Das betrifft unter anderem die Central Moneymarkets Unit (CMU) der Hongkonger Währungsbehörde (HKMA), den chinesischen Zentralverwahrer China Central Depository & Clearing Co. (CCDC) und den Clearinganbieter Shanghai Clearing House (SCH). Ausländische Anleger, die in Festlandanleihen investieren, gewinnen damit wertvolle Zeit, weil sie nicht mehr zuerst ein Onshore-Konto eröffnen müssen.

Anders als bei Stock Connect ist das Volumen der Anleihen, die ausländische Anleger erwerben dürfen, bei Bond Connect nicht begrenzt. Das Programm ist zunächst institutionellen Anlegern vorbehalten und auf den Handel von Kassaanleihen am CIBM beschränkt. Chinesische Anleihen, die an Festlandbörsen gehandelt werden, sind davon ausgeschlossen.

Außerbörslicher Handel

Während der Handel bei Stock Connect über Börsen stattfindet, werden die Anleihen über Bond Connect außerbörslich gekauft. Ausländische Anleger unterliegen gegenüber der CMU einem Ausfallrisiko, da von ihnen gekaufte Festlandanleihen über ein Nomineekonto bei der CMU gehalten werden. Allerdings wurde die CMU als quasistaatliche Einrichtung von S&P, Moody’s und Fitch mit AAA, Aa2 bzw. AA+ geratet. Das ist besser als die Länderratings für China, sodass dieses Risiko unerheblich sein dürfte.

Block Trades sind im Rahmen von Bond Connect derzeit nicht erlaubt. Das könnte für Großanleger ein Hindernis darstellen, die daran interessiert sind, mit einer einzigen Transaktion Investments für mehrere Portfolios zu tätigen. Bis die chinesischen Kapitalverkehrsregeln geändert werden, haben zudem Bond-Connect-Anleger keinen Zugang zu Hedging-Instrumenten am Onshore-Devisenmarkt, sondern nur zu chinesischen Kassaanleihen. Denn ohne Onshore-Konto gibt es für sie in China keine Gegenpartei für Derivatgeschäfte. Anleger, die direkt auf den CIBM zugreifen können, unterliegen keiner solchen Einschränkung, denn sie müssen ein Onshore-Konto haben.

Wenn wie bei Stock Connect auch bei Bond Connect nur Offshore-Renminbi (CNH) als Währung verwendet werden dürfen, wäre Bond Connect, wenn es erfolgreich ist, für die Internationalisierung des Renminbi auf kurze Sicht schädlich. Denn dann würden mehr Renminbi zurück nach China fließen, sodass (bei sonst gleichen Bedingungen) der CNH-Pool verkleinert würde.

Langsamer Start erwartet

Aus makroökonomischer Sicht ist Bond Connect für China ein weiteres Werkzeug, um die asymmetrische Liberalisierung des Kapitalverkehrs (durch die Förderung von Nettokapitalzuflüssen) weiter voranzutreiben. Wir gehen davon aus, dass das Land mittelfristig an dieser Strategie festhalten wird. Das neue Programm ist restriktiver als Stock Connect und der CIBM-Direktzugang, da es für Privatanleger nicht zugänglich ist und zurzeit noch keine Hedgingmöglichkeiten auf dem Festland bietet.

Wir gehen davon aus, dass das über Bond Connect laufende Handelsvolumen zunächst moderat ausfallen und die Höhe der Kapitalzuflüsse kaum die 397 Milliarden Renminbi erreichen wird, die nach den Daten von Securities Daily vom November 2016 in den sieben Monaten nach dem Start von Stock Connect im November 2014 bei A-Aktien verzeichnet wurden. Diese Einschätzung ist auf folgende Gründe zurückzuführen:

1.    Ausländische Privatanleger sind von dem Programm ausgenommen. Institutionelle Anleger waren dagegen schon vorher am CIBM investiert, und amtliche Institutionen hatten bereits uneingeschränkten Zugriff darauf.

2.    Die Stimmung ausländischer Anleger ist in Bezug auf chinesische Assets heute weniger optimistisch, als es noch bei der Einrichtung von Stock Connect der Fall war. Nach einem langsamen Programmstart könnte die Nachfrage aus dem Ausland allerdings mittelfristig zunehmen, wenn die makroökonomische und regulatorische Entwicklung in China weiterhin positiv verläuft und die Preise für chinesische Anleihen steigen.

Eine höhere ausländische Beteiligung über Bond Connect dürfte eine bessere Preisfindung bei Festlandanleihen zur Folge haben und diesen Markt effizienter machen. Ebenso wie Stock Connect ein wichtiger Schritt für die Aufnahme von A-Aktien in den MSCI Emerging Markets Index war, könnte auch Bond Connect die Aufnahme chinesischer Anleihen in die globalen Anleihenindizes beschleunigen, insbesondere in den JPMorgan Global Bond Index, den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index und den World Government Bond Index der Citibank.

Umfassendere Strukturreformen erforderlich

An Stock Connect und Bond Connect wird deutlich, dass die chinesischen Behörden bemüht sind, das System im Rahmen seiner politischen und wirtschaftlichen Beschränkungen zu reformieren. Die Anleger sehen Stock Connect zunehmend optimistisch, da sich die chinesischen Behörden mit willkürlichen Interventionen zurückhalten. Sollten eines Tages alle chinesischen Aktien in die MSCI-Indizes aufgenommen werden, wäre mit Kapitalzuflüssen von jährlich 40 Milliarden US-Dollar zu rechnen. Bond Connect könnte sich ähnlich entwickeln wie Stock Connect. Bis es aber so weit ist, hat China in Sachen Unternehmensführung und Offenheit noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen – und zwar umfassendere Strukturreformen.


Verfasst am 03.07.2017

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