Energiepolitik: Dänemark macht es vor

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Es ist ein ehrgeiziges Ziel: Kopenhagen will bis 2025 die weltweit erste klimaneutrale Stadt werden.

Dabei greift man auf viele bekannte, umfassend dokumentierte, relativ günstige und einfache Lösungen zurück.

Erstens, Windkraft: Überall entstehen neue Gemeinschaftsprojekte verschiedenster Art. Der Offshore-Windpark Mittelgrunden, beispielsweise versorgt mit seinen 20 Turbinen von je zwei Megawatt Leistung mehr als 32.000 Haushalte mit Strom1. Als gemeinschaftliches Eigentum einer lokalen Genossenschaft genießt dieses Projekt zudem die Unterstützung der Bevölkerung vor Ort. Im Jahr 2012 lag der Anteil der Windenergie am dänischen Gesamtstromverbrauch bei 22%, bis 2025 sollen es mindestens 50% sein.

Zweitens, Energieeffizienz: Öffentliche Gebäude sowie alte Wohngebäude2 werden energetisch saniert, Projekte für Ökostadtviertel wurden auf den Weg gebracht. Infolge einer verbesserten Energieeffizienz der Anlagen sowie der schrittweisen Substitution von Kohle durch Biogas3 lag der CO2-Ausstoß des städtischen Heizungssystems bereits 2016 ganze 50% unter demjenigen herkömmlicher Gaskessel. Und es werden weiterhin große Anstrengungen unternommen, um fossile Brennstoffe bis zum Jahr 2025 vollständig zu ersetzen – unter anderem durch Systeme zur Wärmerückgewinnung aus Grundwasserleitern (Tiefengeothermie).

Drittens, umweltfreundliche Transportmittel: Bis zum Jahr 2025 sollen Fahrräder und öffentliche Transportmittel 75% des städtischen Personenverkehrs ausmachen. Der Umstieg aufs Rad wird durch die Erweiterung des bereits 350 km umfassenden Radwegenetzes sowie durch Aufklärungskampagnen und Maßnahmen zur Verbesserung der Radfahrersicherheit gefördert. Auch der Ausbau und die Nutzung des öffentlichen Verkehrs werden mit aller Entschlossenheit vorangetrieben – unterstützt durch technologische Neuerungen wie etwa digitale Anzeigetafeln. Neue U-Bahnlinien entstehen, und auch die Anzahl der Busspuren wird deutlich erhöht. Darüber hinaus soll bis 2025 der Antrieb aller am Stadtverkehr teilnehmenden Autos auf Strom, Biokraftstoff der zweiten oder dritten Generation oder gar auf Wasserstoff basieren.

Diese umfassenden, proaktiven Maßnahmen kommen nicht nur dem Klima, sondern auch der Gesundheit der Einwohner zugute. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Da körperliche Aktivität hilft, zahlreichen Erkrankungen vorzubeugen, wird eine verstärkte Fahrradnutzung der Stadt jährlich Einsparungen in Höhe von 230 Millionen Euro an Gesundheitskosten bringen (derzeit beläuft sich der Radfahreranteil auf 50%). Anders ausgedrückt: Jeder mit dem Fahrrad zurückgelegte Kilometer senkt die Gesundheitskosten um 77 Cents. Was die Kosten im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen, Staus (im Großraum Kopenhagen gehen jährlich 190.000 Stunden bzw. 760 Millionen Euro aufgrund von Verkehrsstaus verloren), Luftverschmutzung, Lärm und Infrastrukturabnutzung angeht, so gewinnt die Stadt mit jedem zusätzlichen Kilometer, der mit dem Fahrrad statt dem Auto zurückgelegt wird, weitere 16 Cents.

Von Kopenhagens Energiepolitik profitiert nicht zuletzt auch die Wirtschaft. So zählt die dänische Windturbinenindustrie bereits über 350 Unternehmen, die Turbinentürme, Schaufeln, Generatoren und Steuersysteme herstellen.

Ein solch pragmatisches, proaktives Vorgehen erfordert eine genaue Einkalkulierung realer Risiken, eine klare Zukunftsvision, ausreichend finanzielle Ressourcen, eine transparente Kommunikation, einen direkten Austausch und eine klare politische Führung statt politischer Taktierereien. Zugegeben: Mit seinen rund 600.000 Einwohnern hat Kopenhagen eine relativ überschaubare Größe, was die Umsetzung effizienter Lösungen erleichtert. Doch die Fortschritte, die die Stadt erzielt hat, machen auch deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht machtlos sind, dass politisches Handeln Wirkung zeigt und dass sich Bemühungen dieser Art sowohl in wirtschaftlicher als auch in finanzieller Hinsicht lohnen. Mehr noch: Sie stellen unter Beweis, dass die ersten, die in die Bekämpfung des Klimawandels investieren, auch die ersten sein werden, die von dem profitieren, was wir bereits heute als die 2020er-Revolution bezeichnen können.

BNP Paribas Asset Management verfolgt diese Entwicklungen sehr genau, um daraus konkrete Strategien und Maßnahmen für die Verwaltung seiner Umweltfonds abzuleiten.


1Netzwerk-Publikation Nr. 71 („Sortir du nucléaire“)

2Im Jahr 2012 waren 40% der Treibhausgasemissionen auf Gebäude zurückzuführen (siehe Anmerkung 1 oben).

398% der Gebäude Kopenhagens werden mit Fernwärme beheizt. Das Fernwärmenetz der Stadt stammt aus den 1920er Jahren und wurde nach der ersten Ölkrise in den 1970er Jahren stark ausgebaut. Im Vergleich zu Systemen mit Ölkesseln, die in den einzelnen Gebäuden installiert sind, liegen die Gesamtkosten des Netzes um 45% niedriger. Im Jahr 2012 wurden 22% des gesamten Energieverbrauchs durch Kohle gedeckt (siehe Anmerkung 1 oben). Dieser fossile Energieträger soll durch erneuerbare Energien ersetzt werden.


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Alexandre Jeanblanc

Investment Specialist, SRI

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