Was bedeutet eigentlich „grün“? Die EU-Taxonomie klärt auf

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Am 18. Juni hat die Europäische Kommission einen Bericht der Technischen Expertengruppe für ein nachhaltiges Finanzwesen (TEG) [1] zu einem Klassifizierungssystem – eine Taxonomie – für umweltfreundliche und nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten veröffentlicht. So werden sie auf der Grundlage ihres Beitrags bzgl. der Nachhaltigkeitsziele der EU bewertet und klassifiziert. Es geht dabei um wirtschaftliche Tätigkeiten u.a. in Sektoren, die für mehr als 93% der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, wie z.B. Industrie, Versorgungsunternehmen, Verkehr, Baugewerbe, Immobilien, Information und Kommunikation sowie Land- und Forstwirtschaft.

Die EU-Taxonomie, die kontinuierlich aktualisiert und weiterentwickelt werden soll, ist ein Instrument, das den Kapitalmärkten helfen soll, Anlagechancen zu identifizieren und zu nutzen. Hierdurch soll ein Beitrag zur Verwirklichung der umweltpolitischen Ziele der EU erreicht werden. Kapitalallokationsentscheidungen von Investoren werden einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und der damit verbundenen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) leisten.


Es werden mindestens 175 Milliarden Euro benötigt – pro Jahr

Zwar ist das Ausmaß der finanziellen Auswirkungen des Klimawandels oder der für Anpassungsmaßnahmen notwendige Investitionsbedarf nicht genau bekannt, allerdings verursachen klimabedingte Gefahren bereits heute erhebliche wirtschaftliche Schäden.[2] Es gab in der EU im Zeitraum von 1980 bis 2017 insgesamt 453 Milliarden Euro durch Wetter- und Klimaextreme verursachte Schäden.[3]

Zur erfolgreichen Reduzierung der Auswirkungen des Klimawandels sind in Europa jährlich Investitionen in Höhe von mindestens 175 Milliarden Euro erforderlich, zum größten Teil im privaten Sektor. Durch verantwortungsbewusste Finanzierungs- oder Investitionsentscheidungen können Anleger die Entscheidungen von Unternehmen und anderen Emittenten von Wertpapieren beeinflussen. Damit die Kapitalmärkte einen effektiven Beitrag zu diesen übergeordneten politischen Zielen leisten können, ist es notwendig, die zur Verfügung stehenden Instrumente zu stärken und weiterzuentwickeln. Die Taxonomie ist ein solches Instrument, das dazu beiträgt, Risiken zu managen, positive Veränderungen zu fördern, das Reporting und die Bereitstellung von Daten zu verbessern und das Ansehen der Emittenten zu verbessern.

Wie die Taxonomie Anlegern helfen kann

Das Handbuch der Taxonomie beschreibt eine Reihe von Vorteilen für Investoren, egal ob es sich dabei um institutionelle oder private Anleger handelt. Dazu gehören:

  • Eine einheitliche Sprache: sie schafft Klarheit und ermöglicht es Anlegern, auszudrücken, welche Erwartungen sie an ihre Anlageentscheidungen haben. Unternehmen und Projektentwickler können damit Finanzierungen planen und einwerben und so eine Pipeline nachhaltiger Investitionsmöglichkeiten entwickeln. Greenwashing kann damit verhindert werden. Zeit und Geld sparen: die Kriterien der Taxonomie beruhen auf den neuesten Erkenntnissen sowohl in der EU als auch weltweit und wurden von Umwelt- und Wirtschaftsexperten entwickelt. Dies ermöglicht Anlegern, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren: die Analyse von Risiko und Rendite einer Investition.
  • Die Unterstützung von verschiedenen Anlagestilen und Strategien: Investoren, die ökologisch nachhaltige Fonds vermarkten, können in taxonomiekompatible Bereiche investieren, Unternehmen befragen, welche Fortschritte sie beim Umsetzen der Taxonomie-Grenzwerte machen oder erläutern, wie sie die Ziele des Fonds erreichen werden. Es ist nicht vorgeschrieben, in Bereichen zu investieren, die der Taxonomie entsprechen.
  • Ein Kontext für Umweltdaten: Investoren müssen mehr als nur die CO2-Bilanz berücksichtigen. Es ist auch wichtig zu verstehen, welche Unternehmen aktiv zur Transition zu einer CO2-armen Wirtschaft beitragen und welche die Klimawandelresilienz fördern.
  • Die Vermeidung von Reputationsrisiken: indem Anleger Investments in wirtschaftliche Aktivitäten ausschließen, die übergeordnete Umwelt-, Klima- und Sozialziele untergraben, können sie Reputationsrisiken vermeiden und sicherstellen, dass ihre Strategie widerstandsfähig ist.

Eine klare Richtung für die Zukunft

Helena Vines Fiestas, Deputy Global Head of Sustainability bei BNP Paribas Asset Management und Mitglied der Taxonomie-Arbeitsgruppe der TEG, fasst die wesentlichen Punkte der EU-Taxonomie zusammen: „Die Taxonomie gibt institutionellen und privaten Anlegern Gewissheit und spart ihnen sowohl mittel- als auch langfristig Zeit und Ressourcen. Sie gibt auch die Richtung vor, in die Unternehmen sich entwickeln müssen, fördert Forschung und Entwicklung in offiziell als grün geltende Technologien und belohnt Unternehmen, die daran arbeiten, ihre Geschäftstätigkeiten umweltfreundlicher zu gestalten. Mit der Taxonomie wird es zum ersten Mal möglich sein, nationale und internationale, private und staatliche Kapitalströme für umweltverträgliche Aktivitäten innerhalb und außerhalb Europas zu messen. Vor allem aber wird dieses standardisierte, wissenschafts- und evidenzbasierte Instrument Investitionen dort fördern, wo sie am dringendsten benötigt werden.“


[1]         Die TEG ist eine Gruppe von Experten aus den Bereichen Finanzen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Industrie, die von der Europäischen Kommission damit beauftragt wurde, nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu identifizieren und die Höhe der erforderlichen Umweltschutzleistung festzulegen.

[2]        Europäische Umweltagentur, 2019

[3]        UN-Büro für Katastrophenvorsorge/E3G, 2019


Lesen Sie auch Die Taxonomie der EU: Das metrische System des 21. Jahrhunderts von Helena Vines Fiestas

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