Naturkapital: Nachhaltiges Investieren jenseits von CO2-Überlegungen

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Die Bewertung von Kapital, Maschinen oder Humanressourcen ist bereits gängige Praxis. Dies gilt jedoch nicht für die Bewertung ökologischer Faktoren, obwohl Schädigungen auch in diesem Bereich weitreichende Folgen haben können – nicht zuletzt für Anleger.

Zahlreiche Unternehmen führen Aktivitäten durch, die vom Naturkapital – dem Vorrat an erneuerbaren und nichterneuerbaren Naturressourcen, die zusammen eine Reihe von Vorteilen für den Menschen bieten – abhängen oder Auswirkungen darauf haben.[1] Denken Sie dabei nur an Pflanzen bzw. Bäume (für die Lebensmittelherstellung), Tiere (für die Fleischproduktion), Luft (für die Ventilation und Energieerzeugung), Böden (für die Landwirtschaft) oder Mineralien (für den Bergbau).

Ohne Zweifel sind wir davon abhängig, dass das Ökosystem Ressourcen und Dienstleistungen für uns bereitstellt und uns mit Lebens- und Arzneimitteln sowie Energie versorgt. Unter den vielen Beispielen ragen vor allem Bienen und andere Bestäuber heraus, die eine wichtige Rolle bei 5 bis 8 % der globalen Lebensmittelproduktion spielen.[2] Der Wert aller Ökosystemdienstleistungen wird auf 125 Billionen Dollar pro Jahr geschätzt. Dies ist nahezu doppelt so hoch wie das weltweite Bruttoinlandsprodukt.[3]

Unserer Einschätzung nach sind sich derzeit jedoch noch nicht genug Anleger bewusst, wie groß der Beitrag der Ökosystemdienstleistungen tatsächlich ist. Stattdessen konzentrieren sich Anleger häufig auf finanzielles oder soziales Kapital. Allerdings hat in letzter Zeit das Bewusstsein über die Wichtigkeit von SRI-Anlagen (Socially Responsible Investments – sozial verantwortliche Anlagen) bezeichnet und sogenannter ESG-Anlagen (Environment, Society and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zugenommen, die zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen beitragen. Wir bei BNP Paribas Asset Management sind daher überzeugt, dass wir mit allen Beteiligten in einen Dialog treten müssen, um das Naturkapitals besser zu schützen und seinen Wert zu steigern.

Warum ist Naturkapital wichtig?

Naturkapital und wirtschaftliche Aktivität sind eng miteinander verbunden: Wenn wir die Natur durch eine zu intensive Ressourcennutzung oder anderwertif schädigen, verringern wir unser Naturkapital und gefährden damit auch unsere Wirtschaft.

Naturkapital: Nachhaltiges Investieren jenseits von CO2-Überlegungen

Anmerkung: Natural capital: natural resources & ecosystems = Naturkapital: Naturressourcen und Ökosysteme; Economic activity: production & consumption of goods & services = Wirtschaftsaktivität: Herstellung und Verbrauch von Produkten und Dienstleistungen; Ecosystem goods & services = Ökosystemgüter und -dienstleistungen; Positive & negative impacts = positive und negative Auswirkungen.  Quelle: Clean Air Partnership

Warum es wichtig ist, die Dinge aus Sicht des Naturkapitals zu betrachten

Ist Biodiversität relevant für uns als Anleger? Hat die Zerstörung von Bienenlebensräumen oder Mangrovenökosystemen Implikationen für unsere Investments? Müssen wir uns über die Korallenbleiche Gedanken machen? Die Antwort auf diese Fragen lautet immer „Ja“, wenn wir in landwirtschaftliche Lieferketten oder in den Tourismussektor investieren. Denn der Verlust natürlicher Ökosysteme ist nicht nur besorgniserregend, er hat auch geschäftliche Einbußen zur Folge. Daher ist es sinnvoll, ihn zu quantifizieren.

Welchen Arten von Risiken in Bezug auf das Naturkapital unterliegen Anleger? Zunächst einmal geht es um ein finanzielles Risiko: Der Verlust von Ökosystemdienstleistungen hat einen Preis. Ein Rückgang der Bienenpopulation beispielsweise macht es erforderlich, in künstliche Bestäubung zu investieren. Auch die Bodendegradation oder die Eutrophierung verursachen Kosten. Ein weiteres Risiko hängt mit der Verschärfung von Umweltauflagen zusammen: Bergbauprojekte in Gebieten mit Wasserknappheit können beispielsweise aufgrund von unvorhergesehenen Auflagen in Bezug auf Entsalzungsanlagen verzögert werden. Zu den größten Risiken zählt auch das Reputationsrisiko: Denken Sie nur an die Folgen von Verbraucherboykotten für Unternehmen, die für Entwaldung verantwortlich sind.

Entwaldung: Wälder werden zerstört, um Kultur- und Siedlungsland zu gewinnen

Anmerkung: Natural forest = Naturwald; Trees are burnt = Bäume werden abgebrannt; Farm crops = Farmland; Rain washes away topsoil = Regenwasser spült die Humusschicht weg; Soil becomes useless = Boden wird nutzlos

Wie können wir künftig mit der Abhängigkeit von Naturkapital umgehen?

BNP Paribas Asset Management hat bereits 2017 damit begonnen, seine Abhängigkeit von Naturkapital systematisch zu untersuchen. Auf diese Weise wollten wir entsprechende Hotspots unserer Anlagen identifizieren, sodass sie gegenüber Kunden und anderen Interessengruppen offengelegt werden können. Dies dürfte es uns ermöglichen, umfassendere ESG-Analysen von Unternehmen durchzuführen und somit die Chancen und Risiken von Anlagen besser zu bewerten. Und da ESG-Punktzahlen allen Portfoliomanagern mitgeteilt werden, wird deren Umweltbewusstsein gestärkt, was wiederum zu besseren Entscheidungen führt.[4]

Naturkapital: ein wesentlicher Aspekt von SRI- und ESG-Anlagen und deren Offenlegung

ESG-Analysen haben sich in der Vergangenheit auf die Themen Wasser und insbesondere CO2 konzentriert. Unserer Ansicht nach werden jedoch andere wichtige Aspekte nicht ausreichend beachtet. Hierzu gehören beispielsweise Biodiversität und Böden. Wir sind der Auffassung, dass die Anlegergemeinschaft den Dialog mit Unternehmen pflegen sollte, um diese dazu anzuhalten, transparenter offenzulegen, wie sich ihre Geschäftstätigkeiten auf das Naturkapital auswirken.

Der Schwerpunkt unserer eigenen Analyse lag dabei auf dem Wasser. Die entsprechende Fallstudie haben wir vor kurzem auf dem Natural Capital Coalition Hub veröffentlicht.[5] Was uns am Ergebnis der Studie überraschte, war das geringe Ausmaß, in dem die Unternehmen Wasserqualitätsindikatoren bei der Bewertung ihrer Umweltauswirkungen berücksichtigen. Unsere Antwort besteht nun darin, einen Dialog mit Bergbau- oder Zementunternehmen zu eröffnen, der darauf abzielt, diese dazu zu bewegen, Wasserfragen stärker in ihre Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Wir haben unsere Auswirkungen auf das Klima durch die Veröffentlichung des CO2-Fußabrucks von Portfolios oder unsere 2-Grad-Strategie offengelegt. Es ist an der Zeit, dass die Anlegergemeinschaft über CO2 hinausdenkt. Naturkapital gewinnt daher an Bedeutung bei BNP Paribas Asset Management, und wir möchten auch alle anderen Branchenakteure ermutigen, uns zu folgen und entsprechende Aspekte stärker zu berücksichtigen.


Bei BNP Paribas Asset Management wollen wir das Konzept des Naturkapitals künftig noch stärker als bisher in unsere Anlageentscheidungen einbeziehen. Als Teil unserer bewusstseinsbildenden Aktivitäten haben wir eine Fallstudie über Wasser in Zusammenarbeit mit Robert-Alexandre Poujade und Thibaud Clisson von der Natural Capital Coalition durchgeführt. Beide Wissenschaftler gehören auch unserem Team aus ESG-Analysten an. Weitere Informationen: https://lnkd.in/d3XyPm7

[1] Natural Capital Coalition 2016a; https://naturalcapitalcoalition.org/

[2] IPBES, The assessment report on pollinators, pollination and food production, S. 22. Der Bericht kann hier heruntergeladen werden: https://www.ipbes.net/sites/default/files/downloads/pdf/individual_chapters_pollination_20170305.pdf

[3] Constanza et al, 2014

[4] Seit 2002 ist BNPP AM ein wichtiger Akteur im Bereich des nachhaltigen und verantwortungsbewussten Investierens. Unser nach SRI- und ESG-Kriterien investiertes Vermögen beläuft sich auf 35 bzw. 230 Milliarden Euro (Stand: 31. Dezember 2017).

[5] https://naturalcapitalcoalition.org/finance-sector-supplement-to-the-natural-capital-protocol-case-study-for-bnp-paribas-asset-management/

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