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Öl: Das Barrel einer ungewissen Zukunft

Der Lockdown bestimmte drei Monaten lang unseren Alltag. Öl-Riesen müssen nun entscheiden, wie es künftig mit ihrem Geschäftsmodell weitergeht. Wie steht es also langfristig ums Öl? Dies erklärt Mark Lewis, Global Head of Sustainability Research bei BNP Paribas Asset Management, im neuen Briefing-Paper.

  • Die jüngste Ölpreisvolatilität könnte nur ein Vorgeschmack auf das sein, was noch kommt
  • Die Folgen der Pandemie könnten bedeuten, dass 2019 das Jahr der höchsten Ölnachfrage überhaupt war
  • Die 3 D‘s üben Druck aus: Dekarbonisierung, Deflation und Detoxikation

Das Spektakel kann beginnen

An den (Öl-) Märkten sind drei Monate eine lange Zeit. Ende Februar verfolgten Analysten und Investoren der Ölindustrie genauestens den Kampf um eine angemessene Reaktion auf einen zunehmend überversorgten Markt. Auf Grund von COVID-19 sank die Ölnachfrage in China – dem zweitgrößten Verbraucher der Welt und der größten Quelle des globalen Nachfragewachstums. Dadurch kam es zu einer „Überflutung“ des Marktes.

 Als Russland sich weigerte, mit anderen Mitgliedern der Ölfördergruppe OPEC bei erneuten Förderkürzungen zusammenzuarbeiten, sorgte dies Anfang März für Spannungen. Saudi-Arabien erhöhte das Angebot und senkte die Exportpreise: Dadurch versuchte es seine Monopolstellung als größter Ölproduzent wiederherzustellen.

Der Markt reagierte darauf schnell und heftig: Die Rohölpreise fielen am 9. März um mehr als 30%. Bis dahin hatte sich die Pandemie auf Europa und Nordamerika ausgeweitet. In den folgenden Wochen kam es fast zu einem globalen Lockdown, weshalb Analysten und Anleger ihren Fokus auf die Nachfrageseite legten – den beispiellosen Rückgang des Ölverbrauchs.

Die Preisvolatilität der letzten Monate könnte nur ein Vorgeschmack auf das bevorstehende Drama sein, wenn das Ende des Ölzeitalters naht. Langfristig werden Anleger wahrscheinlich auf erneuerbare Energien setzen, da diese eine geringere Volatilität aufweisen als Öl und Gas.

Pandemie begünstigt die Aussicht auf eine Spitzennachfrage

Bereits unter dem zunehmenden Druck langfristiger und struktureller Veränderungen an den globalen Energiemärkten verzeichnete die Ölindustrie den stärksten Nachfragerückgang der letzten beiden Monate.

Hat die Nachfrage also bereits im Jahr 2019 ihren historischen Höhepunkt erreicht? Schließlich wird der strukturelle Druck auf die globale Ölnachfrage nach wie vor bestehen, auch wenn die Maßnahmen gelockert werden. Die durch die Pandemie ausgelösten Verhaltensänderungen werden ihre Kraft noch verstärken.

Auf der strukturellen Seite befindet sich die Branche nun unter Druck gesetzt durch die drei„D’s“: Dekarbonisierung, Deflation und Detoxikation.

Dekarbonisierung: Um das Ziel des Pariser Abkommens hinsichtlich des Klimawandel zu erreichen, müssen wir Verkehr und Industrie so schnell wie möglich dekarbonisieren. Das bedeutet, weniger Öl zu verbrennen.

Deflation: Bezieht sich auf die Auswirkungen erneuerbarer Energien. Die Kosten für erneuerbare Energien sind in den letzten zehn Jahren aufgrund technologischer Verbesserungen und Größenvorteile stark zurückgegangen.

Detoxikation: Es besteht der Druck, die Luft in den Städten zu entgiften. Dieses Thema stand bereits vor dem Ausbruch des Virus auf der globalen politischen Tagesordnung. Die Auswirkungen des Lockdowns auf die Umwelt dürften eine schnellere Einstellung der Benzin- und Dieselfahrzeuge in den Ballungsgebieten begünstigen.

Laut einer aktuellen IEA-Studie über die Auswirkungen der Pandemie auf die Energiemärkte werden die erneuerbaren Energien als einzige Energieform 2020 ein Nachfragewachstum verzeichnen. Da mehr als 50% des globalen Ölbedarfs auf den Straßentransport entfallen, stellt die Elektrifizierung der Mobilität, die durch den Anstieg der Elektrofahrzeuge ermöglicht wird, eine existenzielle Bedrohung für die Ölindustrie dar, wie wir in diesem Bericht dargelegt haben.

Auslöser für Konflikte: Weniger Reisen, weniger Verkehr

Die pandemiebedingte Zunahme der Arbeit im Homeoffice hat den Pendlerverkehr um Hunderte Millionen Pendler reduziert. Dies könnte in Zukunft zu dauerhaft höheren Telearbeitsraten führen. Die Ölnachfrage, die durch den Lockdown verloren ging, wird möglicherweise nie wieder zurückkehren.

Resultierend daraus hat sich der internationale Flugverkehr auf das Geringste minimiert. Und dass, obwohl es eine der am schnellsten wachsenden Quellen der Ölnachfrage in den letzten zwei Jahrzehnten war. Anhand des Einsatzes von Videokonferenzen anstelle von persönlichen Meetings können Unternehmen Kosteneinsparungen erzielen. Dies wird Auswirkungen auf die Genehmigung von Langstreckenreisen haben, was langfristig zu weniger Flugverkehr führt.

Ein Teil der Ölnachfrage, der mit großen Freizeitaktivitäten verbunden ist, könnte ebenfalls wegfallen. Bis ein Impfstoff gefunden ist, wird ein gewisses Maß an sozialer Distanzierung wahrscheinlich weiterhin gegen eine rasche Lockerung der Beschränkungen für große Veranstaltungen sprechen. Sportereignisse und viele andere Formen der Freizeitgestaltung könnten noch eine Weile auf Eis liegen.

Fazit

Kurz gesagt: Die Zukunft des Öls ist heute unsicherer als je zuvor. Vor diesem Hintergrund wird die Pandemie wahrscheinlich die Energiewende weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien beschleunigen.

Die niedrigen Renditen und Volatilität an den Ölmärkten dürften die Anlegerstimmung auf absehbare Zeit belasten und damit die Attraktivität von Projekten im Bereich erneuerbare Energien erhöhen, die ein geringeres Risiko und eine langfristige Sicht auf die Einnahmen der Öl-Riesen bieten.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

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