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Sitzung des EZB-Rats im Juli – so nah wie möglich am Geschehen

Nach der Sitzung des EZB-Rats am 22. Juli war das im Vorfeld der Pressekonferenz veröffentlichte Policy Statement so „dove-isch“ wie zu erwarten war. An diesem Punkt scheint Mario Draghi (wieder einmal) seinen Willen im EZB-Rat durchgesetzt zu haben. In den nächsten Sitzungen wird ein Maßnahmenpaket angekündigt.  Zu einem großen Teil scheint dieses Ergebnis vom Markt bereits aufgenommen worden zu sein - tatsächlich blieben die Anleiherenditen nach dieser Aussage und durch die guten US-Konjunkturdaten unter dem Strich weitgehend unverändert (sogar geringfügig höher). In den kommenden Wochen werden sich die Nachrichten/Chancen wahrscheinlich auf die genaue Gestaltung des Pakets und die Folgen für den Handelskrieg konzentrieren, die unserer Ansicht nach bedeutend sein könnten.
• Der EZB-Rat hat die Leitlinien für die Zinssätze erneut lockern lassen, um „ihr derzeitiges oder niedrigeres Zinsniveau beizubehalten", und hat die Mitarbeiter beauftragt, Maßnahmen in Betracht zu ziehen, die den Schlag auf das Bankensystem abfedern könnten , „wie etwa die Gestaltung eines gestaffelten Systems für die Reservevergütung”. Es scheint, dass an dieser Front weiterhin Bedenken bestehen, aber Draghi beharrte darauf, dass jede Zinssenkung mit mildernden Elementen einhergehen würde (obwohl dies in Form von Änderungen in den TLTRO III[1] erfolgen könnte).  Draghi war sehr darauf bedacht, die Marktteilnehmer zu beruhigen, dass über der Untergrenze noch ein gewisser Spielraum bleibe, und argumentierte, die EZB sei nicht nahe  der Umkehrrate. Alles in allem scheint es mehr als  wahrscheinlich, dass die EZB den Einlagenzinssatz senken wird, höchstwahrscheinlich ab September. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt vermuten wir eine mögliche Senkung auf 20 Basispunkte. • Der EZB-Rat hat eine umfassende, an Bedingungen geknüpfte Verpflichtung zu neuen Maßnahmen eingeführt: "falls die mittelfristigen Inflationsaussichten weiter hinter Ihrem Ziel zurückbleiben, ist der EZB-Rat entschlossen, entsprechend seiner Verpflichtung zur Symmetrie im Inflationsziel zu handeln". Besonders hervorzuheben ist ein (weiterer) Hinweis auf die Symmetrie des Mandats, der (wie Draghi in den Fragen und Antworten sagte) etwas von der Standardform der Wörter „unter, aber nahe 2%“ abgesetzt werden kann. Diese Aussage scheint ein klares Signal zu sein, dass weitere Maßnahmen bevorstehen könnten. Das wahrscheinlichste Ergebnis scheint nun, dass weitere Konjunkturimpulse angekündigt werden - wahrscheinlich im September oder vielleicht im Oktober. • Der Markt wird von Zinssenkungen und Staatsanleihenkäufen beherrscht, wir vermuten jedoch, dass der EZB-Rat ein weiteres Maßnahmenpaket ankündigen wird. Als plausible gilt: - eine Verlängerung der Zinspolitik, eine grundlegendere Änderung der Leitlinie, um einen Wandel der Antwortfunktion zu signalisieren und dadurch eine Überschreitung anzustreben - eine Neukalibrierung der TLTRO-Darlehen - eine Änderung der Wiederanlageregeln • Der Markt geht davon aus, dass ein neues Kaufprogramm mit Sicherheit Staatsanleihen umfassen wird. Tatsächlich hat der Rat die strittige Frage des Quantitative Easing nicht erörtert: wird vom Kapitalschlüssel abgewichen oder werden die Emissionsgrenzen angehoben? Trotzdem scheint der Nettokauf von Staatsanleihen nun ein vernünftiges Basisszenario zu sein - aber wir betonen, dass es hier auch andere plausible Optionen gibt. • Im Hinblick auf die Berichterstattung über die Wirtschaftslage betonte Draghi, dass sich die Aussichten „immer schlechter" entwickeln. Er sprach insbesondere vom verarbeitenden Gewerbe und von Ländern, die stark vom verarbeitenden Gewerbe abhängig sind. So kam er zu dem Schluss, dass eine Erholung des Wachstums im 2. Halbjahr 2019 weniger wahrscheinlich erscheint. Doch wie in der einleitenden Erklärung festgestellt wurde, „ist der Beschäftigungsgrad im Dienstleistungs- und Bausektor widerstandsfähig und der Arbeitsmarkt verbessert sich weiter". Zudem räumte Draghi ein, dass die Rezessionsrisiken nach wie vor als „ziemlich gering" angesehen werden, wobei die Fundamentaldaten den Konsum stützen. Was die Preise angeht, war Draghis Botschaft klar: „Was wir in Bezug auf die Inflation sehen, gefällt uns nicht". Seiner Ansicht nach, wäre es ein Fehler bezüglich marktbasierter Maßstäbe für die Inflationserwartungen selbstgefällig zu sein.
[1] Targeted longer-term  refinancing operations – gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte
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