Solarenergie: Indien erwacht

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In weniger als vier Jahren hat Indien die installierte Solarstromkapazität von 2,6 GW auf 20 GW erhöht (Stand: Ende Januar 2018) – was der Kapazität von 23 Kernreaktoren entspricht – und damit die gesteckten Ziele deutlich übertroffen. Bis 2022 sollen gar 100 GW erreicht werden, eine fast wahnwitzig anmutende Zahl für so eine kurze Zeit.

Allein im Jahr 2015 wurden eine Million Solarlampen und 1,4 Millionen solarbetriebene Kochherde verkauft.

Raum für Verbesserung

So beeindruckend diese Zahlen auch sind, sie entsprechen der Größe des Landes und zeugen von dem weiterhin enormen Wachstumspotenzial der Branche. 2015 machte die Photovoltaik lediglich 0,4% der nationalen Stromproduktion aus. Und dies, obwohl Indien mit 300 Sonnentagen im Jahr den weltweit höchsten potenziellen Solarertrag aufweist. Das Land hat sich endlich zur Nutzung dieser kostenlosen und unerschöpflichen Energiequelle entschieden. Bereits 90 Minuten Sonnenschein – vor allem in Indien, aber auch im Rest der Welt – reichen aus, um Strom für ein ganzes Jahr zu erzeugen.

Zwischen 2015 und 2022 sollen 100 Milliarden US-Dollar in alle Arten von Solarenergie investiert werden. Dabei umfasst der Oberbegriff „Solarenergie“ folgende Formen der Energiegewinnung:

  • Photovoltaik
  • Beleuchtung
  • Landwirtschaft
  • Kühlanlagen
  • Solarthermie
  • Thermodynamische Solarenergie

Formen der Energiegewinnung durch Solarenergie

  • Photovoltaik: Photovoltaische Energie wird erzeugt, indem photovoltaische Zellen (Solarzellen) dem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Dabei wird der photoelektrische Effekt ausgenutzt, um die von der Sonne abgestrahlten Photonen in Elektrizität umzuwandeln. Bis zum Ende ihrer Lebensdauer erzeugt eine Solarzelle so das 20- bis 40-Fache der Energie, die für ihre Herstellung und Recycling benötigt wird. Bis 2030 könnte Indiens installierte Photovoltaik-Kapazität auf über 200 GW ansteigen, was nahezu der aktuellen Leistungskraft seiner Kohlekraftwerke entspricht. Und bereits 2020 wird Strom aus Solarkraftwerken möglicherweise günstiger sein als der aus Kohlekraftwerken. Als Zeichen ihrer Entschlossenheit hat die indische Regierung jüngst die Kohleabgabe verdoppelt. Darüber hinaus bezuschusst sie die Schließung von Kohlekraftwerken, die älter als 25 Jahre sind.

Die Entwicklung im Bereich der Photovoltaik geht inzwischen weit über den Bau von Kraftwerken hinaus. So eröffnen sich heute anfangs unerwartete Formen und Anwendungen

Allein im Jahr 2017 wurden in Indien 9,1 GW an Photovoltaik-Kapazität installiert (2016: 3,97 GW), ein Wert deutlich unter dem Niveau von China (53 GW), doch nahe an dem der USA (10,6 GW) und über dem von Japan (7 GW). Die installierte Gesamtkapazität erreichte damit 18,3 GW – ein Niveau, mit dem Indien noch weit hinter den großen Vier der Branche zurückliegt (China: 131 GW, USA: 51 GW, Japan: 49 GW und Deutschland: 42 GW). Wie bereits erwähnt, hat es sich die indische Regierung zum Ziel gesetzt, die installierte Kapazität bis 2022 auf 100 GW zu erhöhen – 40 GW davon durch Dachanlagen und 60 GW in Form von mittleren und großen Kraftwerken. Die Regierung hat bereits 56 Solarstadt-Projekte und 27 Solarpark-Projekte in 21 Bundesstaaten genehmigt.

  • Beleuchtung: Im Jahr 2012 wurden in Indien 5,4 Millionen Solarleuchten installiert, davon 4,6 Millionen Straßenlaternen und 0,8 Millionen Haushaltslampen. Man geht davon aus, dass diese Zahl bis 2022 auf mindestens 20 Millionen ansteigen wird. Im Zuge seiner Klimapolitik zur Verringerung der Treibhausgasemissionen hat sich der Staat dazu verpflichtet, entsprechende Anreize zu schaffen und mindestens 30% der Kosten zu übernehmen. Darüber hinaus wurden die Banken angewiesen, bei der Vergabe günstiger Kredite Bürgerinnen und Bürger zu bevorzugen, die auf Solarenergie umsteigen möchten.

Eine solarbetriebene Gartenleuchte – oder auch Straßenlaterne – besteht dabei aus drei Komponenten: einer Miniatur-Solarzelle (in die Leuchte integriert), die tagsüber Sonnenenergie einfängt; einer Batterie (ebenfalls in die Leuchte integriert), welche die aufgenommene Energie speichert; und einer LED-Lampe, die von der Batterie gespeist wird und bei Dunkelheit leuchtet. Die Leuchtzeit hängt davon ab, wie viel Energie in der Batterie gespeichert ist. Eine Solarleuchte für den Innenbereich funktioniert grundsätzlich nach dem gleichen Prinzip, nur dass sich die Solarzelle im Freien befindet und durch eine Leitung mit der Batterie/LED-Einheit verbunden ist.

  • Landwirtschaft: Zur Bewässerung von Anbauflächen werden zunehmend photovoltaische Schwachstrompumpen eingesetzt. Immer häufiger werden die Photovoltaik-Module dabei direkt über die Bewässerungskanäle gelegt, sodass sich gleich ein doppelter Nutzen ergibt: klimafreundliche Stromgewinnung bei geringerer Wasserverdunstung. Die für diese Zwecke installierten Solarzellen lassen sich zudem für die Rückgewinnung von Regenwasser einsetzen – von Wasser also, das frei ist von Schwebstoffen und bakteriellen Verunreinigungen. In einem Land, das nach wie vor unter endemischen Krankheiten wie Hepatitis und Typhus leidet, eignen sich Solarzellen – in Kombination mit einfachen Filter- und Desinfektionssystemen – somit hervorragend zur Trinkwassergewinnung.
  • Solarthermie: Bei der Solarthermie wird ein sogenanntes Fluid – eine Flüssigkeit oder ein Gas – durch Sonnenenergie erhitzt. Die von diesem Fluid aufgenommene Energie kann dann direkt (für Heizung und Brauchwarmwasser) oder auch indirekt (zur Erzeugung von Dampf für den Antrieb von Stromgeneratoren) genutzt werden. Im März 2016 erreichten die in Indien installierten Solarthermie-Kollektoren eine Gesamtkapazität von 6,3 GW (die Gesamtfläche aller Kollektoren betrug dabei 8,9 Millionen Quadratmeter). Damit lag das Land zwar weltweit an sechster Stelle, jedoch noch deutlich hinter China (309,5 GW) und den USA (17,4 GW). Bis 2022 sollen Kollektoren auf einer Gesamtfläche von 20 Millionen Quadratmetern installiert sein – in erster Linie Solarwarmwasserbereiter.
  • Thermodynamische Solarenergie: is used in concentrated solar power (CSP) plants. These plants use mirrors to concentrate the energy from the sun to heat a heat-transfer medium, generally to produce electricity. By storing the medium in a tank, these plants extend their operating time for several hours after sunset. The Indian government recently decided to reduce funding earmarked for the CSP industry in favour of photovoltaic solar power.

Als Vermögensverwalter nachhaltiger und verantwortungsbewusster Investmentfonds verfolgt BNP Paribas Asset Management diese Trends genau, um auch in der Zukunft auf die richtigen Entwicklungen zu setzen. Angesichts der gewaltigen ökologischen Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, werden zweifellos Solargiganten entstehen, insbesondere in den am dichtesten besiedelten Ländern wie Indien oder China.


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Alexandre Jeanblanc

Investment Specialist, SRI

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