Green Bonds als eigene Assetklasse? Was ist eine Assetklasse? (1/3)

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Der Markt für Green Bonds hat vor kurzem die 600-Milliarden USD-Marke an ausstehenden Wertpapieren überschritten. Aber macht dies allein Green Bonds zu einer eigenständigen Assetklasse? Im ersten Artikel dieser dreiteiligen Serie erläutern wir unsere Sicht auf die Thematik.

  • Korrelationen mit anderen Anlageklassen
  • Ein idiosynkratisches Risiko-Rendite-Profil?
  • Eigenschaften, die Green Bonds ausmachen?

Anleger nutzen Assetklassen-Allokation, um die Risikoverteilung und die Erträge in bestimmten Marktumfeldern zu steuern. Die Allokationen variieren abhängig von der investorenseitigen Einschätzung über das aktuelle und zukünftige Umfeld über verschiedene Zeithorizonte.

Abbildung 1: Jährliches Green Bond Ausgabevolumen (Mio. USD)

Quelle: Climate Bonds Initiative, BNPP Asset Management, Oktober 2019

Green Bonds: Korrelationen und Risiko-Rendite

Obwohl es keine allgemein anerkannten Kriterien gibt, die genau definieren, was eine Assetklasse ist, gibt es dennoch gemeinsame Grundsätze, die sich auf Klassifizierungsmethoden stützen.

  1. Unterschiedliche Anlageklassen sollten keine hohen Korrelationen aufweisen. Wenn zwei Anlageklassen stark miteinander korrelieren, wird die parallele Allokation in beide Assetklassen das Portfoliorisiko mathematisch gesehen nicht genügend streuen.
  2. Innerhalb einer Anlageklasse sollten sich Anleihen hinsichtlich der Risiko- und Ertragseigenschaften ähnlich verhalten.

Obwohl sich Anleger über die beiden Begriffe im Allgemeinen weitgehend einig sein werden, können sich Interpretationen von „hohe Korrelation“ oder „ähnliche Risiko- und Ertragseigenschaften“ im realen Leben doch stark unterscheiden.

Grüne Anleihen: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Vor diesem Hintergrund halten wir Green Bonds zum jetzigen Zeitpunkt nicht für eine separate Anlageklasse. Die meisten Green Bonds auf dem Markt sind heute „Verwendung-von-Erlösen“-Anleihen, statt reine Projektfinanzierungs-Anleihen. Für die meisten Green Bonds sind die Erlöse für die spezifischen Tätigkeiten eines Emittenten vorgesehen. Diese Tätigkeiten sollen einen Umweltnutzen erzeugen (demnach „grün“).

Doch die Rückzahlung erfolgt aus der gesamten Bilanz des Emittenten (wie bei jeder regelmäßigen nicht grünen Anleihe) und nicht speziell aus den Einnahmen der finanzierten grünen Aktivitäten (wenn sie überhaupt Einnahmen generieren). Im Wesentlichen haben die „Verwendung-von-Erlösen“-Green-Bonds ein äquivalentes Kreditrisiko– wie nicht grünen Anleihen.

Das bedeutet auch, dass wir theoretisch einen Green Bond haben können, der einer bestehenden nicht grünen Anleihe entspricht. Sowohl das grüne als auch das nicht grüne Anleihenäquivalent haben dasselbe grundlegende Kreditrisiko, dasselbe Durationsrisiko, dasselbe Liquiditätsrisiko, dasselbe Optionsrisiko usw.

Die Unterschiede zwischen Green Bonds und nicht grünen Anleihe sind:

  • Green Bonds erfordern Erlöse, die in grüne Aktivitäten fließen
  • Der Emittent verpflichtet sich, dem Markt nach Ausstellung die tatsächliche Verwendung der Erlöse (und potenziell den quantifizierten Nutzen für die Umwelt) offenzulegen.

Beide Unterschiede ändern weder die fundamentale Struktur der Anleihe noch das Kreditrisiko des Emittenten.

Also, eine eigene Assetklasse oder nicht?

Wir sollten erwarten können, dass die finanziellen Risiken von Green Bonds genau denen nicht grüner Anleihen entsprechen. Wir sollten ebenfalls davon ausgehen, dass sich das Rendite-Risiko-Profil grüner Anleihen genauso verhält wie das ihrer nicht-grünen Pendants.

Daher sind wir der Ansicht, dass Green Bonds nicht als eigene Anlageklasse, sondern als reguläre Anleihen aus finanzieller Risiko- und Renditeperspektive und folglich aus der Perspektive der Allokation in Anlageklassen betrachtet werden sollten.

Dennoch sehen wir eine Besonderheit in Bezug auf einige grüne Anleihen. Sie können sich dem „Greenium“ erfreuen, in einigen Fällen am Primärmarkt und in anderen am Sekundärmarkt. Ändert diese Besonderheit, wie wir grüne Anleihen als Anlageklasse sehen? Wir werden „Greenium“ definieren und diese Frage in Teil 2 untersuchen.


Lesen Sie auch:

Helfen „Greeniums“ bei der Definition einer Anlageklasse? (2/3)

Wie ordne ich Green Bonds Kapital zu? (3/3)


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Xuan Sheng Ou Yong

Green Bonds & ESG Analyst

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