Helfen „Greeniums“ bei der Definition einer Anlageklasse? (2/3)

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Einige Green Bonds genießen ein „Greenium“[1] im Verhältnis zu einem hypothetischen nicht-grünen Anleiheäquivalent. Im zweiten Artikel dieser dreiteiligen Serie diskutieren wir diese Prämie und ob sie Green Bonds zu einer eingenständigen Assetklasse macht.

  • Die Prämie, die das „Greenium“ ist
  • Sind einige Anleihen grüner und verdienen sie daher ein „Greenium“?
  • Schlüsselfaktor ist – selektive – Anlegernachfrage

Im realen Leben geben die Emittenten nicht gleichzeitig ein grünes und ein nicht-grünes Äquivalent mit der gleichen Laufzeit aus. Dies macht die tatsächlichen Beobachtungen eines „Greeniums“ nahezu unmöglich. Daher ist die nächstbeste Option, ein Äquivalent nicht-grüner Anleihen zu bewerten. Bei Anwendung dieser Methode stellten Forscher der Climate Bond Initiative fest, dass einige Green Bonds sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt ein „Greenium“ von meist weniger als 10 BP genießen (s. Grafik 1).

Grafik 1: Grüne Anleihen scheinen sich am Sekundärmarkt gut zu behaupten, wobei mindestens die Hälfte eine bessere Streuungs-Kompression gegenüber vergleichbaren Anleihen erreicht (d. h. ein „Greenium“ verdient)


Quelle: https://www.climatebonds.net/files/reports/cbi_gb_pricing_2h2018_08052019.pdf

Einige wissenschaftliche Studien haben Regressionsmethoden angewandt, um die Renditeabstände von Green Bonds zu analysieren und so das Vorhandensein von „Greenium“ zu ermitteln. Statistisch gesehen fanden sie in diesen Abständen Komponenten, die als „Greenium“ gelten. Doch können wir das „Greenium“ in Bezug auf das Kreditrisiko nicht erklären, da die Bilanz des Emittenten bei einer grünen und einer nicht-grünen Anleihe gleich ist. Selbst wenn ein Anleger das Kreditrisiko eines Emittenten von Green Bonds, aufgrund eines nachhaltigeren Geschäftsmodells mit mehr Green Activities und Green Assets, für geringer hält, gilt dies gleichermaßen für ein Nicht-Green Bond Äquivalent desselben Emittenten.

Investoren-Interesse an Green Bonds

Der einzige plausible Grund, den wir für ein „Greenium“ sehen, ist die Überschussnachfrage im Verhältnis zum emittierten Volumen. Dabei geht es nicht um ein geringeres finanzielles Risiko: Das finanzielle Risiko grüner Anleihen sollte dem von nicht-grünen Anleihen mit der gleichen Struktur entsprechen. Jede Preisdifferenz zwischen einer grünen und einer nicht grünen Anleihe würde am Sekundärmarkt schnell und rational umgeschichtet. Zudem würden Anleger in Primärmärkten nicht über einem fairen Preis bieten.

Daher kann ein „Greenium“ nur bestehen und bestehen bleiben, wenn mehr Geld in Green Bonds investiert wird, als ausgegeben wurde. So legt ein von den Anlegern favorisierter Emittent eine 5-jährige grüne Anleihe im Wert von 500 Million USD auf. Glücklicherweise gibt es für diesen Emittenten mehr primäre Marktangebote für diese Anleihe als für eine gleichwertige nicht-grüne Anleihe. Das führt zu einem „Greenium“ bei der Couponpreisgestaltung. Im Sekundärmarkt gibt es auch mehr Nachfrage als Angebot von den Anleihegläubigern, die bereit sind, zum aktuellen Marktpreis der nicht-grünen Anleihen zu verkaufen. Daher steigt der Preis für einen Teil dieser Green Bonds über den der nicht-grünen Anleihen, bis die Anleihegläubiger bereit sind, zu verkaufen.

In Wirklichkeit geschieht weitaus mehr als das, was oben beschrieben wurde (z. B. Bookbuilding-Verfahren, Preisfindung usw.), aber das ändert nichts an unserer allgemeinen Erklärung.

Leider können wir nicht genau beobachten, wer zur Gesamtnachfrage beiträgt und warum. Es könnte von speziellen Green-Bond-Fonds kommen, von regulären Investoren, die ihre Anleihen als „grün“ ansehen oder von Investoren, die wirklich grüne Aktivitäten finanzieren wollen. Bis die Anleihemärkte eine radikale Markttransparenztechnologie einsetzen, können wir heute nur diese übermäßige Nachfrage nach einigen Green Bonds beobachten.

Machen „Greeniums“ Green Bonds nicht zu einer eigenständigen Anlageklasse?

Da Wertpapiere innerhalb einer Assetklasse ähnliche Risiko-Rendite-Profile aufweisen sollten, lautet die Antwort „Nein“. „Greenium“ gibt es nur für einige Green Bonds und Emittenten. Die oben erwähnten Untersuchungen haben ergeben, dass bei Überprüfungen durch Dritte, bei Wiederholungsausgaben, in bestimmten Ländern und Sektoren „Greeniums“ eingesetzt werden.

Wir könnten alle Green Bonds in kleinere Einheiten unterteilen, um sie aus „Greenium“-Perspektive als Assetklasse zu klassifizieren. Dies aber bedeutet, dass die Menge der investierten Wertpapiere pro Einheit für das Portfolio eines Anlegers, unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung, zu gering sein wird.

Auch unter diesem Gesichtspunkt sollten Green Bonds unserer Meinung nach nicht als eigenständige Anlageklasse betrachtet werden. Wie sieht die zukünftig aus? Wir können davon ausgehen, dass die Gesamtnachfrage nach Green Bonds (beliebige Laufzeit und Struktur) schneller zunehmen wird als das Angebot. Wenn wir dieses Szenario auf sein logisches Extrem ausdehnen, können “Greeniums“ existieren und für jede grüne Anleihe im Verhältnis zu ihrem nicht-grünen Äquivalent bestehen bleiben.

Selektive Nachfrage bedeutet selektive „Greeniums“

In diesem Szenario wird jede grüne Anleihe im Vergleich zu ihrem nicht-grünen Äquivalent ein besonderes strukturelles Merkmal aufweisen und grüne Anleihen würden zu einer eigenständigen Anlageklasse werden. Das sehen wir heute jedoch nicht. Research von Credit Agricole Commercial and Investment Banking schätzt, dass engagierte grüne Investoren 20% der ausstehenden grünen Anleihen halten. Die meisten von ihnen befinden sich in Europa. Dies hat zu einem deutlicheren Nachfrageüberschuss auf Euro-lautenden grünen Anleihen im Vergleich zu grünen USD-Anleihen geführt.

Vielleicht kaufen diese engagierten grünen Investoren mehr, wenn eine Anleihe grün statt nicht-grün ist, aber dies ist wahrscheinlich nur für auf Euro-lautende Anleihen der Fall. Ein garantiertes „Greenium“ für grüne Anleihen im Allgemeinen erwarten wir heute also nicht.

Wenn Green Bonds keine eigenständig Anlageklasse sind, wie können Investoren Green Bonds in ihren Portfolioallokationen behandeln? Wir ziehen zwei mögliche breit angelegte Optionen in Betracht (aber es ist wahrscheinlich, dass es in der Realität eine unbegrenzte Anzahl von Optionen gibt). Wir erläutern diese Optionen in Teil 3.


Lesen Sie auch:

Green Bonds als eigene Assetklasse? Was ist eine Assetklasse? (1/3)

Wie ordne ich Green Bonds Kapital zu? (3/3)


[1] „Greenium“ bezieht sich auf jede Prämie, die der Emittent einer grünen Anleihe auf dem Primär- und Sekundärmarkt im Vergleich zu einer herkömmlichen Anleihe erhält


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Xuan Sheng Ou Yong

Green Bonds & ESG Analyst

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