US Small Caps: ein Anlagesegment, das ein besonderes Know-how erfordert

Post with image

Titelauswahl und Anlagen im Small-Cap-Bereich erfordern Kompetenzen, die auf die sehr vielfältigen und speziellen Merkmale dieses Segments abgestimmt sind. Denn nur ein solides Wissen führt zu Portfolioentscheidungen, die sich sowohl kurz- als auch mittelfristig bezahlt machen, erklären Geoff Dailey, Portfoliomanager für US-Small-Cap-Aktien, und Chris Fay, Portfoliomanager für US-Aktien.

Ein Vergleich von Small- und Large-Cap-Aktien zeigt auffallende Unterschiede zwischen beiden Segmenten. Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung werden zumeist unternehmerisch geführt und haben in dieser Hinsicht Ähnlichkeit mit Start-ups. Sie sind in der Lage, gezielte Risiken einzugehen, wodurch sie ihren Innovationsgrad erhöhen können. Small Caps sind üblicherweise gut finanziert, sodass für sie wenig Bedarf besteht, am Markt oder bei den Banken Kapital aufzunehmen.

Unserer Auffassung nach eröffnen diese Eigenschaften Chancen in unterschiedlichen Branchen. Der Gesundheitssektor zum Beispiel, der zuletzt das Feld angeführt und den breiten Marktindex hinter sich gelassen hat [1], ist sehr vielfältig. Die Bereiche Biotech und medizintechnische Dienstleistungen besitzen eine hohe Innovationskraft. Sie zeichnen sich durch konkurrenzfähige Produkte, stetige Umsätze und ein stabiles Management aus. Bei Marktkorrekturen gelten Aktien aus diesen Branchen als defensiv. Unserer Ansicht nach sollten sie Teil eines Portfoliossein, dassich kurzfristig, aber auch weiter ins Jahr 2019 hinein gut entwickeln kann.

Klein kapitalisierte Gesundheitstitel: Die Lücke schließen

Das Small-Cap-Segment bei Gesundheitstiteln unterscheidet sich deutlich vom Pharmasektor allgemein, der sich durch „Me too“-Produkte und leicht zu kopierende oder als Generika herzustellende Medikamente auszeichnet und zuletzt unter einer hohen Marktsättigung litt. Dies macht das innovative Biotech-Segment interessanter, weil es die Chance hat, eine Lücke zu schließen, bei der Nachfrage und Medikamentenpreise nicht vom Zustand der Wirtschaft abhängen. Small Caps im Biotech-Segment haben die Möglichkeit, in hochwertigen Nischenmärkten zur Bekämpfung seltener Krankheiten zu agieren. Diese Bereiche sind gekennzeichnet durch nachhaltige Wettbewerbsvorteile, gute Wachstumschancen und eine hohe Preissetzungsmacht.

Aus Anlagesicht eröffnet dies interessante Möglichkeiten. Um auf diesem Gebiet eine erfolgreiche Aktienauswahl zu treffen, ist allerdings ein gutes medizinisches Verständnis erforderlich. Dafür sorgen wir bei BNP Paribas Asset Management, indem wir Fachkonferenzen besuchen und mit Ärzten und Pharmaberatern sprechen. Unser Ziel ist, Experten in den verschiedenen Branchen zu werden, in die wir investieren, um in der Lage zu sein, deren Entwicklung richtig einzuschätzen.

Small Caps: Eine widerstandsfähige Anlageklasse

Natürlich spielt auch die Performance von Aktien bei unserer Auswahl eine Rolle. Nach der jüngsten Marktschwäche werfen wir einen zweiten Blick auf diesen und andere Sektoren. Bei Technologie und Software zum Beispiel sehen wir jetzt attraktivere Bewertungen. Diese Tatsache sowie das Fehlen von Anzeichen für eine Verringerung der IT-Ausgaben bei den Unternehmen sprechen unserer Auffassung nach für dieses Segment. Bei Energie wiederum erscheinen US-Unternehmen im Bereich Exploration und Produktion sowie Dienstleistungen besonders interessant. Die mittelfristigen Aussichten sind hier relativ robust.

Das Small-Cap-Segment insgesamt war nicht in der Lage, sich von Sorgen der Anleger um Handelskriege, die späte Phase des aktuellen Aufschwungs und die zunehmende Marktvolatilität freizumachen. Trotzdem sehen wir das Umfeld für Small Caps tendenziell positiv. Small Caps hängen eher von der US-Wirtschaft selbst ab als vom internationalen Handel. Somit dürften sie stärker von der geplanten Steuerreform der Regierung und den Ausgaben der US-Verbraucher profitieren.

Small Caps: Attraktiv bewertet

Zugegebenermaßen waren auch Small Caps von Marktkorrekturenbetroffen. Die aktuellen Bewertungsniveaus[1] halten wir aber für fair. Das zukunftsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im Small-Caps-Index Russell 2000 beträgt derzeit ungefähr 17. Dies entspricht dem langfristigen Durchschnitt des Index, liegt allerdings immer noch 15% unter seinem Höchststand vom Oktober 2017.

Im Vergleich zu Large Caps erscheinen uns Small Caps attraktiv bewertet: In Bezug auf Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis und Kurs-Cashflow-Verhältnis weist der Russell 2000 einen Abschlag zum Gesamtmarktindex S&P 500 auf.

Was ist als Nächstes zu erwarten? Längerfristig sind wir optimistisch. Die US-Wirtschaft ist stark, die Arbeitslosigkeit niedrig und die Stimmung in den Unternehmen gut. Es gibt viele positive Faktoren und wenige Anzeichen für eine Rezession am Horizont. Marktkorrekturen betrachten wir als gesund. Auch in der Vergangenheit hat es sie regelmäßig gegeben, und wir versuchen, solche Phasen als Kaufgelegenheiten zu nutzen.


Klicken Sie hier, um mehr zum Thema Small und Mid Caps zu erfahren.

[1] Dieser Artikel basiert auf Aussagen aus einem BrightTalk-Webcast am 23. Oktober. Die darin behandelten Themen waren die Entwicklungen im Segment der US Small Caps im bisherigen Jahresverlauf, die Aussichten und die Performance des Gesundheitssektors (+38% bis 30. September 2018), fundamentale Einschätzungen und die sich bietenden Chancen am Markt.

Eric McLaughlin

Senior Investment Specialist, US equities, CFA Charterholder

Schreiben Sie einen Kommentar

Your email adress will not be published. Required fields are marked*