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US-Wahlen – nur eine kleine blaue Welle?

Die Zählung der Wählerstimmen im Rahmen der US-Wahlen wird noch einige Tage dauern. Es ist aber bereits klar, dass wir es nicht mit einer „blauen Welle“ zu tun haben, bei der die demokratische Partei die Wahl gewonnen und die eindeutige Kontrolle über beide Kammern des Kongresses bekommen hätte. Für die Finanzmärkte verschlechtern sich somit die Aussichten auf eine umfassende, reflationäre fiskalische Expansion.

Das ist wichtig, denn die maßgebliche Schlussfolgerung unseres Fixed Income-Teams aus den Entwicklungen der letzten sechs Monate lautet, dass die US-Geldpolitik ihre Möglichkeiten nun weitgehend ausgeschöpft hat. Die Rolle der US-Geldpolitik beschränkt sich nun darauf, Steuerausgaben zu fördern, indem US-Treasuries in ausreichendem Umfang gekauft werden, um einen Anstieg der Realrenditen zu verhindern. Ein deutlicher Wachstumsimpuls kann jetzt nur noch von der Fiskalpolitik ausgehen.

Dem Kongress und US-Präsident Trump war es in den letzten Monaten nicht gelungen, sich im Anschluss an den im März verabschiedeten Cares Act im Wert von 2,2 Billionen US-Dollar auf weitere Steueranreize zu einigen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein geteilter Kongress in der nahen Zukunft ein bedeutendes Hilfspaket verabschieden wird.

Die Erholung bleibt empfindlich und benötigt Unterstützung

Der Vorsitzende der Fed Jerome Powell hat die politischen Entscheidungsträger bereits mehrmals gewarnt, dass zu wenig Unterstützung gefährlicher sei als zu viel Hilfe, da die Volkswirtschaft an einem Wendepunkt stehe.

Die US-Volkswirtschaft hat sich von dem ersten Coronavirus-bedingten Shutdown schneller erholt als erwartet. Schlüsselindikatoren, einschließlich der Arbeitsmarktstatistiken, wiesen in der jüngsten Zeit allerdings auf eine Verlangsamung hin. Die Erholung bleibt empfindlich. Es ist fraglich, ob ein neuer Konjunkturrückgang im Jahr 2021 ohne bedeutende fiskalische Unterstützung in den nächsten Monaten verhindert werden kann. Das Risiko besteht darin, dass die Fed gezwungen sein wird, mit unangemessenen Mitteln auf eine Konjunkturverlangsamung zu reagieren.

Die Forderung des Fed-Vorsitzenden Powell zu fiskalischen Maßnahmen hat eine soziale Dimension: Er hat festgestellt, dass zusätzliche Steuervorteile wichtig wären, um einkommensschwache Haushalte und Minderheiten zu retten, die sowohl von der Pandemie als auch der Rezession stark betroffen sind. Das würde seiner Meinung nach dem „tragischen“ Risiko vorbeugen, bereits existierende Ungleichheiten weiter zu verschärfen.

Korrektur an den internationalen Aktienmärkten

Die letzte Woche war die schlechteste Woche für die internationalen Aktienmärkte seit März (siehe Diagramm 1). Sie erlebten einen Ausverkauf, der durch die Corona-Pandemie und die US-Wahlen bedingter Vorsicht zugeschrieben wurde. Die neuen Lockdowns in weiten Teilen Europas und der erbitterte Kampf um die US-Präsidentschaft ließen die Volatilität an den Märkten weiter steigen.

Der MSCI All Country World Index für internationale Aktien fiel um 1,2% und verzeichnete zum Ende der Woche einen Rückgang um 5,3 %, sein stärkster Ausverkauf innerhalb einer Woche seit März. Der US S&P 500 musste 1,2% abgeben und verzeichnete zum Ende der Woche einen Rückgang um 5,6%. Der überwiegend aus Technologiewerten bestehende Nasdaq Composite ging um 2,4 % zurück und verzeichnete innerhalb der Woche einen Einbruch um 5,5%, obwohl einige der größten Unternehmen des Sektors bessere Quartalsergebnisse vorlegten als erwartet.

Zum Beginn dieser Woche erholten sich die Aktien etwas, allerdings lastet jetzt die Unsicherheit bezüglich des Ausgangs der US-Wahl auf der Anlegerstimmung.

Die Dynamik der Volkswirtschaft der Eurozone flaut ab

Die Zahl neuer COVID-19-Fälle steigt in Europa weiterhin alarmierend schnell. Um mit diesem Anstieg fertig zu werden, müssen die Regierungen erneut auf einen Lockdown zurückgreifen. Die Aussichten auf neue Höchststände und die Tatsache, dass eine Impfung frühestens in sechs Monaten verfügbar sein wird, bedeutet, dass die Erholung der Konjunktur von der Pandemie in Gefahr ist. Derzeit stützen die Liquiditätsspritzen der Zentralbanken – die weiterhin „alles in ihrer Macht stehende“ für eine möglichst geringe Disruption tun – die Bewertungen der riskanten Anlagen.

Die Umfragedaten (insbesondere der Einkaufsmanagerindex) zeigten bereits vor der zweiten Corona-Welle deutlich ein Nachlassen der Dynamik der Konjunkturerholung in Europa. Da Europa jetzt am Anfang eines zweiten Lockdowns steht – auch wenn dieser (bisher) weniger drastisch wirkt als der erste – ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Konjunkturaktivität im vierten Quartal zurückgehen wird.

Bei der Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank in der letzten Woche wurden keine Änderungen an der Steuervorteile der EZB angekündigt. Bei der anschließenden Pressekonferenz merkte EZB-Präsidentin Christine Lagarde an, dass die Dynamik der Konjunkturerholung in der Eurozone schneller nachließe als erwartet. Sie betonte, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger der EZB im Dezember ein neues geldpolitisches Steuerpaket verabschieden würden, um dem Risiko, dass die Konjunkturerholung in Europa durch das Wiederaufflackern des Virus aus der Bahn gerät, entgegenzuwirken.

Termine im weiteren Verlauf der Woche

Heute und morgen tritt der Offenmarktausschuss (FOMC) zusammen, dessen Sitzung aber wohl durch die Spekulationen um den Ausgang der US-Wahlen überschattet werden dürfte. Am Freitag wird die US-Regierung Arbeitsmarktdaten veröffentlichen. Hierbei handelt es sich traditionell um eine der Meldungen im internationalen Wirtschaftskalender, auf die die Märkte am stärksten reagieren. In diesem Monat werden die Arbeitsmarktstatistiken möglicherweise zeigen, dass weitere fiskalische Steueranreize erforderlich sind.

Angesichts der Stützmaßnahmen der Zentralbanken bleibt unser mittelfristiger Ausblick für Aktien auch weiterhin positiv. Trotz der Risiken für die Konjunkturerholung ist auf internationaler Ebene nach wie vor reichlich Liquidität vorhanden. Aus fundamentaler Sicht sorgen die niedrigen Realzinsen weiterhin für hohe Bewertungen und erleichtern die fiskalische Expansion. Es bleibt Spielraum für eine Umschichtung von Anleihen mit niedrigen Renditen oder geldnahen Anlagen in Aktien.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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