BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Welche Technologien brauchen wir für Netto-Null?

Um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, müssen wir bislang noch nicht ausgereifte Technologien einsetzen müssen. Nur so können auch solche Aktivtäten dekarbonisiert werden, die bislang mangels Know-HOw noch Kohlenstoff freisetzen.

Gegen den Klimawandel gibt es keine Wunderwaffe. Um bis zur Mitte des Jahrhunderts das Netto-Null-Ziel zu erreichen, müssen wir wohl alle Technologien einsetzen, die uns zur Verfügung stehen, aber schneller als bisher. Bis 2050 soll die Klimaneutralität erreicht werden – das ist laut Weltklimarat (IPCC) erforderlich [1], um den weltweiten Temperaturanstieg unter 2°C oder noch besser 1,5°C zu halten.

Der erste Schritt: verstärkte Elektrifizierung

Die Senkung des Energieverbrauchs und die Steigerung der Energieeffizienz werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Allerdings betonen viele – einschließlich Bill Gates in seinem kürzlich veröffentlichten Buch zu diesem Thema – dass wir uns noch intensiver bemühen müssen: Die Stromversorgung muss dekarbonisiert werden und dieser kohlenstoffarme Strom sollte durch eine zunehmende Elektrifizierung in so vielen Sektoren wie möglich genutzt werden.

In Bereichen, die nicht elektrifiziert werden können, wird zwingend eine andere Technologie benötigt. Das bedeutet, sich alternativen Kraftstoffen zuzuwenden oder CO2-Emissionen entweder direkt von diesen Aktivitäten abzuscheiden oder als Ausgleich für die Emissionen CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen.

Im Stromsektor wurden in den letzten Jahrzehnten bedeutende technologische Fortschritte erzielt. Gezielte staatliche Unterstützung sowie öffentliche und private Investitionen ließen den Preis für Wind- und Solarenergie so weit fallen, dass diese Energien vielerorts preiswerter sind als konventioneller Strom aus Gaskraftwerken. [2]

Beispielsweise sind die Kosten für Photovoltaikanlagen im letzten Jahrzehnt um mehr als 80 % gesunken. Rund 300 Mrd. USD jährlich werden in erneuerbare Energien investiert. Aufgrund der fallenden Kosten wird die für diese Summe verfügbare kohlenstoffarme Stromerzeugungskapazität immer größer.

CO2-Abscheidung – gezielte Einführung

In Sektoren, in denen die CO2-Emissionen nur schwer gesenkt werden können, z. B. in der Schwerindustrie, wo Elektrifizierung aufgrund des Bedarfs an großer Hitze nicht infrage kommt, könnte CO2-Abscheidung eine Lösung sein. Wie die Energy Transition Commission betont [3], sollten Kohlenstoffabscheidung und Speicherung (CCS), aber auch die Kohlenstoffabscheidung und Verwendung (CCU) Branchen vorbehalten bleiben, die nicht durch Elektrifizierung dekarbonisiert werden können. Bei CCU wird CO2 mithilfe chemischer Techniken aus dem Rauchgas eines industriellen Prozesses abgeschieden, damit es in den Untergrund transportiert oder zu anderen Zwecken verwendet werden kann.

Für erfolgreiche CCU müssen bestimmte Faktoren berücksichtigt werden:

Der erste ist die Allokation von genügend Ressourcen für die Entwicklung, damit CCU zu einer ausgereiften Technologie werden kann, denn derzeit ist sie noch weit davon entfernt, vermarktet werden zu können. Bestimmte Pilotprojekte im nordamerikanischen Stromsektor sollen effizient funktionieren, während die Leistungsfähigkeit anderer – und damit auch die Sicherheit der Erträge für Anleger – infrage gestellt wurde.

Der zweite Faktor ist, eine wirksame Methode für die Aufbereitung von abgeschiedenem CO2 zu bieten. Ein sinnvoller CO2-Preis wäre eine Möglichkeit. Derzeit werden viele Projekte als wirtschaftlich tragbar betrachtet, die das abgeschiedene CO2 verwenden, um im Rahmen der tertiären Ölgewinnung größere Ölmengen aus dem Boden zu fördern – allerdings würde ein solcher Prozess eindeutig nicht im Einklang mit den Klimazielen stehen.

Aber es gibt noch weitere potenzielle Einsatzmöglichkeiten für CCU. Denn das CCU-Verfahren kann bei der Entwicklung von CO2-armem, synthetischem Flugkraftstoff eine Rolle spielen.

Die meisten Szenarios des IPCC für 1,5°C basieren in gewissem Maße auf negativen Emissionstechnologien und damit auf dem Prinzip der Atmosphäre CO2 zu entziehen, entweder durch Bioenergie und CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS) oder direkte Abscheidung aus der Luft. Es muss aber gesagt werden, dass sich bei beiden Technologien im Falle einer breiten Nutzung robleme im Zusammenhang mit dem Energie- und Wasserverbrauch und der nötigen Fläche ergeben können.

Blauer und grüner Wasserstoff

Viele Pläne für eine „grüne“ Konjunkturbelebung nach COVID-19 beziehen sich auf den Wasserstoffsektor. Bei den traditionellen Methoden der Wasserstofferzeugung durch thermische Spaltung von Methan und Dampfreformierung entsteht CO2, sodass hier die CO2-Abscheidung ins Spiel kommt. Wird diese in den Prozess integriert, um das entstehende CO2 abzuscheiden, erhält man ‚blauen Wasserstoff‘. Die Gesamteffizienz von blauem Wasserstoff zusätzlich zu den vorstehend erwähnten Umweltproblemen im Zusammenhang mit CCS macht diese Lösung jedoch zu einer heiklen Sache, da sie möglicherweise nicht die vielversprechendste ist.

Bei ‚grünem Wasserstoff‘ sieht das anders aus. Hier ist das Gas eine Art Träger für erneuerbaren Strom, der zum Heizen, für den Transport und industrielle Aktivitäten, z. B. die Stahlproduktion verwendet wird. Bei dieser Technologie wird überschüssiger, erneuerbarer Strom verwendet, um durch Elektrolyse von Wasser Wasserstoff zu erzeugen, der dann in Heizkesseln oder Brennstoffzellen zum Einsatz kommen kann.

Viele argumentieren, dass es effizienter wäre, einfach zu elektrifizieren und bei hohem Angebot und niedriger Nachfrage überschüssige erneuerbare Energie in Batterien zu speichern. So können Energieverluste im Zusammenhang mit der Erzeugung und Speicherung, dem Transport und der Nutzung von Wasserstoff vermieden werden. Zu betonen gilt, dass sowohl die Energy Transitions Commission als auch die Internationale Energieagentur (IEA) sich dafür aussprechen, Wasserstoff nur dort zu verwenden, wo die Elektrifizierung nicht möglich ist.

Diagramm 1: Um CO2-Emissionen von netto null zu erreichen, muss Energieerzeugung mit geringem Kohlenstoffausstoß forciert werden und die Elektrifizierung gesteigert werden. Für Aktivitäten, die nicht elektrifiziert werden können, muss auf Wasserstoff und CCUS zurückgegriffen werden.

Quelle: Energy Transitions Commission

Die technologische Entwicklung muss schneller voranschreiten

Grüner Wasserstoff und Kohlenstoffabscheidung sind wesentliche Bestandteile einer „grünen“ Konjunkturbelebung und des Kampfes gegen den Klimawandel. Allerdings muss die Entwicklung beider Technologien stark beschleunigt werden, um sie auf den neuesten Stand zu bringen.

Der Bericht „Energy Technology Perspectives“ für 2020 [4] betont, dass die Technologien, die benötigt werden, um rund 75 % der für Netto-Null erforderlichen Emissionssenkung zu erreichen, noch nicht ausgereift sind. Der Bericht empfiehlt eine schnelle Kombination aus öffentlicher und privater Finanzierung einzusetzen, um eine schnelle Ausreifung voranzutreiben.

Hier bietet sich eine enorme Gelegenheit: Die Energy Transitions Commission schätzt, dass für die Entwicklung dieser und alternativen Technologien jährliche Investitionen in Höhe von 1 bis 2 Billionen USD erforderlich sind.

Indem man effektiv auf diese Investitionen abzielt, kann gesichert werden, dass wir das Netto-Null-Ziel erreichen. Die notwendigen Voraussetzungen sind gegeben, aber es ist mit viel Arbeit verbunden.

[1] Siehe https://www.ipcc.ch/sr15/

[2] Siehe https://www.irena.org/publications/2020/Jun/Renewable-Power-Costs-in-2019

[3] Siehe https://www.energy-transitions.org/wp-content/uploads/2020/09/Making-Mission-Possible-Full-Report.pdf

[4] Siehe https://www.iea.org/reports/energy-technology-perspectives-2020


Hören Sie auch den Podcast mit Thibaud Clisson

Lesen Sie auch:

Weiteres zum Thema Nachhaltige Anlagen


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

In Verbindung stehende Artikel

Weekly insights, straight to your inbox

A round-up of this week's key economic and market trends, and insights on what to expect going forward.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Please check the boxes below to subscribe