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Chinesische Aktien – Änderungen in Aussicht?

Die chinesischen Aktienmärkte verzeichneten in der Vergangenheit zahlreiche Auf- und Abschwünge. Seit März ist der CSI 300 Index um rund 17% gestiegen. David Choa, Head of Greater China Equities Team von BNP Paribas Asset Management in Hongkong, erklärt, warum sich die chinesischen Aktienmärkte dieses Mal anders entwickeln könnten als bisher.

Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass die chinesischen Aktienmärkte im Vergleich zum Marktzyklus von 2015 und zu den Aktienmärkten in anderen Regionen jetzt über wesentlich bessere Grundlagen verfügen. Die diesjährige Rallye basierte auf anderen Faktoren.

Starke Fundamentaldaten

  • China konnte COVID-19 bisher besser unter Kontrolle bringen als viele andere große Volkswirtschaften. Es erweckt den Anschein, als habe China das Virus bald überwunden – auch die Echtzeit-Konjunkturindikatoren haben größtenteils wieder dieselben Niveaus erreicht wie vor der Pandemie. Die chinesischen BIP-Werte für das zweite Quartal 2020 waren bereits positiv. Die Konjunktur verbesserte sich im dritten Quartal um 4,9% im Vorjahresvergleich, wobei die Erholung hauptsächlich dem Wachstum der Industrie zu verdanken war. Wahrscheinlich wird China als einzige große Volkswirtschaft 2020 ein positives Wachstum verzeichnen.
  • Die chinesische Volkswirtschaft ist jetzt ausgewogener als in der Vergangenheit. Die ständigen, strukturellen Wirtschaftsreformen helfen China, Konsum und Investitionen mit Unterstützung schnell wachsender, innovativer, führender Unternehmen der Sektoren Technologie und Gesundheitswesen aus dem eigenen Land auf die Binnennachfrage abzustimmen.
  • Falls die COVID-19-Pandemie in China wieder aufflackern oder es zu stärkeren geopolitischen Spannungen kommen sollte, hätte das Land noch beträchtlichen fiskalischen und geldpolitischen Spielraum zur Wahrung der Stabilität. Die Regierung hat aber in den letzten Monaten nur in begrenztem Umfang auf derartige Maßnahmen zurückgegriffen.
  • Die chinesischen Behörden haben die Haushaltsbilanz inzwischen besser unter Kontrolle. Die Reduzierung des Risikos im Finanzsystem bleibt eine der obersten Prioritäten. Um die Marktrisiken zu beschränken, bemüht man sich, dem Schattenbanksystem Herr zu werden. So kommen heute beispielsweise seltener Lombardkredite zum Kauf von Aktien zum Einsatz als 2015. Die diesjährigen Zuflüsse zu den chinesischen Aktien zeigen eher eine größere Risikobereitschaft als höhere Kreditaufnahmen.

Starke Unterstützung durch technische Faktoren

  • Bisher war China in den Portfolios der meisten internationalen Anleger untergewichtet, aber in dieser Hinsicht wird es wahrscheinlich eine Trendwende geben. In der Welt nach der Pandemie werden die Anleger wohl eine eigenständige Position in chinesischen Aktien benötigen, anstatt solche nur im Rahmen einer Schwellenländer-Allokation zu halten.
  • Die Beschleunigung der Reform der chinesischen Kapitalmärkte macht den Zugang zum lokalen Markt effizienter. Die u. a. aufgrund des Fünfjahresplans der chinesischen Regierung besser vorhersehbare regulatorische Landschaft beruhigt die ausländischen Anleger offensichtlich. Die Ziele lauten a) die Kapitalallokation zu verbessern; und b) langfristige Pensions- und Versicherungsprodukte zu entwickeln, die Sparern eine Alternative zu Immobilienspekulation oder niedrigen Zinsen auf Bankeinlagen bieten.
  • Die diesjährige Stärke des Renminbi zeigt, dass ausländisches Geld in die chinesischen Vermögensmärkte fließt. Die Rendite der chinesischen Staatsanleihen von derzeit rund 3% stellt die Renditen in den Volkswirtschaften der Industrieländer in den Schatten. Führende Anbieter von Anleihe- und Aktienindizes haben China in ihre wichtigsten Schwellenländer-Benchmarks aufgenommen. Peking ist fest entschlossen, diesen Trend nicht zu brechen. Ausländisches Kapital spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der chinesischen Finanzmärkte und die Rekapitalisierung des Banksystems.
  • Die Folgen der quantitativen Lockerung 2.0: Es ist reichlich Liquidität vorhanden; die Anleger suchen nach Regionen mit Konjunkturwachstum, das nicht leicht zu finden ist – in China wittern sie ihre Chance.

Der chinesische Technologiesektor ist vielfältiger

Es wurde viel darüber diskutiert, dass die dieses Jahr bei den US-Aktien verzeichnete Rallye letztendlich wenigen Technologieaktien zu verdanken war. Auch in China ist Technologie ein Bereich, das für Wachstum sorgt –aber aus verschiedenen Gründen ist die Situation anders:

Während der US-Aktienmarkt nur über wenige dominante Technologieunternehmen verfügt, ist der Sektor in China vielfältiger:

  • In jedem Segment gibt es nicht nur einen einzigen Marktführer, sondern mehrere. So zählt der elektronische Handel in China beispielsweise zahlreiche, große Anbieter, von denen keiner das Segment beherrscht.
  • In vielen Sektoren steckt die technologische Entwicklung noch in den Kinderschuhen. In China findet man entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Hardware über Software bis hin zu Cloud und Infrastruktur.
  • Traditionell konzentrieren sich die chinesischen Technologieunternehmen auf Anwendungen für Verbraucher. Dieser Schwerpunkt verlagert sich jetzt auf Anwendungen im geschäftlichen Kontext. Ein Bereich, in dem gegenüber der internationalen Vergleichsgruppe viel Aufholpotenzial besteht und gute Wachstumsaussichten bietet.

Darüber hinaus sind in China aber nicht nur die Wegbereiter für Technologie interessant:

  • Verbrauch
    • Die chinesische Regierung fördert weiterhin den lokalen Verbrauch, besonders angesichts der Tatsache, dass die Konjunkturerholung im Rest der Welt langsamer voranschreitet.
    • Der Wohlstand hat einen Wendepunkt erreicht: Die chinesischen Verbraucher sind nicht länger nur an Markenware interessiert, sondern streben in Bezug auf Bildung, Freizeit und Lebensmittel einen besseren Lebensstil an.
  • Traditionelle Sektoren – wir dürfen nicht vergessen, dass die Sektoren Industrie und Verarbeitung in China nach wie vor enorm sind.
    • Marken und Unternehmen, die den digitalen Wandel zur Verbesserung ihres Images nutzen, gewinnen neue Vertriebskanäle hinzu (z. B. online) und steigern ihre Produktivität (z. B. bessere Informationen zur Ebnung der Vertriebswege). Sie erhöhen ihren Marktanteil und zählen zu den sekundär Begünstigten des Technologiebooms.

Nicht nur im Technologiesektor gibt es Innovation

  • China arbeitet sich in der Wertschöpfungskette des Gesundheitssektors nach oben, von auf internationaler Ebene wettbewerbsfähigen Auftragsforschungsinstituten (CRO), die Spitzenforschung für internationale Biotech-Unternehmen betreiben, bis hin zu Herstellern medizinischer Geräte, u. a. von Ausrüstungen für Computertomographie (CT) und Bildsystemen. Der Qualitätsunterschied zwischen den chinesischen Unternehmen und der internationalen Vergleichsgruppe wird immer geringer, und in China können Fortschritte bei wesentlich geringerem Kostenaufwand erzielt werden.

Chinesische Aktien im Fokus

Unser Team konzentriert sich auf die drei folgenden Hauptthemen:

Innovation

  • Für China ist die technologische Entwicklung ein wichtiger Schwerpunkt, dem das Land umfassende Mittel widmet – nicht nur, um der Abhängigkeit von der US-Technologie zu entkommen, sondern auch, weil China über große traditionelle Sektoren verfügt (z. B. Industrie), die ihre Produktivität unbedingt steigern müssen.
  • Das einzigartige an China ist, dass es sich nicht nur um eine wichtige Drehscheibe für die Produktion handelt, sondern dass das Land darüber hinaus über einen großen Binnenmarkt verfügt. So sind potenziell mehr Synergien und Gewinne an beiden Fronten möglich.
  • Des Weiteren kommt diese Besonderheit nicht nur den traditionellen Wegbereitern für Technologie, z.B. den großen Internet-Verbraucherunternehmen, zugute. Unternehmen des Gesundheitssektors und sogar Verbraucher- und Industrieunternehmen außerhalb des Technologiesektors, die durch einen umfassenden digitalen Wandel Umsatz und Gewinnspannen steigern können, profitieren ebenfalls davon.

Konsum

  • Die chinesischen Verbraucher möchten inzwischen mehr als nur westliche Markenprodukte. Sie streben einen besseren Lebensstil an. Hiervon dürften nicht länger nur die Aktien traditioneller Einzelhandelssektoren profitieren, sondern auch Unternehmen der Sektoren Bildung, Gesundheitswesen und Wohlbefinden, Unterhaltung sowie Lebensmittel. Aufgrund der großen Bevölkerung Chinas handelt es sich um einen riesigen Markt, auf dem zahlreiche lokale Marken im Entstehen begriffen sind, an Aufmerksamkeit gewinnen und Marktanteile bei den Verbrauchern erobern.

Konsolidierung

  • Nach einem von schneller Expansion gekennzeichneten Jahrzehnt verlangsamt sich das Wachstum in China jetzt, so dass die Unternehmen nicht länger nur an ihren Umsatz zu denken brauchen. Sie müssen sich stärker auf Forschung und Entwicklung, Produktivität sowie Kosten konzentrieren. Die fortschrittlicheren unter ihnen dürften in der Lage sein, sich anstatt dem Wettbewerb immer mehr der Konsolidierung zuzuwenden. Das zeichnet sich nicht nur in den traditionellen Industriesektoren, sondern auch in der New Economy ab.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Hauptthemen unabhängig von äußeren Einflussfaktoren wie COVID-19 dem Test der Zeit standhalten werden. Die Nachwirkungen der Pandemie beschleunigen diese Entwicklungen sogar. Diese Themen sind ein zentraler Bestandteil unseres Portfolios, mit dem wir Ideen generieren und uns entsprechend positionieren können.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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