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Wöchentliches Investment Update – 15. Juli 2020

Weltweit gibt es mehr als 13 Millionen Corona-Fälle und die Zahl der Todesopfer übersteigt eine halbe Million, aber die Pandemie entwickelt sich in den einzelnen Regionen unterschiedlich.

  • In Ländern wie Italien, Spanien und Taiwan, die anfänglich vom Virus überwältigt wurden, sind ermutigende Fortschritte zu verzeichnen.
  • In anderen Ländern – u. a. Mexiko, Südafrika, Russland und Indonesien – ist die Situation dagegen alarmierend.
  • In wieder anderen Ländern tauchten Hotspots auf und machten neue Einschränkungen erforderlich. In den USA verhängte Kalifornien neue Beschränkungen. Die Schulen in Los Angeles und San Diego erhielten Anweisung, das neue Schuljahr ausschließlich mit Fernunterricht zu beginnen. Hongkong und Indien verschärften die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus erneut.

Um mit Dr. Mike Ryan von der WHO zu sprechen (dessen folgendes Zitat sich auf Mexiko bezieht): „Wir konnten dieses Muster bereits in vielen anderen Ländern beobachten ... Am Beispiel mehrerer Länder wurde eindeutig klar, dass durch die Wiedereröffnung in einer Situation, in der die Übertragung innerhalb der Gesellschaft groß ist und das öffentliche Gesundheitssystem keine angemessene Antwort bieten kann, eine schwierige Situation entsteht, die einen Rückschlag für ein ganzes Land bewirken kann.“

Die bevölkerungsreichsten Länder haben offensichtlich zu kämpfen, um das Virus einzudämmen. In den USA, Indonesien, Brasilien, Pakistan, Nigeria und Mexiko, in denen zusammen 37,5 % der Weltbevölkerung leben, haben die COVID-19-Fälle im Juni im Vergleich zum Mai jeweils zugenommen. Diese größeren Länder sehen sich unter anderem den Herausforderungen gegenüber, genügend Testkapazitäten zur Verfügung zu stellen und das Verhalten der Bevölkerung zu ändern – grundsätzlich oder auf Dauer.

In Großbritannien warnte man vor einer erneuten Zunahme der neuen Fälle im nächsten Winter, mit möglicherweise 120.000 Todesfällen in Krankenhäusern zwischen diesem September und Juni nächsten Jahres. Das wäre ungefähr doppelt so viel wie die bisherige Zahl der Todesopfer.

Der WHO zufolge ist die Pandemie noch nicht unter Kontrolle.

Brennpunkt USA: Steht ein zweiter Lockdown bevor?

Der Markt konzentriert sich weiterhin auf die Verschlechterung der Lage in den USA, wo 43 Bundesstaaten in den letzten beiden Wochen eine Zunahme der Fälle meldeten. In den südlichen und westlichen Bundesstaaten steigt die Zahl der Krankenhauseinweisungen, und die USA werden bald den im April erreichten Höchststand der in Krankenhäusern behandelten Patienten übertreffen.

Man hätte vorübergehend an eine Abkoppelung der Zahl der Todesopfer von den Fallzahlen und Krankenhauseinweisungen glauben können, aber inzwischen wird deutlich, dass die Opferzahlen in Arizona, Texas, Florida und Kalifornien zu steigen beginnen. Allerdings bleibt die Zahl der Todesopfer im Vergleich zu den zuvor in New York verzeichneten, tragischen Werten noch niedrig.

Serologischen Studien zufolge wurden bisher rund 7 % der US-Bevölkerung – etwas mehr als 23,2 Millionen Menschen – infiziert, gemeldet wurden jedoch weniger als 3,5 Millionen Fälle. Die Brutto-Erkennungsrate liegt somit bei 15 %. Wenn diese Rate stabil bleibt und ungefähr die Hälfte der Bevölkerung im Laufe des kommenden Jahres infiziert wird, könnten wir in den nächsten zwölf Monaten rund 50.000 Fälle pro Tag verzeichnen.

Unter diesen Voraussetzungen nimmt die Gefahr eines zweiten Lockdowns mit allen seinen Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und letztendlich auch die Märkte zu.

Aktuelle Neuigkeiten aus der Wissenschaft

Was das Virus selbst betrifft, so widmeten die Medien Bedenken im Zusammenhang mit der Luftübertragung viel Aufmerksamkeit. Letztendlich forderten 239 Wissenschaftler in einem offenen Brief die WHO auf, anzuerkennen, dass COVID-19 über die Luft übertragen werden kann. Welche Folgen das für die Vorbeugung hat, scheint klar zu sein: Es könnte nicht reichen, einen Abstand von zwei Metern zu Mitmenschen zu halten und sich oft die Hände zu waschen; äußerst wichtig ist ebenfalls, überfüllte Bereiche zu meiden und geschlossene Räume häufig zu belüften.

Einer Studie des King’s College London zufolge könnte die Immunität genesener Patienten nur einige Monate anhalten. Es besteht also die Gefahr, sich Jahr für Jahr neu anzustecken – genau wie bei einer normalen Erkältung. Die Forschungsergebnisse beeinflussen die Dauer des Impfschutzes.

Warten auf Neuigkeiten zum EU-Wiederaufbaufonds

Wird beim Gipfel diese Woche eine Einigung zur Ausgestaltung des EU-Wiederaufbaufonds zustande kommen? Der Präsident des Europäischen Rates Charles Michel hat neue Vorschläge veröffentlicht, von denen jedoch noch nicht alle Parteien überzeugt zu sein scheinen. Bundeskanzlerin Merkel warnte ihre Kollegen, den Fonds nicht auf Zwergengröße schrumpfen zu lassen. Wir rechnen zwar mit einer Einigung der Staatschefs, haben jedoch Bedenken, dass das Rettungspaket stark verwässert wird.

Im Vereinigten Königreich wurden Stimulusmaßnahmen im Wert von rund 30 Mrd. GBP sowie eine Erhöhung der geplanten Ausgaben für den öffentlichen Dienst um 30 Mrd. GBP angekündigt. Der Finanzminister machte allerdings klar, dass irgendwann keine weiteren Stimulus- und Unterstützungsmaßnahmen mehr möglich sein werden und er den öffentlichen Finanzen wieder eine nachhaltige Basis verleihen muss. Damit wollte er klar machen, dass die fiskalischen Stützmaßnahmen schon bald zurückgeschraubt werden dürften.

Konjunkturdaten: Gemischt

Bei der Industrieproduktion in der Eurozone entsprach die Erholung im Mai weitgehend dem Rückgang im März und April. In Deutschland erholte sich die Produktion um rund 10 %, während die italienische Produktion rund 40 % zulegte. Das britische BIP enttäuschte im Mai. Die Aktivität ist immer noch rund 25 % niedriger als im Februar. Die Situation sollte sich im Juni und Juli verbessert haben, da sich die Aktivität nach der Aufhebung des Lockdowns beschleunigt, aber es wird bereits deutlich, dass die Nachfrage schwach sein könnte.

Die chinesischen Handelsdaten für Juni waren ermutigender. Das Wachstum der Exporte um Importe wurde auf das Jahr umgerechnet positiv. Die weltweiten Bemühungen um die Kontrolle über die Pandemie spielten eine wichtige Rolle: Die Exporte medizinischer Ausrüstungen nahmen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 100 % zu. Für die hohen Einfuhrzahlen waren Importe landwirtschaftlicher Erzeugnisse verantwortlich.

Bezüglich der Bankkredite meldeten die Banken der Eurozone, dass die staatlichen Garantien wesentlich seien, um zu verhindern, dass die Kriterien für die Kreditvergabe im zweiten Quartal strenger werden. Die Anforderungen könnten allerdings bei Ablauf der Garantievereinbarungen höher werden. Die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten und die Inanspruchnahme bereits vereinbarter Kreditlinien zur Finanzierung von Lagerbeständen und Working Capital waren größer als die Auswirkungen der geringeren Investitionen.

Ende des Lockdowns – und der Stimulusmaßnahmen?

In vielen Volkswirtschaften warten die Behörden ungeduldig darauf, die Lockdown-Bestimmungen zu lockern. Sie müssen allerdings zwischen der Schaffung guter Voraussetzungen für eine möglichst starke Erholung und der Kontrolle über zukünftige Ausbrüche navigieren. Man könnte argumentieren, dass die Erholung nach der durch die Lockdowns hervorgerufenen Schlappe von der Nachfrage hervorgerufen werden müsste, die dadurch zustande kommt, dass die Verbraucher das zwangsweise durch die Schließung von Geschäften, Restaurants und Gaststätten gesparte Geld ausgeben.

Überschüssige Ersparnisse und die aufgestaute Nachfrage dürften also den Konsum fördern. In vielen Volkswirtschaften konnte ein tieferer Einbruch aber nur dank der Unterstützung durch den Staat und die Zentralbank verhindert werden. Bedenken im Hinblick auf die Arbeitsmarktperspektiven könnten dafür sorgen, dass die Verbraucher ihre Ersparnisse zurückhalten und Ausgaben aufschieben, was ein enttäuschendes Wachstum zur Folge hätte.

Wir rechnen daher damit, dass die fiskalische Unterstützung stark genug bleibt, damit Arbeitnehmer und Unternehmen den Wachstumseinbruch überleben. Der längerfristige Wachstumsausblick hängt von der Fähigkeit der Regierungen ab, herauszufinden, wo der Nachfrageeinbruch vorübergehend und wo von Dauer ist.

Höhere Renditen? Aktien suchen eine klare Tendenz

Eine leichte Verbesserung des globalen Konjunkturausblicks könnte die Realrenditen in diesem Quartal in die Höhe treiben, während die Inflationserwartungen zunehmen könnten, da die steigende Nachfrage der Verbraucher auf Versorgungsengpässe trifft. Anhaltende Anleihekäufe der Zentralbanken könnten dem Aufwärtsdruck auf die Renditen entgegenwirken.

Die Aktien hatten diese Woche aufgrund eines gewissen Zögerns und gemischter Daten zu kämpfen. Die europäischen Märkte allgemein haben im letzten Monat nur wenige eindeutige Fortschritte verzeichnet, während in den USA der S&P 500 Ende Juni einen starken Einbruch erlebte, von dem er sich erholte und letztendlich knapp über seinem Niveau vom Vormonat lag.

Die Dynamik des US-Technologiesektors nahm zunächst wieder zu und ließ den NASDAQ-Index auf Rekordwerte steigen, bevor der Markt eine Pause einlegte, da die Bewertungen der Technologiewerte stark über diejenigen des restlichen US-Marktes und sogar weiter als die europäischen Bewertungen stiegen.

Die chinesischen Aktien verbesserten sich kontinuierlich, aufgrund der zunehmenden Hoffnung auf eine Konjunkturerholung und weil die Inflationsdaten mit steigender Nachfrage rechnen ließen. Der Optimismus griff auf den gesamten Asien-Pazifikraum über, bevor Bedenken, die Märkte könnten über das Ziel hinausschießen, für einen Ausgleich sorgten.

Gewinnsaison: Den Blick auf die Zukunft richten

Nervosität, dass neue Corona-Ausbrüche die Erholung bedrohen könnten, ließ die Anlegerstimmung weiter schwanken. Die Tatsache, dass in Kalifornien Lockerungen der Einschränkungen zurückgenommen wurden, überschattete den Markt und sorgte zu Beginn der Gewinnsaison des zweiten Quartals für eine Eintrübung.

Kennzeichnend für den Beginn der Quartals-Berichterstattung war die Information, dass große US-Banken Rücklagen in Milliardenhöhe für potenzielle notleidende Kredite bilden. Allgemeiner sind die Erwartungen der Analysten nach dem schlappen ersten Quartal gering, was auch darauf zurückzuführen ist, dass kein Ausblick für das nächste Quartal und den Rest des Jahres mehr vorhanden war.

Bei den S&P 500-Unternehmen wird mit einem durchschnittlichen Gewinnrückgang um 42 % in Q2 gerechnet[1], wobei besonders der Sektor für Nicht-Basiskonsumgüter betroffen sein dürfte, da die Verbraucher teure Käufe aufschoben. Die Märkte dürften erwartungsgemäß über die Berichte für Q2 hinausschauen und den Kommentaren zum Ausblick für die Unternehmen große Beachtung schenken.


[1] Datenstand: 10. Juli 2020. Quelle: FactSet, BNP Paribas Asset Management


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