Ungewöhnliche Breakeven-Inflationsraten?

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Die jüngsten Kursentwicklungen sind von der Überzeugung der Investoren, dass  Zentralbanken sich auf eine weiterhin akkommodierende Geldpolitik vorbereiten, begleitet. Diese Erwartung schlägt sich in den Preisen für sichere Vermögenswerte nieder –  aber die langfristigen, marktorientierten Inflationserwartungen, die sich in den fünfjährigen impliziten Breakeven-Inflationsraten (terminbasiert) abbilden, rühren sich nicht. Stattdessen bewegen sich diese Raten auf den unteren Grenzen – nicht auf die Perspektive einer weiterhin akkommodierenden Geldpolitik reagierend.

  • Breakeven-Inflationsraten bewegen sich häufig in Sympathie mit den Bewertungen von Risiko-Assets, jedoch nicht dieses Mal
  • Der Markt signalisiert, dass sich die Inflation zukünftig nicht mit Zielen der Zentralbanken vereinbaren lassen wird

Das Verhalten der Breakeven-Inflationsraten während der letzten Monate is ein Rätsel. Neben dem Optimismus bzgl. der bevorstehenden  Maßnahmen der Zentralbanken sind auch die Nachrichten über den mittelfristigen Verlauf der Geldpolitik weitgehend positiv. Die US-Notenbank setzt ihre allmählichen Fortschritte in Richtung einer moderaten Änderung ihres Handlungsrahmens fort, die in Zukunft zu einer durchschnittlich höheren Inflationsrate führen dürfte. Wir wissen auch, dass Christine Lagarde, Nachfolgerin von EZB-Präsidenten Mario Draghi, keine Befürworterin einer härteren Geldpolitik ist. Ein Pragmatiker hätte angesichts der Rally der Risiko-Assets mit einem Aufschwung gerechnet, da sich die Breakeven-Inflationsraten häufig im Einklang mit den Bewertungen von Risiko-Assets entwickeln.

Abbildung 1: Das Rätsel – Die Breakeven-Inflationsraten in den USA und der Eurozone, abgeleitet aus den Bewertungen der fünfjährigen implizierten Breakeven-Inflationsraten (terminbasiert) in fünf Jahren, spiegeln die Markterwartungen wider, dass die Inflationsraten in Zukunft niedriger sein werden, trotz der erklärten Absichten der FED und der EZB, eine Politik zu verfolgen, die zu höheren Inflationsraten führt.

Quelle: Haver

Abbildung 2: Die Entwicklung der Kerninflationsmessgrößen lassen wenig Anzeichen für einen steigenden Inflationsdruck in den USA oder in der Eurozone erkennen

Quelle: Haver

Das Verhalten der Breakeven-Inflationsraten stellt auch für die Entscheidungsträger innerhalb der Zentralbanken ein Rätsel dar. Die Marktpreise deuten darauf hin, dass der Markt nicht nur die Glaubwürdigkeit des geldpolitischen Handlungsrahmens in Frage stellt, sondern auch schlicht die Idee herausfördert, dass Inflationsraten in Zukunft mit den Zielen der Zentralbanken in Einklang stehen wird.

In den vergangenen Jahren hätten die Entscheidungsträger bei den Zentralbanken möglicherweise zu entschlosseneren Maßnahmen greifen müssen, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Je niedriger die Breakeven-Inflationsrate jedoch ausfällt, desto mehr kommen die Notenbanken möglicherweise zu dem Entschluss, dass die Signal-to-Noise-Ratio bei diesen marktbasierten Messgrößen der Inflationserwartungen sehr niedrig ist und daher weniger Handlungsbedarf besteht.


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem BNP Paribas Asset Management’s fixed income outlook

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Dominick DeAlto

Chief Investment Officer, Fixed Income

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