Grundlegende Veränderungen der Investoren-Aussichten

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Der Gouverneur der Bank of England (BoE), Mark Carney, erläuterte letzte Woche, wie sich die Konjunkturerwartungen der Finanzmärkte seiner Ansicht nach zuletzt verändert haben. Die wichtigsten Punkte sind ihm nach:


  • Die Handelsstreitigkeiten haben dazu geführt, dass „die Anleger die konjunkturelle Entwicklung der Weltwirtschaft grundlegend anders als zuvor einschätzen
  • Die drastisch veränderten Erwartungen der Märkte hinsichtlich der Entwicklung der Zinssätze– insbesondere in den USA, wo Anleger (vor Veröffentlichung solider Arbeitsmarktdaten am Freitag) vier Zinssenkungen bis Ende 2020 eingepreist hatten – deuteten auf einen ähnlichen starken Schock bzgl. Konjunkturoptimismus  wie in Großbritannien seit der  Brexit-Abstimmung hin
  • Obwohl Carney die Reaktionen des Marktes für „teilweise übertrieben hält, so sind sie doch ein Zeichen dafür, dass Anleger befürchten, dass die Handelsstreitigkeiten „weitaus folgenreicher, dauerhafter und schädlicher sein könnten als ursprünglich erwartet
  • „Um sicherzustellen, dass der wirtschaftliche Aufschwung anhält, könnte [in einigen Ländern] kurzfristig eine geldpolitische Antwort gerechtfertigt sein“ erklärte Carney
  • Obwohl der Gouverneur der Bank of England anmerkte, dass die globalen Märkte „viel mehr Stützungsmaßnahmen als tatsächlich notwendig“ eingepreist hätten, nahmen die Anleihemärkte seine Ausführungen positiv auf (d. h. sie halten eine Zinssenkung durch die BoE im Laufe dieses Jahres nun für wahrscheinlicher).
    Das Vertrauen der Märkte in das Ausmaß der künftigen Zinssenkungen in den USA sank, nachdem am vergangenen Freitag ein starker Anstieg der US-Beschäftigtenzahlen („Nonfarm Payrolls“) berichtet worden war

Trotz der deutlichen Zunahme der Beschäftigtenzahlen gibt der US-Arbeitsmarkt Anlass zur Sorge. Aufgrund eines Anstiegs der Erwerbsbeteiligungsquote um 0,1% erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,1%, und das Lohnwachstum hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht verändert. Auch das Gewinnwachstum ist im letzten Jahr nicht über den Bereich von 3,1%-3,4% hinausgekommen.

Abbildung 1: USA: durchschnittlicher Stundenlohn aller Angestellten in der Privatwirtschaft (ohne Landwirtschaft)

Eine mögliche Erklärung dafür wäre, dass der US-Arbeitsmarkt schlechter ausgelastet ist als bisher angenommen. Zusammen mit der schwachen Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer könnte dies der Grund sein, warum die Lohn- und Preisinflation trotz der geringen Arbeitslosenquote so niedrig ist. Das würde bedeuten, dass die USA noch weit von einer Vollbeschäftigung entfernt sind. Wäre der Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung, würde das Lohnwachstum sicherlich wieder bei 4% wie vor der letzten Rezession oder sogar noch höher liegen.

Das schwache Lohnwachstum in den Industrieländern ist ein Thema, das wir in nächster Zeit auf unserem Blog näher untersuchen werden.


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