Wie lange läuft die Börsenrally weiter?

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Die seit Jahresbeginn laufende Börsenrally setzte sich im März weiter fort, wenngleich in etwas langsamerem Tempo als in den beiden Vormonaten. Dadurch wurden die im vierten Quartal 2018 erlittenen Verluste praktisch wieder wettgemacht. Zugleich gingen die Renditen für langfristige Anleihen zurück, nachdem die Zentralbanken aufgrund der globalen Wachstumssorgen eine äußerst vorsichtige Geldpolitik angekündigt hatten.

  • Globale Aktien verbuchten die höchsten Erstquartalsgewinne seit 1998.
  • Die Anleihenmärkte entwickelten sich positiv, wobei die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen unter 0% sank.
  • Widersprüchliche Signale zu Wachstum und Inflation

Geht der Rally die Puste aus?

Die globalen Aktienmärkte entwickelten sich im März sehr viel holpriger als im Januar und Februar, beendeten den Monat jedoch mit weiteren Zugewinnen. So schloss der MSCI AC World Index den Monat mit einem Plus in US-Dollar von 1%, nachdem er am 21. März vorübergehend den höchsten Stand seit dem 8. Oktober 2018 erklommen hatte. Derweil fielen die Zugewinne in den Schwellenländern mit einer Steigerung im MSCI Emerging Markets Index von 0,7% (auf Dollarbasis) aufgrund länderspezifischer Probleme in Lateinamerika niedriger aus, obwohl sie durch weiter anziehende Ölnotierungen gestützt wurden. So legte der Preis für ein Barrel der Sorte WTI im März aufgrund sinkender Fördermengen in den OPEC-Staaten um 5,1% auf 60 US-Dollar zu. Zugleich versuchte Donald Trump gegen Monatsende durch öffentliche Kritik an der Preispolitik der OPEC, einen weiteren Anstieg zu verhindern. Zudem gaben auch verschiedene Schwellenmarktwährungen, darunter der argentinische und der chilenische Peso sowie der brasilianische Real, gegenüber dem US-Dollar nach.

Die Aktienmärkte der Industrieländer erlebten zu Beginn des Monats und am 22. März einen Rücksetzer. Die Anleger reagierten höchst nervös auf das unsichere wirtschaftliche Umfeld. Ausgelöst wurden die Wachstumssorgen durch enttäuschende Konjunkturindikatoren, vor allem in der Eurozone, sowie durch die Verlautbarungen der Notenbanken, sie würden angesichts der bestehenden Risiken sehr vorsichtig agieren und die Wirtschaftsentwicklung genau im Auge behalten.

Die Finanzmärkte standen in einem Spannungsfeld zwischen zwei Entwicklungen: zum einen dem Kurswechsel der großen Zentralbanken sowie der daraus resultierenden Erwartung einer längerfristigen Fortführung der Niedrigzinspolitik und der unkonventionellen geldpolitischen Lockerung (was Risikoassets normalerweise stützt), und zum anderen einem unsicheren globalen Konjunkturausblick.

Die beste Performance verzeichneten in diesem schwierigen Umfeld die US-Börsen mit einem Plus von 1,8% im S&P 500. Während dessen erzielten die europäischen Aktienmärkte (mit Zugewinnen von 1,6% im Eurostoxx 50; 2,1% im CAC 40 und 0,1% im DAX) durchwachsene Ergebnisse. Der britische FTSE 100 profitierte indes von der Pfundschwäche und verbuchte ein Plus von 2,9%, während der japanische Nikkei 225 um 0,8% nachgab. Auf Branchenebene gerieten Finanzwerte durch Hinweise auf eine längere Fortführung der Niedrigzinspolitik in Europa und Japan sowie eine Abflachung der Renditekurve in den USA unter Druck. Technologie- und Basiskonsumwerte profitierten von den unsicheren Konjunkturaussichten und erzielten eine Outperformance.

Abbildung 1: Börsenperformance in der Eurozone im ersten Quartal

Die Aktienmärkte entwickelten sich im März holprig, verzeichneten unter dem Strich aber erneut Zugewinne

Nachdem die Aktienmärkte zu Beginn des Jahres aufgrund der liquiditätsstützenden Geldpolitik hohe Zugewinne verzeichnet hatten, traten im März zeitweise die Sorgen um das globale Wachstum in den Vordergrund, ausgelöst durch enttäuschende Konjunkturumfragen und die Tatsache, dass die Zentralbanken unter anderem in Japan, Kanada, Europa und den USA ihre Wachstumsprognosen herunterschraubten. Als die Einkaufsmanagerindizes der Eurozone erneut unerwartet zurückgingen, verloren die globalen Aktienmärkte am 22. März im Verlauf eines Handelstages ganze 1,5% ihres Wertes. Der Eurostoxx und der S&P 500 um 1,8% bzw. 1,9% nachgaben. Eine erste Delle hatten die Börsen bereits Anfang März erlebt, nachdem der Rückgang der chinesischen Exportvolumina Sorgen um die Wirtschaft des Landes ausgelöst hatte. Die Regierung hatte daraufhin eine Senkung der Unternehmenssteuern sowie weitere Schritte angekündigt, um das angestrebte BIP-Wachstum von 6 bis 6,5% zu erreichen. Gleichzeitig zeigten sich bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China erste Fortschritte, und US-Präsident Trump stellte eine baldige „gute Einigung“ in Aussicht. Zwar brachte die Runde an „konstruktiven Gesprächen“ bis Monatsende keinerlei konkrete Ergebnisse hervor, jedoch sollen die Verhandlungen Anfang April fortgesetzt werden. Die Anleger zeigten sich bislang geduldig und bereit, weiter abzuwarten. Ebenso haben sie es in Bezug auf Großbritannien und den Brexit nach den beispiellosen Turbulenzen im britischen Parlament, offenbar aufgegeben, das eine oder andere Szenario einzupreisen.

Vorsichtige Zentralbanken, Zweifel am Wachstum

Die Rendite für zehnjährige US-Treasury Notes, die Ende Februar noch bei 2,72% gelegen hatte, fiel im Zuge der Börsendelle am 22. März auf unter 2,50%. Angesichts des Kurswechsels der US-Notenbank setzte sie ihren Abwärtstrend anschließend weiter fort und beendete den Monat bei 2,41%. Nachdem Fed-Präsident Jerome Powell verlautbaren ließ, es sei eine „großartige Zeit, um geduldig zu sein“, und die Fed am 20. März entsprechende Entscheidungen veröffentlichte, gehen die Märkte nun davon aus, dass die Währungshüter aufgrund der externen Risiken für das US-Wachstum in den kommenden Monaten sehr vorsichtig und geduldig agieren werden.

Abbildung 2: Die langfristigen Renditen sind im März deutlich zurückgegangen

Indes sank die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen bis Monatsende um ganze 26 Basispunkte auf -0,07% und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2016. Der Rückgang erfolgte im Wesentlichen in zwei Schüben. Für einen ersten Abwärtsimpuls sorgte Mario Draghi auf der EZB-Sitzung am 7. März, indem er eine weiterhin lockere Geldpolitik in Aussicht stellte. Einen weiteren Rutsch löste dann die Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) am 20. März aus, die zu einem Rückgang der langfristigen US-Zinsen führte. Diese letzte Entwicklung wurde durch die Veröffentlichung der ISM-Einkaufsmanagerindizes am 22. März verstärkt, die eine anhaltende Konjunkturverlangsamung in der Eurozone erkennen ließen. Das war auch der Auslöser dafür, dass die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen in den negativen Bereich fiel. Danach gaben die langfristigen Zinsen weiter nach, da die Märkte nun davon ausgingen, dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum nicht steigen werden. Angesichts der Wachstumssorgen in der Eurozone, einer Inflationsrate, die nach wie vor deutlich unter dem Zielwert von 2% lag (im Februar belief sich die Gesamtinflation gegenüber dem Vorjahr auf 1,5% und die Kerninflation auf 1%), sowie der Kommentare der EZB gehen die Anleger nun fest von einer Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik aus. Am Ende des Monats deutete Mario Draghi sogar an, dass die Zinswende möglicherweise weiter hinausgezögert wird.

Hotel California?

Sind die Geldhüter letztlich dazu verdammt, ihre lockere (oder zumindest neutrale) Geldpolitik immer weiter fortzuführen? Die Verlautbarungen auf den Sitzungen der Fed, der EZB, der Bank of Japan, der Bank of Canada und anderer Notenbanken erwecken durchaus den Eindruck, dass ein Ausstieg aus der qualitativen Lockerung genauso unmöglich ist wie das Verlassen des „Hotel California“, das einst von den Eagles besungen wurde.

Allerdings gilt zu bedenken, dass selbst die Maßnahmen der Fed – die sowohl in Bezug auf den Leitzins als auch in Bezug auf die Bilanzsumme eine deutlich lockerere Geldpolitik erwarten lassen – lediglich als Reaktion auf den momentanen Istzustand und keineswegs als ewige Verpflichtung zu werten sind.

Das vorsichtige und geduldige Agieren der Währungshüter könnte indessen an den Finanzmärkten neue Volatilitätsschübe auslösen – entweder, weil die Notenbanker ihre Entscheidungen letztlich revidieren müssen oder weil sie durch die Betonung der wirtschaftlichen Risiken die Unsicherheit der Anleger weiter anfachen.

Die seit Jahresbeginn laufende Aktienrally wurde auch durch Fortschritte im Handelskonflikt zwischen China und den USA beflügelt. Allerdings ist auch an dieser Front ein „Happy End“ alles andere als sicher. Zwar hat Donald Trump immer wieder betont, dass die Verhandlungen mit Peking konstruktiv verlaufen und eine Einigung im April möglich sei. Gleichzeitig drohte er jedoch in Richtung Europa mit neuen Zöllen, sodass die protektionistischen Risiken die Finanzmärkte weiter in Atem halten dürften.

Nachdem die weltweiten Börsen im ersten Quartal um ganze 11,6% zugelegt haben und die Anleiherenditen, vor allem in Deutschland, weiter gesunken sind, könnte jedes unerwartete Ereignis die Finanzmärkte – wie bereits im Dezember – erneut in Aufruhr versetzen.

In einem Umfeld, in dem die Aktien- und Anleihenmärkte durch entgegengesetzte Szenarien und asymmetrische Risiken getrieben werden, kommt es mehr denn je darauf an, die technischen Indikatoren und die Stimmung am Markt genau im Auge zu behalten, um die Assetallokation bei Bedarf schnell und flexibel anpassen zu können.

 


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Nathalie Benatia

Macroeconomic Content Manager

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