Zentralbank wird wieder taubenhaft

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Im Februar sind die internationalen Aktienmärkte weiter gestiegen. Die wichtigsten Antreiber waren die von der US Federal Reserve Ende Januar in Aussicht gestellte Pause im aktuellen Zinserhöhungszyklus und die neuen Konjunkturprogramme der chinesischen Regierung. Warum hat die Fed die Geldpolitik gestrafft?

  • Den starken Kursgewinnen nach der Kehrtwende der US-Geldpolitik waren hohe Verluste vorausgegangen.
  • Die Fed hatte ihre Straffung auf „Autopilot“ gestellt.

Die Reaktion der Märkte auf den Richtungswechsel der US-Geldpolitik ist keine wirkliche Überraschung. Im Dezember waren die Märkte stark gefallen; die Investoren fürchteten das nahe Ende des aktuellen Zyklus und schwächere Wachstumsaussichten. Hinzu kam die Sorge eines möglichen Quantitative Tightening der führenden Zentralbanken und der möglichen Folgen für die Asset-Allokation

Was bedeutet der Richtungswechsel der Fed für die Märkte?

Für die Entscheidung der Fed gibt es aus unserer Sicht mehrere Gründe.

Die US-Konjunkturdaten und das weltweite Wachstum verschlechterten sich, nachdem die Fed bereits restriktiver geworden war. Nachdem sie die Geldpolitik nun schon eine Weile gestrafft hatte, schien eine Pause angesichts der Wachstumsdelle gerechtfertigt.

In der Vergangenheit ist die Volatilität häufig gestiegen, wenn die Fed ihre Geldpolitik in der Spätphase eines Konjunkturzyklus (aus Sicht der Marktteilnehmer) zu schnell gestrafft hat. Auch die starke Marktkorrektur Ende 2018 und die damit verbundenen schlechteren Finanzbedingungen könnten der Fed zu denken gegeben haben. In vielerlei Hinsicht erinnert uns die aktuelle Zinspause an die Jahre 2015/2016. Damals waren die Aktienmärkte ins Trudeln geraten und die Fed war „gezwungen“, den Fuß vom Gas zu nehmen. 2016 hat sie die Zinsen nur ein Mal erhöht. Mehr über die Ähnlichkeiten und Unterschiede lesen Sie in diesem Artikel.

Aus unserer Sicht könnte auch der Bilanzsummenabbau der Fed der eigentliche Grund für die Zinspause gewesen sein. Die Zentralbank hatte ihre im Rahmen des Quantitative Easing getätigten Wertpapierkäufe automatisch zurückgeführt, ungeachtet der Konjunkturdaten.

Abbildung 1: Abbau der Bilanzsumme der Fed, der Autopilot ist schuld

Die Aktienmärkte werden erst dann deutlich volatiler, wenn die Bilanzsumme schrumpft

Quelle: Bloomberg und BNPP AM, Stand 28. Februar 2019

So oder so halten wir eine erneute Kehrtwende der Fed jetzt für schwierig. Weil aber eine Lockerung der Geldpolitik aus unserer Sicht ebenso unwahrscheinlich ist, könnte die Zinspause mehrere Monate andauern. Für die internationalen Aktienmärkte ist das wichtig.

Zurzeit mag für die Marktteilnehmer die Zinspause der Fed das wichtigste Thema sein. Wir meinen aber, dass am Ende wieder die Fundamentaldaten die Märkte bestimmen werden.

Wie wir schon oft gezeigt haben, hat eine lockerere Geldpolitik führender Zentralbanken den Märkten in den letzten Jahren Auftrieb gegeben, zum Teil auch in Phasen mit schwachen Fundamentaldaten. Tatsächlich sind in vielen Jahren mit Quantitative Easing die Aktienbewertungen trotz schwachem Unternehmensgewinnwachstum gestiegen. Wir gehen davon aus, dass die Marktteilnehmer mittelfristig wieder vor allem auf die Fundamentaldaten achten werden.


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