Ernennung von Marvin Goodfriend

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Die Neubesetzung des Vorstands der US Federal Reserve (Fed) – die Zentralbank der größten Volkswirtschaft und die einflussreichste Währungsbehörde der Welt – schreitet voran. Damit beginnt an den Finanzmärkten eine neue Runde der „Kaffeesatzleserei“: Welchen geldpolitischen Kurs werden die Währungshüter in einem Umfeld mit robusten Wachstumsraten und anhaltend niedrigen Inflationsraten einschlagen?

Goodfriend wird neuer Fed-Gouverneur

Das Weiße Haus hat den Wirtschaftsprofessor Marvin Goodfriend als neues Mitglied im Gouverneursrat der US-Notenbank nominiert. Dieses Gremium bestimmt den Kurs der US-Geldpolitik, die nicht nur für die amerikanische Wirtschaft, sondern auch für die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt von Bedeutung ist.

Goodfriend wird damit auch gleichzeitig Mitglied im Offenmarktausschuss (FOMC), dem die sieben Gouverneure, vier von den elf Vorsitzenden der regionalen Notenbanken und der Präsident der Reserve Bank of New York angehören. Die Geldpolitik des FOMC nimmt Einfluss auf das Kapital- und Kreditvolumen sowie die Höhe der Kreditkosten, mit dem Ziel, „die nationalen wirtschaftlichen Ziele zu fördern“: maximale Beschäftigung, stabile Preise (mit einem längerfristigen Inflationsziel von 2 %) und moderate Langfristzinsen.

Neubesetzung der Fed macht Fortschritte

Die Ernennung von Goodfriend ist lediglich eine von mehreren personellen Änderungen an der Fed-Spitze, die von den Finanzmarktakteuren genau beobachtet werden. Diese suchen nach Hinweisen, wie die Notenbank die nach der großen Finanzkrise 2008 ergriffenen Stützungsmaßnahmen zurückführen wird und welche Weichenstellungen zu erwarten sind, wenn sich die US-Wirtschaft, die zurzeit so stark wächst wie seit drei Jahren nicht mehr, wieder abkühlt und die Inflation steigen sollte.

Donald Trump, der einen wirtschafts- und wachstumsfreundlichen Kurs vertritt und insbesondere massive Steuersenkungen plant, hatte zuletzt Jerome Powell als neuen Fed-Chef und den für die Bankenaufsicht zuständigen Randal K. Quarles als dessen Stellvertreter ernannt. Dennoch sind im Fed-Board immer noch vier Sitze vakant. Sollten diese im kommenden Jahr neu besetzt werden, würde dies bedeuten, dass sechs von sieben Gouverneuren von der Trump-Regierung ernannt wurden. Die Besetzung dieser einflussreichen Positionen ermöglicht der US-Regierung, den politischen Kurs der institutionell unabhängigen Notenbank wesentlich zu beeinflussen.

Die Spekulationen nehmen zu

An den Finanzmärkten werden diese und auch künftige Personalentscheidungen mit Argusaugen beobachtet. Insbesondere versucht man herausfinden, wie sich der FOMC künftig zusammensetzen wird, da davon der weitere geldpolitische Kurs abhängt. Dabei gilt es vor allem, einzuordnen, wer von den neuen Mitgliedern zu den „Falken“ (deren Fokus auf der Eindämmung wirtschaftlicher Risiken wie etwa einer galoppierenden Inflation liegt) und wer zu den „Tauben“ (deren Schwerpunkt beispielsweise auf einer niedrigen Arbeitslosigkeit liegt) gehört.

Der Falke Goodfriend

Goodfriend gilt als Falke. Er hat kritisiert, dass die Fed zu wenig unternimmt, um einen Anstieg der Inflation deutlich über die Zielmarke 2 % zu verhindern. Diese Position und die daraus folgenden potenziellen geldpolitischen Maßnahmen – beispielsweise eine schnellere Anhebung der US-Zinsen, als es die Fed bislang tut – könnten eine straffere Geldpolitik bedeuten, die wiederum das Wachstum abwürgen und eine Rezession nach sich ziehen könnte.

Zudem stellt sich die Frage, welche Maßnahmen Goodfriend in einer möglichen Rezession ergreifen würde. Goodfriend plädiert in einem solchen Fall für negative Zinssätze, was in den USA historisch neu wäre. Außerdem verfolgt er beim Umgang mit einem möglichen Abschwung einen aggressiveren Ansatz als die aktuelle Fed-Spitze. Ebenfalls skeptisch sieht er die quantitative Lockerungspolitik, in deren Rahmen die Zentralbank Wertpapiere (vor allem Anleihen) in großen Mengen aufkauft, um die Wirtschaft durch niedrige Zinsen zu stützen. Er könnte also mit dem bisherigen Ansatz brechen, mit dem seine noch amtierende Vorgängerin die Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder auf Erholungskurs gebracht hat.

Die Zusammensetzung des FOMC und der Umgang mit einem künftigen Abschwung

Die Ernennung von Goodfriend ist nur eine von mehreren anstehenden Personalentscheidungen für die US-Notenbank. Auch wenn er die aktuelle Geldpolitik bereits mehrfach kritisiert hat, ist es denkbar, dass er eine andere Position einnehmen wird, sobald er im Amt ist.

Sollten allerdings auch die anderen freien Sitze mit ihm gleichgesinnten Kandidaten besetzt werden, müssten die Finanzmärkte ihre Szenarien und ihre Erwartungen an die künftige Zinspolitik (und das Kreditangebot) möglicherweise neu überdenken – und zwar sowohl für die aktuelle „Goldlöckchen-Wirtschaft“ als auch für den Fall, dass die guten Zeiten zu Ende gehen und frische Unterstützung für Wachstum und Beschäftigung erforderlich würde.

Die FOMC-Mitglieder der US-Notenbank im Jahr 2017

  • Janet L. Yellen, Gouverneursrat, Vorsitzende – Amtszeit endet; Rücktritt vom Gouverneursrat
  • William C. Dudley, New York, Vize-Präsident – Rücktritt
  • Lael Brainard, Gouverneursrat
  • Charles L. Evans, Chicago (+)
  • Patrick Harker, Philadelphia (-)
  • Robert S. Kaplan, Dallas (-)
  • Neel Kashkari, Minneapolis (-)
  • Jerome H. Powell, Gouverneursrat – übernimmt den Fed-Vorsitz im Februar 2018
  • Randal K. Quarles, Gouverneursrat – 2017 als stellvertretender Fed-Vorsitzender nominiert

Stellvertretende Mitglieder

  • Raphael W. Bostic, Atlanta (+)
  • Loretta J. Mester, Cleveland (+)
  • Mark L. Mullinix, erster Vizepräsident, Richmond (+)
  • Michael Strine, erster Vizepräsident, New York (+)
  • John C. Williams, San Francisco (+)

 (+) 2018 auch Mitglied; (-) 2018 kein Mitglied mehr; Sitze werden übernommen von Boston, St Louis, Kansas City; die Auflistung schließt nicht-stimmberechtigte Mitglieder mit ein, die an den Sitzungen und den Diskussionen des Ausschusses teilnehmen sowie bei der Bewertung der Wirtschaftslage und der geldpolitischen Handlungsoptionen durch den Ausschuss mitwirken; Quelle: https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/fomc.htm


Verfasst am 06.12.2017

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