Wachstum in der Eurozone bleibt auch 2019 schwach

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Der aktuelle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone deutet auf sinkende Auftragseingänge aus dem In- und Ausland hin. Gleichzeitig entwickeln sich sowohl der Dienstleistungssektor als auch die Binnennachfrage aufgrund von Lohnwachstum und Konjunkturmaßnahmen weiterhin beständig.

  • Produktionsdaten besser als das Geschäftsklima
  • Beschäftigungszuwächse, höhere Löhne und niedrigere Energiekosten stützen den Konsum
  • Auswirkungen der jüngsten externen Schocks sollten allmählich nachlassen

Wachstum in der Eurozone bleibt auch 2019 schwach 

Das Wachstum in der Eurozone ist nach wie vor enttäuschend, und auch für 2019 ist keine Besserung in Sicht. Der Konjunktur mangelt es immer noch an externer Unterstützung; vor dem Hintergrund hoher und weiter steigender politischer und geldpolitischer Unsicherheiten ist das nachlassende Wachstum der weltweiten Industrieproduktion ein schlechtes Zeichen für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone. Tatsächlich deutet die Entwicklung des Einkaufsmanagerindex (PMI) auf eine Eintrübung der Stimmung im verarbeitenden Gewerbe und einen Konjunkturabschwung hin, mit einem Rückgang von 50,5 Punkten im Januar auf 49,3 Punkte im Februar und auf 47,6 Punkte im März. Wenn wir uns den Frühindikatoren zuwenden, sehen wir, dass der Wert für die Auftragseingänge immerhin unverändert bei neutralen 50,0 Zählern liegt. Aber bei näherer Betrachtung der einzelnen Branchen zeigt sich auch hier wieder die Schwäche des verarbeitenden Gewerbes. Sowohl die inländischen als auch die ausländischen Auftragseingänge sanken auf unter 45 Punkte.

Die harten Konjunkturdaten, bei denen es sich allerdings um nachlaufende Indikatoren handelt, zeichnen allerdings ein weniger pessimistisches Bild. Die Industrieproduktion im Januar lag 1,4% über dem Wert des Vormonats, was einem Anstieg von 0,4% gegenüber dem Durchschnitt des vorherigen Quartals entspricht. Bei den Pkw-Neuzulassungen war im Januar der vierte Zuwachs in Folge zu verzeichnen. Somit bestätigte sich die Erwartung, dass sich die Zulassungszahlen nach dem durch die Einführung der neuen Abgasnormen verursachten Rückgang jetzt wieder normalisieren. Obwohl es unbestreitbar Anzeichen einer stetigen Zunahme externer Risiken für das Wachstum im verarbeitenden Gewerbe gibt, bleibt abzuwarten, ob die harten Konjunkturdaten tatsächlich einen so starken Einbruch der Industrieproduktion verzeichnen werden, wie es die PMI-Erhebungen nahelegen.

Das Verbrauchervertrauen steigt …

Positiv zu bewerten ist, dass sich der Dienstleistungssektor in der Eurozone als relativ robust erwiesen hat. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex stieg von seinem jüngsten Tiefststand von 51,2 Punkten im Januar auf 52,8 Punkte im Februar und 52,7 Punkte im März. Der Wert für das Neugeschäft im Dienstleistungssektor legte auf 52,1 Punkte zu, der höchste Stand seit November letzten Jahres. Auch die aktuellen Konjunkturdaten deuten auf ein anhaltendes Wachstum des privaten Konsums hin. In den meisten Ländern der Eurozone gab es im vierten Quartal 2018 einen breiten Beschäftigungszuwachs über alle Branchen hinweg. In Verbindung mit steigenden Löhnen und dem jüngsten Rückgang der Energiepreise impliziert diese Entwicklung ein stetiges Wachstum des verfügbaren Realeinkommens der Haushalte, weshalb sie sich positiv auf den privaten Konsum auswirken sollte. Tatsächlich stieg das Verbrauchervertrauen im Februar den zweiten Monat in Folge, was den Abwärtstrend vom vergangenen Jahr beendete und auch mit dem kontinuierlichen Wachstum des privaten Konsums im Einklang steht.

… aber es braucht auch eine Verbesserung der externen Faktoren

Obwohl die Widerstandsfähigkeit des Binnenwachstums ein gutes Zeichen ist und kurzfristige Konjunkturschocks abfedern sollte, könnte ein unerwartet starker Wachstumseinbruch negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben und den Konsum beeinträchtigen. Eine Umkehrung des derzeitigen Trends einer Konjunkturabkühlung erfordert daher auch eine Verbesserung der externen Faktoren. Es erscheint uns zunehmend wahrscheinlich, dass die hohen Unsicherheiten, die die Weltwirtschaft und die Märkte in den letzten Monaten belastet haben, allmählich nachlassen werden. Hierfür gibt es insbesondere drei Gründe: Zunächst einmal sollten die von den chinesischen Behörden eingeleiteten Konjunkturmaßnahmen dazu führen, dass sich das Wirtschaftswachstum in China wieder erholt. Zweitens dürften der Waffenstillstand im Handelskrieg und das sich abzeichnende Handelsabkommen zwischen den USA und China zu einer Wiederbelebung des Welthandels beitragen; es ist allerdings immer noch ungewiss, wann das Handelsabkommen tatsächlich kommt und wie umfassend es sein wird. Drittens ist das unmittelbare Risiko eines ungeordneten Brexit erst einmal vom Tisch, obwohl der Ausgang des Brexit-Prozesses natürlich weiterhin offen ist.

Einkaufsmanagerindex der Eurozone verschlechterte sich im ersten Quartal 2019 weiter

Quelle: Haver, März 2019

Vorlaufender Einkaufsmanagerindex – Auftragseingänge

Quelle: Haver, März 2019

Harte Daten vs. weiche Daten – verarbeitendes Gewerbe

Quelle: Haver, März 2019

Verbrauchervertrauen weiter über dem historischen Durchschnitt

Quelle: Bloomberg, März 2019


Dies ist ein Auszug aus dem in März veröffentlichten Q1 2019 Inflation-Linked Bonds Outlook. Um die vollständige Version zu lesen (Englisch), klicken Sie hier>

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Cedric Scholtes

Co-Head Inflation, Rates Committee Chair, BNP Paribas Asset Management

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