FOMC-Sitzungsprotokoll: allmähliche Veränderung der Geldpolitik zu erwarten

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Das Protokoll zur Januar-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der US Federal Reserve zeigt, dass der Ausschuss in Bezug auf die Inflationsaussichten immer zuversichtlicher wird.

Fortschritte in Richtung Inflationsziel

So geht die Mehrheit der Teilnehmer inzwischen davon aus, dass das Inflationsziel von 2 % mittelfristig erreicht wird. Gleichzeitig werden die Risiken eines Inflationsrückgangs für wesentlich geringer eingestuft als noch im Dezember.

Dieser wachsende Optimismus beruht auf einer Reihe von Faktoren, darunter

  • die (zum Teil auf die geplanten Steuersenkungen der Trump-Regierung zurückzuführende) Anhebung der Prognosen für das Wirtschaftswachstum,
  • eine weiterhin expansive Fiskalpolitik,
  • eine anhaltende Erholung des Arbeitsmarkts
  • ein schwächerer Dollar.

Untermauert wird diese Einschätzung durch zwei Entwicklungen, die im Anschluss an die FOMC-Sitzung eingetreten sind: der überraschend starke Anstieg der Löhne und Verbraucherpreise sowie die Tatsache, dass sich Anfang Februar Republikaner und Demokraten im Kongress auf einen Zweijahreshaushalt einigten, der weitere fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen vorsieht.

Quelle: US Federal Reserve

Entwicklungen seit der FOMC-Sitzung

Es wird interessant, zu beobachten sein, wie sich all diese Entwicklungen – ebenso wie der Februar-Crash an den Aktienmärkten – auf der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses widerspiegeln werden, die im März stattfindet. Ich erwarte dort in jedem Fall eine Aufwärtsrevision der mittleren Wachstumsprognose für 2018, die den Auswirkungen der Steuersenkungen auf die Ausgaben von Haushalten und Unternehmen stärker Rechnung trägt. Ebenfalls denkbar ist, dass einige Ausschussmitglieder die auf zwei Jahre angelegte Haushaltsvereinbarung bei ihren Prognosen berücksichtigen werden, insbesondere wenn bis dahin die entsprechenden Haushaltsgesetze verabschiedet sind.

Veränderung der Leitzinsprognosen?

Weniger klar ist, ob auf der Sitzung auch die mittleren Prognosen zu Inflation und Leitzins revidiert werden. Die jüngsten Bemerkungen von Ausschussmitgliedern, die zum Teil erst nach der Einigung über den Zweijahreshaushalt geäußert wurden, lassen keine signifikanten Veränderungen bei den Inflationsprognosen erwarten; allgemein vermitteln sie außerdem den Eindruck, dass die Fed beim Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik weiter behutsam vorgehen wird.

Der Titel einer Anfang Februar von John Williams, Präsident der Fed von San Francisco, gehaltenen Rede lautete: „Expecting the Expected: Stay Calm When the Data Meet the Forecasts“ („Das Erwartete erwarten: Ruhig bleiben, wenn die Daten den Prognosen entsprechen“). Dieser Titel deutet darauf hin, dass der Offenmarktausschuss zurzeit noch keinen Anlass sieht, seine Inflations- und Leitzinsprognosen zu verändern. Sofern die Februar-Daten nicht auf einen überraschenden Anstieg der Verbraucher- und Erzeugerpreise hindeuten, rechne ich daher damit, dass der Offenmarktausschuss auf seiner Sitzung im März an seiner aktuellen Leitzinsprognose für 2018 festhält.

Doch die Sitzungsprotokolle des Offenmarktausschusses geben nicht nur Aufschluss darüber, wie die Notenbanker die künftige Entwicklung einschätzen, sondern auch, wie sie die gegenwärtige Situation bewerten. Auf der Januar-Sitzung bekundeten die Teilnehmer ihre Meinung, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Dollarschwäche und der Aktienhausse die Auswirkungen des Anstiegs der nominalen Treasury-Renditen mehr als ausgeglichen hatten. Zwar sind die finanziellen Rahmenbedingungen seitdem etwas schwieriger geworden, was auf die fallenden Aktienkurse, die leichte Aufwertung des handelsgewichteten US-Dollars und den Anstieg der nominalen Treasury-Renditen zurückzuführen ist.

Allerdings waren die Gesamtauswirkungen dieser Entwicklungen bislang nur relativ gering und dürften die Fed nicht davon abhalten, die geldpolitischen Zügel allmählich weiter zu straffen, zumal die US-Geldpolitik alles in allem immer noch ausgesprochen expansiv ist. Zudem werden die vor kurzem verkündeten Ausgabenprogramme der Trump-Regierung die negativen Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Finanzmärkte mehr als ausgleichen.

Insgesamt haben mich die jüngsten finanz- und fiskalpolitischen Entwicklungen in meiner Überzeugung bestärkt, dass die Fed in diesem Jahr insgesamt vier Leitzinserhöhungen um je 25 Basispunkte vornehmen wird, selbst wenn dies den Prognosen des Ausschusses bislang noch nicht eindeutig zu entnehmen ist.

Steven Friedman

Senior Economist

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