Geldpolitik beflügelt die Börsen – Anleihen ohne klaren Trend

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Wie bereits im Januar verzeichneten die Märkte für Risikoassets im Februar erneut Zugewinne, was in erster Linie den marktfreundlichen Verlautbarungen der wichtigsten Zentralbanken zu verdanken war. Diese signalisierten eine Pause im Straffungszyklus und sorgten damit für ein anhaltend günstiges Börsenumfeld.

  • Die Börsenindizes legten auf breiter Basis erneut zu, obwohl nach der hervorragenden Performance im Januar Gewinnmitnahmen zu erwarten gewesen wären.
  • Der sino-amerikanische Handelskonflikt hat sich mittlerweile entspannt, was die Anleger zusätzlich optimistisch stimmt.
  • Weitere Stützung bietet das nach wie vor intakte globale Wirtschaftsumfeld.
  • Die marktfreundliche Rhetorik der Fed und der EZB sorgt für stabile Anleihenrenditen.

Neue Marktturbulenzen sind vor allem dann zu erwarten, wenn sich die Hoffnungen der Anleger nicht erfüllen.

Börsenentwicklungen im Februar

Läuft die Rally immer weiter?

Nachdem sich die globalen Aktienmärkte (gemessen am MSCI AC World) bereits im Januar mit einem Plus von 7,8% (in US-Dollar) hervorragend entwickelt hatten, legten sie im Februar mit moderateren Gewinnen von 2,5% erneut zu. Damit hat der Index in den ersten beiden Monaten des Jahres eine hervorragende Performance von 10,5% erreicht, obwohl nach der Januar-Rally eigentlich Gewinnmitnahmen zu erwarten gewesen wären.

Diese ausgezeichnete Wertentwicklung stand in den Industrieländern auf breiten Füßen, wobei auch andere Risikoassets, insbesondere Unternehmensanleihen, positive Gesamtrenditen generierten. Hingegen fiel das Plus an den Börsen der Schwellenländer (gemessen am MSCI Emerging Markets Index) mit 0,1% (in US-Dollar) deutlich kleiner aus, was hauptsächlich auf Probleme in Lateinamerika sowie negative Währungseffekte (insbesondere in Argentinien, Brasilien und Mexiko) zurückzuführen war. Derweil erlitten Aktien der europäischen Schwellenländer im Februar erneut Verluste – jedoch in geringerem Maße als zuvor. Chinesische Titel profitierten von der Entspannung im Handelskonflikt mit den USA, den allmählich greifenden Konjunkturmaßnahmen aus Peking und der Aussicht auf die Aufnahme weiterer A-Aktien in die internationalen Börsenindizes. In der Folge erzielten die Börsen der asiatischen Schwellenmärkte im Februar eine Outperformance.

Abbildung 1: Chinesische Aktien legen seit Jahresbeginn deutlich zu

Die beiden Verhandlungspartner im sino-amerikanischen Handelsstreit schlagen mittlerweile wieder friedfertigere Töne an; Präsident Trump verkündete „erhebliche Fortschritte“ und hat die geplante Anhebung der Zölle zum 1. März vorerst auf Eisgelegt. Von dieser positiven Entwicklung an der Handelsfront profitierten sämtliche Aktienmärkte rund um den Globus – insbesondere Technologieaktien aus den Bereichen Hard- und Software sowie Industrietitel. In geringerem Maße profitieren auch Konsum-, Finanz- und Telekommunikationswerte. Amerikanische und japanische Aktien erzielten (gemessen am S&P 500 bzw. am Nikkei 225) jeweils Kursgewinne von etwa 3%. Dabei profitierte die Börse Tokio von einem schwächeren Yen, der gegenüber dem US-Dollar um 2,3% an Wert verlor, was exportorientierte Titel beflügelte. Zusätzlich gestützt wurde der Markt aber auch von umfangreichen Aktienrückkäufen namhafter Unternehmen.

Aktien aus Europa bzw. der Eurozone erzielten im Februar (gemessen am STOXX Europe 50 bzw. EURO STOXX 50) trotz rückläufiger Notierungen im britischen FTSE 100 Index Zugewinne von 4,6% bzw. 4,4%. Dabei wurden Bankaktien der Eurozone durch die Pläne der EZB für neue langfristige Refinanzierungsmaßnahmen gestützt. Derweil verlief die Berichtssaison mit moderaten Gewinnsteigerungen eher durchwachsen, und auch die Prognosen der Geschäftsführungen für die kommenden Quartale fielen eher vorsichtig aus.

Abbildung 2: Die Börsen haben die Verluste aus dem vierten Quartal fast aufgeholt (Stand: 28. Februar 2019)

Zentralbanken agieren äußerst vorsichtig

Wie schon im Januar waren es vor allem die Erwartungen der Anleger an den künftigen Kurs der Notenbanken, die die Nachfrage nach Risikoassets in diesem Monat stützten. So machten die Währungshüter recht deutlich klar, dass sie bei der Straffung bzw. Normalisierung ihrer Geldpolitik nicht überstürzt handeln werden. Davon profitierten vor allem Aktien, die in der Folge eine unerwartet lange Rally erlebten. Für positive Impulse sorgte dabei vor allem die US-Notenbank (Fed) mit der Ankündigung, sie werde eine Inflationsrate oberhalb ihres Zielwertes für eine gewisse Zeit tolerieren (oder sogar anstreben). Die Leitzinsen, die sich nun etwa auf dem als neutral geltenden Niveau befinden, will die Fed vorerst nicht weiter anheben. Damit machte sie deutlich, dass sie aufgrund des mittlerweile relativ unsicheren internationalen Wirtschaftsausblicks auf jeden Fall vorsichtig agieren und eine Pause im Zinsstraffungszyklus einlegen will.

In diesem Umfeld stieg der Break-even-Punkt von inflationsindexierten Anleihen von 1,7% zum Jahresbeginn bis Ende Februar auf 1,95%. Mehrere Mitglieder der Fed warnten zugleich vor den Risiken einer zu niedrigen Inflationserwartung. Notenbankchef Jerome Powell wies vor dem Kongress am 26. Februar darauf hin, dass die erwartete Inflation die Haupttriebkraft für die tatsächliche Inflation sei. Die Hypothese, dass die Fed eine Teuerungsrate, die nachhaltig die Zielmarke von 2% übersteigt, tolerieren will, um die letzten Jahre mit niedrigerer Inflation „auszugleichen“, erklärt die Entwicklungen der letzten Wochen bei inflationsgeschützten US-Anleihen (TIPS).

Abbildung 3: Steigende Inflationserwartungen in den USA

Auch wenn sich das globale Wirtschaftsumfeld beileibe nicht verbessert hat, gibt es keinerlei Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Rezession. Der breite Konsens geht jedoch mittlerweile durchaus davon aus, dass sich das Konjunkturwachstum verlangsamt. Tatsächlich ergaben die jüngsten Daten ein durchwachsenes Bild: Während das amerikanische BIP-Wachstum im vierten Quartal überraschend hoch ausfiel, verzeichnete Deutschland ein stagnierendes, Großbritannien und die Eurozone ein schwaches und Italien sogar ein rückläufiges Wachstum. Die Anleger scheinen die Risiken inzwischen geringer einzuschätzen und werten offenbar bereits das Ausbleiben schlechter Nachrichten, wie es beispielsweise auf politischer Ebene zuletzt der Fall war, positiv.

In der Eurozone rechtfertigt im Moment die niedrige Inflation (Januarwert: 1,4% im gleitenden Jahresdurchschnitt und 1,1% für den zugrunde liegenden Index) die abwartende Haltung der EZB. Gleichzeitig lassen die aktuellen Daten nach einem BIP-Wachstum von lediglich 0,2% im vierten Quartal – mit einem stagnierenden bzw. rückläufigen Wachstum in Deutschland und Italien – keine wesentliche Verbesserung erkennen. Zudem stieg der PMI-Composite-Index, der die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungs- und verarbeitenden Gewerbe misst, vorläufigen Schätzungen zufolge lediglich moderat auf 51,4 Punkte – ein Niveau, das ein schwaches BIP-Wachstum erwarten lässt. In Reaktion auf die eher schwachen Daten gab die EZB zu verstehen, dass sie eine neue Serie langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) in Erwägung zieht.

So weit, so gut

Ob der Optimismus an den Börsen anhält oder die Anleger wieder vorsichtiger werden, ist derzeit schwer zu sagen. Während Aktien und andere Risikoassets im Februar weitere Zugewinne verzeichneten, erwarten die Anleger zunehmend eine Pause bei der geldpolitischen Normalisierung – was mit einer optimistischen Einschätzung für die Konjunktur unvereinbar scheint.

Die Börsenrally im Februar war zweifellos vor allem den marktfreundlichen Signalen der Notenbanken, insbesondere der Fed, zu verdanken. Wenn die Zentralbank eine Inflation über dem Zielwert toleriert (oder sogar anstrebt), profitieren davon vor allem Risikoassets. Indem die Währungshüter nun versuchen, dem selbst gesteckten Zielwert, der jahrelang unterschritten wurde, neue Glaubwürdigkeit zu verschaffen, gibt sie zwischen den Zeilen zu verstehen, dass sie sich nun vor allem auf das Wachstum fokussieren will. Derweil erwägt die EZB weitere langfristige Refinanzierungsgeschäfte, da der Konjunkturmotor in den Ländern der Währungsunion nach wie vor stottert. Nicht zuletzt befinden sich die Zehnjahreszinsen in Japan seit Anfang Februar in negativem Terrain, und die BoJ räumt ein, dass das Inflationsziel im Geschäftsjahr zum 31. März 2021 voraussichtlich nicht erreicht werden wird.

Bei aller Euphorie, die die großen Zentralbanken derzeit befeuern, sollten die Anleger nicht vergessen, dass die Wirtschaftsindikatoren nach wie vor enttäuschend ausfallen und auf eine globale Wachstumsverlangsamung hindeuten – auch wenn größere Schocks derzeit nicht in Sicht sind.

Derweil lassen die konstruktiveren Gespräche zwischen den USA und China tatsächlich eine Entspannung im Handelsstreit erwarten. Zugleich sorgen die jüngsten Entwicklungen bei den Brexit-Verhandlungen offenbar für Optimismus bei den Anlegern. Dennoch sind in beiden Fällen die weiteren Entwicklungen schwer abzuschätzen – und neue Turbulenzen durchaus denkbar.

Die Rally an den Aktienmärkten setzte sich im Februar in einem moderateren Tempo fort, sodass die Notierungen nun wieder so hoch sind wie zuletzt Anfang Oktober. Sollten sich die vielen Hoffnungen, die die Börsen in den letzten beiden Monaten befeuert haben, nicht erfüllen, könnte die Rally schnell ins Stocken geraten.


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Nathalie Benatia

Macroeconomic Content Manager

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