Hoffen auf eine weniger straffe Geldpolitik Janet Yellen lenkt Aufmerksamkeit auf Inflation

Post with image

Allgemein war erwartet worden, dass Janet Yellen bei ihrem Auftritt vor dem amerikanischen Kongress eine weiterhin straffe Geldpolitik propagieren würde – ähnlich wie schon letzte Woche, als sie die niedrigen Inflationszahlen zu ignorieren schien und eine weitere Normalisierung der Geldpolitik signalisierte. Doch dann überraschte sie mit deutlich milderen Äußerungen: Sie gab zu, dass die Inflation das 2%-Ziel der Fed nicht erreicht habe und dass dies vielleicht noch nicht alles sei. Im fünften Beige Book – einer regionalen Konjunkturerhebung der Fed – verwies die Notenbank darauf, dass die Löhne nur „leicht bis moderat“ stiegen. Eine nachhaltige Teuerung hat meist viel mit Lohndruck zu tun. Im Beige Book wurde aber auch der zunehmend engere Arbeitsmarkt erwähnt, insbesondere in den Sektoren Bau und IT. Die Arbeitslosenquote liegt mit 4,4% nur noch knapp über ihrem 16-Jahres-Tief. In den USA herrscht Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

Abbildung 1: Kerninflation (% YoY)

YellenQuelle: Eurostat, ONS, BEA, BNP Paribas Asset Management, Stand 17.07.2017

Das Inflationsziel ist noch immer wichtig – zumindest für die Fed

Yellens Rede stand im Widerspruch zu den jüngsten Diskussionen auf dem European Central Bankers Forum in Sintra, Portugal. Eine wichtige Erkenntnis aus dem EZB-Forum war, dass man die offiziellen Inflationsziele ignoriert und sich stattdessen mehr auf die steigenden Assetpreise konzentriert. Mit Yellens Rede rücken die traditionellen Inflationsziele wieder in den Vordergrund. Ihre milden Äußerungen lassen sich aber auch dahingehend interpretieren, dass sie eine Situation wie den Anleihenausverkauf in Europa vermeiden wollte, der gemeinhin auf eine schlechte Kommunikation von EZB-Präsident Draghi zurückgeführt wurde. Die EZB war später aufgefordert, Draghis Aussagen zu relativieren. Yellen äußerte sich zwar zurückhaltend zur Inflation, betonte aber auch die Entschlossenheit der Fed, die Geldpolitik zu normalisieren und die während der Finanzkrise durch Quantitative Easing aufgeblähte Notenbankbilanzsumme ab diesem Jahr zu verringern.

Abbildung 2: US-Verbraucherpreisindex (CPI) (%YoY)

YellenQuelle: BLS, BNP Paribas Asset Management, Stand 17.07.2017

US-Inflation überraschend niedrig

Die jüngsten US-Inflationsdaten bestätigten Yellens Sorgen und enttäuschten erneut. Im Juni betrug die Kerninflation 1,7% (im Vorjahresvergleich). Der Abwärtstrend seit dem Höchststand von 2,3% im Februar hielt also an. Außer im Januar war der Kerninflations-Überraschungsindex– der die Differenz zwischen Umfragedaten und offiziellen Inflationszahlen misst – seit letztem August nicht mehr positiv gewesen.


Verfasst am 17.07.2017 von Colin Harte

Schreiben Sie einen Kommentar

Your email adress will not be published. Required fields are marked*