Schwache Industrieproduktion im November : schlechte Aussichten für das BIP?

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Die in der letzten Woche veröffentlichte Industrieproduktion im November war eine große Enttäuschung und schwächer als erwartet.  Nach wie vor überlagern verschiedene Störfaktoren das eigentlich hohe Wachstum. Klar ist aber, dass viele Sektoren Schwäche zeigten. Zweifellos wird der Rückgang der Industrieproduktion im November das Wachstum im 4. Quartal belastet haben. Mit 0,4% BIP-Wachstum erscheinen die Dezemberprognosen der EZB optimistisch.

In Deutschland ging die Industrieproduktion im November um 2% gegenüber Oktober zurück. Eine technische Rezession in der Fertigungsindustrie, also zwei rückläufige Quartale in Folge, ist deshalb sehr wahrscheinlich. Verantwortlich für die schlechten Zahlen sind zahlreiche Störfaktoren:

  • Der Produktionsrückgang aufgrund des schwierigen Wechsels zu einem neuen Testverfahren in der Autoindustrie, der Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure (WLTP)
  • Die Transportbehinderungen und die damit verbundene geringere Wirtschaftsaktivität durch das Niedrigwasser des Rheins
  • Ein Feiertag an einem Donnerstag im November, sodass sich viele Arbeitnehmer einen Brückentag nahmen
  • Die plötzliche Schwäche im bislang stabil wachsenden Pharmasektor, der vielleicht nicht wieder zu alter Stärke zurückfinden wird.

Aber all das reicht wohl nicht, um den generellen Einbruch der Industrieproduktion zu erklären.

Betrachten wir daher einen der Störfaktoren genauer: die Schwäche des Automobilsektors. In den letzten Wochen haben wir unsere Erklärungen für die Schwäche der letzten Wochen allmählich revidiert – die These von den vorübergehenden Angebotsfaktoren ebenso wie die von den möglicherweise dauerhaften Nachfragefaktoren. Die üblichen vorlaufenden Zahlen des VDA aus dem November zeichnen ein recht genaues – und enttäuschendes – Bild von den Veränderungen der Automobilproduktion gegenüber dem Vormonat.

Auch die VDA-Zahlen für den Dezember sind nicht überzeugend. Die Auftragszahlen sind besser. Sie sind gegenüber dem Vormonat um 4% gestiegen, sodass die Hoffnung auf eine Erholung im 1. Quartal 2019 besteht. Aber diese Hoffnung muss im Kontext betrachtet werden: Außerhalb des Automobilsektors war die Auftragslage schwach.

Wie sah es in den anderen Ländern aus? Die französische Industrieproduktion ist im November um 1,3% zurückgegangen und machte damit den 1,3-prozentigen Anstieg im Vormonat zunichte. Das Problem in Frankreich ist bekannt: die Gelbwesten. Die Proteste waren einer der Gründe für den mehr als 10-prozentigen Rückgang im Energiesektor im November. Er belastete das Wachstum zusätzlich.  Die Folgen der Gelbwestenproteste waren auch in anderen Bereichen zu spüren, vor allem in Einzelhandel. Also dürfte das Wachstum im 4. Quartal auch in Frankreich eher schwach sein.

In Großbritannien und Italien war die Industrieproduktion im November ebenfalls rückläufig. In Großbritannien sorgten aber der starke Dienstleistungssektor und der enorme Anstieg der Aktivität im Bausektor im November für ein ordentliches BIP-Wachstum von 0,2%. Tatsächlich entwickelt sich die britische Wirtschaft unter den gegebenen Umständen recht gut. Weniger klar ist aber, ob Italien einen weiteren Wachstumseinbruch im 4. Quartal vermeiden kann. Wenn nicht, könnte es wieder zu Problemen mit Brüssel kommen.

Soweit zur Industrieproduktion im letzten Jahr. Wie steht es um das aktuelle Wachstum? Noch immer gibt es Störfaktoren. Einerseits dürfte die Erholung der Automobilproduktion das Wachstum im 1. Quartal beflügeln. Andererseits wird schlechtes Wetter die Wirtschaft vermutlich belasten. Aber wir sollten nicht aus den Augen verlieren, dass niedrigere Ölpreise und eine etwas lockerere Fiskalpolitik in Deutschland, Frankreich und Italien für höhere Ausgaben in diesem Jahr sorgen dürften. Und die fundamentalen Faktoren der Binnennachfrage erscheinen noch immer gut. Dennoch machen uns diese Zahlen Sorgen.


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