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Aktuellste Informationen zum Emissionshandel und dem starken Interesse an Anlagen in Offshore-Windparks

Der Aufschlag auf die Preise für Kohlenstoff im Emissionshandelssystem der EU, dem so genannten ETS-Markt, läutet eine Phase ein, die anzeigt, dass die Entkarbonisierung des Energiesektors ernsthaft begonnen hat und dass der nächste Schritt die Reduzierung der CO2-Emissionen der Industrie sein wird, um die die EU ihrem für 2050 festgelegten Nullemissionsziel näher zu bringen.

Die Preise der Emissionszertifikate im ETS, dem größten, liquidesten Kohlenstoffmarkt der Welt, steigen, seitdem die EU Mitte 2020 ihr Null-Netto-Ziel ankündigte, das mit einem rechtsverbindlichen Entkarbonisierungsziel für Mitgliedstaaten bis zum Sommer verbunden ist.

Der Preis ist seit Jahresbeginn um mehr als 30 % gestiegen und erreichte kürzlich ein Allzeithoch von rund 40 EUR pro Tonne, gefolgt von einer leichten Korrektur. Je höher der Preis der Emissionszertifikate ist, umso größer ist für die Emittenten der Anreiz zur „Entkarbonisierung“ durch Umstellung auf alternative erneuerbare Energien.

Die Festsetzung eines Preises für die Kosten, die mit CO2-Emissionen in die Atmosphäre verbunden sind, ist das wichtigste politische Instrument der EU, um ihr Netto-Null-Ziel zu erreichen. Der ETS-Markt umfasst rund 50 % aller Emissionen in der EU.

Er kann als Marktmechanismus betrachtet werden, der die Emittenten motivieren will, ihre Ressourcen möglichst effizient umzudisponieren, in anderen Worten, zu saubereren Technologien und Produkten überzugehen, die ohne Produktionsmethoden auskommen, bei denen Kosten für das emittierte CO2 anfallen.

Ein neues Modell für die Kohlenstoffpreise?

Wir denken, dass der Kohlenstoffmarkt derzeit ein neues Modell sucht, da sich die Preise auf wesentlich höheren Niveaus einpendeln, was ein Anreiz für die Verwendung von grünem Wasserstoff ist, der mit Hilfe von erneuerbarem Strom erzeugt wird. Diese Energiequelle gilt für die EU als der Schlüssel zum Erreichen ihres Netto-Null-Ziels.

Gleichzeitig bemüht sich die EU sicherzustellen, dass durch ihre Bemühungen zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen, einschließlich des Kohlenstoffpreises, nicht die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrie im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen geschwächt wird.

In diesem Zusammenhang untersucht die EU Möglichkeiten, Spekulationen von Finanzanlegern in den Kohlenstoffmarkt einzuschränken und prüft gleichzeitig, wie Importe aus Ländern ohne Kohlenstoffpreis-System an der Grenze mit einer Steuer belegt werden könnten, um faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten.

Offshore-Windenergie – höherer Gewinn oder höherer Einsatz?

Beginnt eine neue Phase auch bei Ausschreibungen für Offshore-Windkapazitäten und somit bei den Kosten (der Energiewende) für Verbraucher und den Renditen, die die Anleger erzielen können?

Die jüngste Auktion von Entwicklungsrechten für Offshore-Windkraftanlagen – vor den Küsten von England und Wales – hat einen Prozess in Gang gesetzt, den man aufmerksam beobachten sollte. Zum ersten Mal wurde das Recht versteigert, 60 Jahre lang den Meeresgrund zu nutzen, für eine eine Jahresgebühr von insgesamt 880 Mio. GBP. [1]

Diese zusätzlichen Einnahmen kommen dem Verkäufer – der britischen Regierung – zwar zugute, aber die Mehrkosten für die Nutzungsgebühr müssen letztendlich die Stromverbraucher, der Projektentwickler oder die Ausrüstungslieferanten für Offshore-Windparks (oder alle drei) zahlen. Das könnte den durchschnittlichen Strompreis um rund 25 % steigen lassen bzw. die Rendite des Entwicklers fast halbieren.

Das Vereinigte Königreich ist derzeit der größte und dynamischste Offshore-Windmarkt weltweit: eine Windleistung von 10 Gigawatt (GW) ist bereits in Betrieb, und weitere 29 GW befinden sich im Bau oder sind geplant. Dort (genauer gesagt in Glasgow) soll dieses Jahr auch die COP26 stattfinden, die wichtigste UN-Klimakonferenz seit der Konferenz in Paris im Jahr 2015. Die Entwicklungen an diesem Markt werden daher aufmerksam mitverfolgt.

Mit den Kosten für die Entwickler steigt auch die Skepsis der Anleger

Sollte der Druck auf die Renditen zur Regel werden, könnte er die Kosten für den Übergang von fossiler zu erneuerbarer Energie auf dem Großhandelsmarkt in die Höhe treiben. Die Zusatzkosten für die Nutzung des Meeresgrunds hätten schwerwiegende Folgen für die Wirtschaftlichkeit von Offshore-Windenergie im Vergleich zu Gasturbinenkraftwerken (GTKW). Auch der Übergang von Gas zu Strom am Einzelhandelsmarkt wäre betroffen. Beide Veränderungen sind wichtige Säulen der Strategien für Kohlenstoff-Emissionsfreiheit innerhalb der nächsten 30-40 Jahre.

Man kann sich fragen, ob angesichts der Auktion für die Nutzung des Meeresgrunds die aktuellen Marktführer des Offshore-Windenergiesektors – Versorger – neue Projekte hinzugewinnen können, ohne dabei an Rentabilität einbüßen zu müssen.

Wachsamkeit ist geboten

In diesem Zusammenhang werden auch Probleme bezüglich der Fähigkeit der „Big Oil“ deutlich, trotz des Übergangs zu grüner Energie akzeptable Renditeniveaus zu wahren. Eine Big Oil gehörte zu dem Konsortium, das den Zuschlag erhielt. Offensichtlich war es entschlossen, einen hohen Aufschlag zu zahlen, um auf dem Markt für Offshore-Windenergie Fuß zu fassen. Dieses Beispiel könnte Schule machen und zukünftige Bieter zwingen, genauso ehrgeizig zu sein.

Das augenscheinliche Interesse der Big Oil beginnt zu einem Zeitpunkt, zu dem der Druck auf die großen Ölgesellschaften zunimmt, sich von der Gewinnung und Produktion fossiler Brennstoffe abzuwenden und ihre Geschäftsmodelle zu ändern.

Der hohe Preis ebnete letztendlich möglichen Kompromissen zwischen der Notwendigkeit von Einnahmen für die Regierung, erschwinglichen Verbraucherpreisen und interessanten Renditen für Investoren den Weg.

Die Investoren müssen beobachten, ob andere Regierungen dem Beispiel folgen und sich die Nutzung des Meeresgrunds ebenfalls bezahlen lassen werden. Die Regierungen könnten versucht sein, diesen Mitnahmeeffekt zu nutzen, während die Investoren bei den Unternehmen darauf bestehen müssen, dass sie die angestrebten Renditeraten auch wirklich erzielen und Kapitaldisziplin zeigen.

Hören Sie auch den Podcast mit Mark Lewis


[1] Siehe Offshore Wind Leasing Round 4 signals major vote of confidence in the UK’s green economy https://www.thecrownestate.co.uk/en-gb/media-and-insights/news/2021-offshore-wind-leasing-round-4-signals-major-vote-of-confidence-in-the-uk-s-green-economy/


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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