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Die Märkte wurden im Mai von Handelsspannungen bestimmt

Trotz recht ermutigender Indikatoren, die ein solides US-Wachstum und eine widerstandsfähige Konjunktur in Europa und China bestätigen, fokussierten sich die Anleger auf die plötzlichen Wendungen im Sino-US Handelskonflikt.
  • Aktien fallen stark; Schwellenländer entwickeln sich unterdurchschnittlich
  • Staatsanleihen profitieren von der Flucht in die Sicherheit...
  • ... mit Ausnahme der italienischen Anleihen, die von den erneuten Spannungen zwischen Rom und Brüssel betroffen sind

Bereits am 5. Mai hat ein Tweet von Donald Trump den Handelsstreit mit China wiederbelebt, gerade als die Verhandlungen über ein Abkommen bereits Fortschritte machten. Der US-Präsident kündigte an, dass die Zölle auf Importe aus China im Wert von 200 Mrd. USD bis zum 10. Mai ohne eine Vereinbarung auf 25% angehoben werden würden. Eine Einigung wurde nicht erzielt und die Zölle stiegen entsprechend. Außerdem drohte er, bis Mitte Juni einen Zollsatz von 25% auf Produkte im Wert von 325 Mrd. USD einzuführen, die zuvor nicht ins Visier genommen worden waren. China reagierte darauf, indem es ab dem 1. Juni höhere Zölle auf US-Waren im Wert von 60 Mrd. USD, einschließlich Agrarprodukten, ankündigte. Zeitgleich verschob Washington die Entscheidung über eine Steuer auf Autos aus der EU um sechs Monate und erzielte mit Kanada eine Einigung über die Abschaffung der Zölle auf Stahl und Aluminium. Dies hatte die Hoffnungen der Anleger geweckt, ebenso wie die zuerst wahrgenommenen und später doch nicht eigetretenen Fortschritte im Handelsabkommen mit China Die Beziehungen verschlechterten sich zunehmend, als China andeutete, die Rare-earth-element-Exporte in die USA zu regulieren. Die Markstimmung sank, nachdem die USA am 10. Juni eine Steuer von 5% auf alle Produkte aus Mexiko angekündigt hatten und erklärten, diese Zölle würden schrittweise steigen, solange die illegale Einwanderung anhält. Angesichts der frischen Handelsbeziehungen und Entscheidungen zwischen Mexiko und den USA, sanken die Aktienmärkte weltweit, wogegen Staatsanleihen als sichere Häfen erschienen und dementsprechend stiegen. Die USA, die ihre Handelspolitik nun an die Einwanderung koppeln, deuten darauf hin, dass Protektionismus vor allem für innenpolitische Zwecke genutzt wird, während sich die Trump-Administration für die Präsidentschaftswahlen 2020 in den Wahlkampf-Modus begibt. Abbildung 1: Die Flucht vor Aktien, die Suche nach Anleihen  

Aktienmärkte fallen flächendeckend

Der MSCI AC World Index (in USD) verlor 6,2%, während Aktien aus Schwellenländern zurückblieben (-7,5% für den MSCI Emerging Markets Index in USD), vor allem in Asien. In den wichtigsten Industrieländern verzeichnete Japan den größten Rückgang. Aktien von Exportunternehmen litten unter den Zweifeln am globalen Wachstum und der Wertsteigerung des Yen (+2,5% gegenüber dem US-Dollar) vor dem Hintergrund seines Status als "sichere" Währung. Der Nikkei 225 Index fiel um 7,5%. Die Märkte in Europa und den USA entwickelten sich ähnlich: Der Eurostoxx 50 fiel um 6,7% und der S & P 500 um 6,6%. In den USA waren zyklische Sektoren (Informationstechnologie, Industrie, zyklische Konsumgüter) wegen der Wachstumssorgen im Zusammenhang mit den Handelsspannungen nicht besonders beliebt. Aufgrund des gesunkenen Ölpreises war der Energiesektor der größte Verlierer. Der WTI (-16,3%) beendete den Monat unter 54 USD je Barrel und erreichte damit seinen tiefsten Stand seit Mitte Februar, trotz geopolitischer Spannungen, des Produktionsrückgangs im Iran und in Venezuela und der Einhaltung der Produktionsquoten durch die OPEC. Die Sorgen um das weltweite Wachstum belasteten Rohöl, das ebenfalls unter einem unerwarteten Anstieg der US-Ölvorräte litt. In der Eurozone gaben die Banken aufgrund der erneuten Besorgnis über die Lage in Italien und der Aussichten für die BTP-Renditen (italienische Staatsanleihen) deutlich nach.

Deutsche Bundesanleihen profitieren

Im Zuge der Flucht in Sicherheit fiel die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von ihrem Tiefstand im Juli 2016 auf -0,20% am 31. Mai. Dieser Rückgang um 16 Bp. (und um 50 Bp. seit Ende 2018) war bei den meisten Staatsanleihen seit Ende April zu beobachten. Wachstumssorgen, die schwache Inflation und die Erwartung von Leitzinssenkungen durch die Fed und die EZB erklären den starken Rückgang der langfristigen Zinsen seit Jahresbeginn. Im Mai wurde dieser Trend durch den allgemeinen Rückgang der Aktien vor dem Hintergrund der erneuten Handelsspannungen und im Hinblick auf die Renditen von Bundesanleihen durch die Besorgnis über die italienischen Staatsfinanzen verstärkt. Die Rendite der 10-jährigen BTP erreichte mit 2,75% den höchsten Stand seit Ende Februar. Der Spread gegenüber der Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen weitete sich gegen Monatsende auf den höchsten Stand seit Dezember 2018 aus. Der Wahlkampf zum Europaparlament hatte bereits zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der italienischen Koalitionsregierung geführt, und der Sieg der Partei von Matteo Salvini hat die Spannungen mit der Europäischen Kommission wiederbelebt. Tatsächlich deutete der „Tabellenführer“ an, er wolle einen "Haushaltsschock" zur Ankurbelung der Wirtschaft, indem er eine "Einheitssteuer"(eines seiner Wahlversprechen) einführt. Zudem lehnt er EU-Vorschriften zu Schulden und strukturellen Haushaltsdefiziten ab, da er sie als „überholt“ betrachtet. Gleichzeitig ist die Europäische Kommission über die Drift der italienischen Staatsfinanzen (mit einer Verschuldung von 132,2% des BIP im Jahr 2018) besorgt und erwägt die Einleitung eines Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit. Die Anleger lösten sich von italienischen Anleihen für den spanischen und portugiesischen Markt, wo die 10-Jahres-Rendite zum Monatsende bei 0,72% bzw. 0,81% lag, was einem Rückgang von etwa 30 Bp. gegenüber Ende April für jeden der beiden Zinssätze entspricht, während die italienischen 10-Jahres-Renditen um 11 Bp. stiegen und den Monat bei 2,67% beendeten. Abbildung 2: Neues Allzeittief für die 10-jährige Bundesanleihe  

Es wäre sinnvoll, sich auf andere Themen als nur den Handelskonflikt zu konzentrieren, auch wenn es schwerfällt

Nach vier Monaten der Kursgewinne an den Aktienmärkten spiegelte der Ausgleich im Mai eine zunehmende Risikoaversion inmitten der erneuten Handelsspannungen wider. Es scheint unmöglich, vorherzusagen, was als Nächstes passieren wird. Auf der einen Seite wird immer deutlicher, dass innenpolitische Überlegungen die Erklärungen und Entscheidungen der USA und Chinas dominieren. Auf der anderen Seite werden die Finanzmärkte die handelspolitischen Entwicklungen genau beobachten und sich, je nachdem, wie die Anleger die Risiken wahrnehmen, bewegen. Darüber hinaus könnte der starke Rückgang der Aktien an sich die US-amerikanischen und chinesischen Behörden dazu veranlassen, ihren Standpunkt zu ändern... In diesem Zusammenhang lässt uns ein Blick auf die Grundsätze glauben, dass der jüngste Abverkauf übertrieben war. Obwohl die Konjunkturdaten recht volatil sind, zeigen sie, dass die Wirtschaftslage in den USA solide ist und sich in der Eurozone verbessert. Die mäßige Inflation dürfte es den Zentralbanken ermöglichen, ihre akkommodierende Geldpolitik beizubehalten. Die Risiken und Unsicherheiten sind in letzter Zeit tendenziell wieder gestiegen, was reaktive taktische Allokationen und eine robuste Portfoliokonstruktion erforderte, die teilweise ungünstigere Szenarien verursachten.
Weitere Artikel von Nathalie Benatia, finden Sie hier>

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