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Oliver Laplenie
2 Autoren · Märkte
15/03/2021 · 4 Minuten Lesezeit

Diversifizierung durch faktorbasiertes Investieren in Unternehmensanleihen

Die Allokationen in faktorbasierte Unternehmensanleihe-Strategien nehmen stetig zu. Sie stecken voller Vorteile, wie jüngste Untersuchungen ergeben haben.

Im Gegensatz zu traditionellen Investitionen in Anleihen, die sich oft auf die aktive Verwaltung der Zinssensitivität (Duration), des Kreditrisikos und des Währungsexposures konzentrieren, werden beim faktorbasierten Investieren Wertpapiere ausschließlich auf der Basis bestimmter Eigenschaften ausgewählt. Diese "Faktoren" erklären nachweislich die Performance von Anlagen im Laufe der Zeit.

In anderen Worten sollen faktorbasierte Strategien unabhängig von der Entwicklung der Zinssätze oder Unternehmensanleihemärkte eine Performance erzielen, anstatt die Positionen in Abhängigkeit von der erwarteten Marktentwicklung auszuwählen.

Ziel ist es, Anleihen zu selektieren, die gegenüber ähnlichen Titeln eine Outperformance erzielen werden. Wir sind davon überzeugt, dass diese nicht direktionale Sichtweise an den volatilen Märkten unserer Zeit Vorteile bietet. Sie kann dazu beitragen, Drawdowns bei starken Markteinbrüchen wie ungefähr vor einem Jahr in 2020 zu mindern.

Ein anderer Blickwinkel: Faktoren bei Anlagen in Unternehmensanleihen

Faktorbasiertes Investieren in Unternehmensanleihen ist etwas komplizierter als bei Aktien, wo dieser Ansatz bereits seit über einem Jahrzehnt verwendet wird. Die Faktoren tragen dieselben Namen – Value, Momentum, Low Risk und Quality – aber die Anleger sollten die Unterschiede zwischen Anlagen in Anleihen und Aktien berücksichtigen:

  • Was für Aktienanleger wichtig ist, kann für Anleiheanleger unbedeutend sein. Bei einem Leveraged Buyout können beispielsweise nach der Ankündigung die Aktien des Unternehmens steigen, während die höhere Schuldenlast dessen Anleihen beeinträchtigen kann.
  • Anleiheanleger machen sich Gedanken um die Fähigkeit von Emittenten, ihre Schulden zurückzuzahlen, während Aktienanleger nach Unternehmen suchen, die in der Lage sind, ihre Geschäftsaktivität auszubauen.
    • Zur Veranschaulichung: Bei Anlagen in Aktien ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis ein typischer Wertfaktor. Ziel ist es, durch den Vergleich des Aktienkurses mit dem Buchwert des Unternehmens unterbewertete Aktien zu identifizieren. Der Faktor würde Aktien mit niedrigem Kurs-Buchwert-Verhältnis kaufen, um von der Erholung unterbewerteter Aktien zu profitieren.
    • Bei Anlagen in Unternehmensanleihen ist das Gegenteil der Fall: Hier wird der Faktor verwendet, um Wertfallen zu vermeiden.
  • Bei Anlagen in Anleihen gibt es verschiedene Aspekte. Jedes Unternehmen kann über zahlreiche Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Merkmalen verfügen, die nicht mit denselben Risiken verbunden sind. Das Risiko einer Anleihe ändert sich im Laufe der Zeit aufgrund der abnehmenden Restlaufzeit. Bei der Portfoliokonstruktion sind daher verschiedene Risikodimensionen zu berücksichtigen: Kreditrisiko, Zinsrisiko und Zeit. Anstatt Anleihen global zu beurteilen, müssen sie auf lokaler Ebene bewertet werden, durch den Vergleich mit Emissionen, die über ähnliche Risikoaufschläge und Laufzeiten verfügen.
  • Anleihen bieten Anlegern nicht dasselbe Aufwärtspotenzial wie Aktien: Bei einer Anlage in eine Anleihe erhält man deren Rendite (= Kupon + Entwicklung des Anleihekurses). Für Anleiheanleger ist der Schutz des Kapitals wichtig: Der Fokus liegt darauf, Unternehmen zu meiden, die zahlungsunfähig oder heruntergestuft werden und aus den wichtigsten Anleihe-Benchmarks herausfallen könnten.

Durch die Verwendung von Faktoren bemühen wir uns, für Anlagen in Unternehmensanleihen möglichst die preisgünstigsten, rentabelsten und gut verwalteten Unternehmen auszuwählen, die über das geringste Risiko und das größte Momentum verfügen. Das leuchtet durchaus ein und ist eine erprobte Methode, um auf längere Sicht höhere risikobereinigte Renditen anzustreben.

Welche Vorteile ergeben sich für die Anleger?

Faktorbasiertes Investieren in Unternehmensanleihen erhöht die Diversifizierung von Portfolios.

Ein Multifaktor-Portfolio soll über dasselbe Risiko verfügen wie seine Benchmark, zeichnet sich aber tendenziell durch ein anderes – nicht direktionales – Risikoprofil aus. Es konzentriert sich nicht – wie die meisten traditionellen Strategien – auf die Umsetzung aktiver Ansichten bezüglich Duration, Renditekurvenpositionierung oder Sektorallokation.

Das hilft ein solches Portfolio bei plötzlich zunehmender Marktvolatilität – wie wir sie im Jahr 2020 beobachten konnten – widerstandsfähiger zu machen. Wir sind davon überzeugt, dass dies unsere Ansicht bekräftigt, dass Multifaktor-Anlagen typischerweise als strategische Kernanlagen dienen sollten.

Wie hoch sollte die Allokation eines Anlegers in ein derartiges Portfolio sein? In anderen Worten: Sind die Überrenditen von Multifaktor-Strategien eine effiziente Ergänzung für andere Überrenditen? Es gibt keine starke, strukturelle Korrelation zwischen den Überrenditen von Multifaktor-Strategien und den Überrenditen traditioneller Strategien. Wir denken daher, dass Multifaktor-Anlagen in der Tat eine gute Ergänzung sind, als robuster Diversifizierungsfaktor wirken und das Risiko-Renditeprofil im Vergleich zur Benchmark verbessern.

Um wirklich in den Genuss der Vorteile der Diversifizierung zu kommen, halten wir eine Allokation zwischen 30 % und 50 % in Multifaktor-Strategien für optimal. Das kann natürlich von einem Anleger zum anderen unterschiedlich sein, je nachdem, welche Anlagen bereits im Portfolio gehalten werden.

Wie sieht es mit der Berücksichtigung nichtfinanzieller Kriterien aus?

Nachhaltigkeit steht bei unserem Ansatz im Fokus. In der Praxis heißt das, dass wir die Emittenten mit schlechten Ratings in Bezug auf Umwelt, Soziales und Governance (ESG) ausschließen, weil wir davon überzeugt sind, dass das langfristige Risiko dieser Unternehmen höher ist, sowohl bezüglich der finanziellen Performance als auch der Reputation.

Neben einfachen Ausschlüssen nutzen wir nichtfinanzielle Kriterien, um Anleihen auszuwählen und ein Portfolio aufzubauen, dessen ESG-Rating insgesamt wesentlich besser ist als dasjenige der Benchmark und das über einen um 50 % geringeren CO2-Fußabdruck verfügt. Wir berücksichtigen bei unserer Beurteilung direkte CO2-Emissionen aus Quellen, die im Besitz des Unternehmens sind oder von diesem kontrolliert werden, sowie indirekte Emissionen aus der Erzeugung von Strom, Dampf, Heizung und Kühlung, die das Unternehmen kauft. Wir möchten messbare Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit haben.

Wir sind davon überzeugt, dass diese Umweltkriterien Multifaktor-Unternehmensanleihestrategien als Ergänzung traditionellerer Strategien, als strategische Kernallokation und zur Diversifizierung, die helfen kann, die Gesamtperformance zu verbessern, noch interessanter machen.



Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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