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Highlights Anlageallokation – Covid hält an

"Das Vertrauen in den Wachstumsausblick könnte auf kurze Sicht schwinden, vor allem wegen der jüngsten Schwäche in China, dem ‚Stagflationsrisiko‘ und der Berichtssaison, die durch Druck auf die Margen gekennzeichnet ist. Auf längere Sicht geben wir weiterhin Aktien den Vorzug vor Staatsanleihen, da das Wachstum zunimmt, der Inflationsdruck nachlässt und die Stützmaßnahmen der Zentralbanken nur langsam zurückgefahren werden.   


Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Auszug aus dem Monatsüberblick Anlageallokation – Covid hält an


Makroökonomisches Umfeld in den USA – Hemmende Einflussgrößen

Es wird klar, dass die Lieferengpässe und die Inflation länger anhalten dürften als erwartet. Wir rechnen damit, dass die Kerninflation (gemessen am Index für private Konsumausgaben) noch ein weiteres Jahr lang bis auf etwa 4,4 % steigen und dann im Jahr 2023 wieder auf 2 % zurückgehen dürfte.

Angesichts der höheren Preise könnten die Haushalte auf einen Teil ihrer Ersparnisse zurückgreifen, die sie während der Pandemie angesammelt haben.

Es steht zu erwarten, dass die US Federal Reserve im Dezember – im ‚Dot Plot‘ – ihre Zinserwartungen nach oben korrigiert und den Markt vorbereitet, so dass dieser nicht überrascht sein dürfte.

Makroökonomisches Umfeld in Europa – Positiver Ausblick, aber empfindlich

Europa reagiert empfindlicher auf die durch die Wiedereröffnung nach den Lockdowns hervorgerufenen Störungen als die USA. Der Anstieg der Erdgaspreise wirkt sich negativer aus, da es sich für Europa um eine wesentlich wichtigere Energiequelle handelt, und die Automobilindustrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, insbesondere in Deutschland.

Der Ausblick ist trotzdem nach wie vor positiv. Das Verbrauchervertrauen hielt den anhaltenden Sorgen wegen Covid und höheren Preisen stand. Der Anstieg der Energiepreise hat die Ausgaben bisher nicht beeinträchtigt. Angebots- und Energieprobleme dürften nachlassen, der europäische Rettungsfonds wird ausgezahlt, die Arbeitsmarktdynamik bleibt günstig, der Ersparnisüberschuss ist hoch und die gelockerten Reiseregeln dürften den Tourismus fördern.

Die Kerninflation nähert sich jetzt zum ersten Mal seit Langem dem EZB-Ziel. Unsere Berechnung der saisonbereinigten monatlichen Veränderungen der Komponenten der Kerninflation zeigt, dass der Druck nachlässt. Wir rechnen damit, dass die Kerninflation bis Ende nächsten Jahres auf unter 2 % zurückgehen dürfte. Die Aufwärtsrisiken umfassen unter anderem Anhebungen der Mindestlöhne, die durch die Lockerung der Anspannung in der Lieferkette ausgeglichen werden.

Makroökonomisches Umfeld in China – Peking als Retter?

China musste in der letzten Zeit mit zahlreichen Herausforderungen fertig werden: Hochverschuldete Immobilienentwickler, Covid-Ausbrüche, Überschwemmungen und jetzt die Stromengpässe.. Die Bemühungen der Regierung, das Angebot anzukurbeln und die Nachfrage zu dämpfen, haben jedoch zu einem starken Rückgang der Kohlepreise geführt. Diese könnten in den nächsten Wochen noch weiter fallen, da das Kohle- und Gasangebot durch die die höheren Importe weiter zunimmt.

Da sich das Wachstum in China verlangsamt, rechnen viele Beobachter mit neuen Maßnahmen der Regierung, um durch die Aufstockung der Kredite die Erholung zu fördern. Oft setzte in China etwa sechs Monate nach einem Kreditimpuls ein Wirtschaftswachstum ein.

Märkte und Zentralbanken

Unser mittelfristiger Ausblick ist optimistisch: Solides Wachstum, mäßiger Inflationsdruck und lockere Geldpolitik. Auf kurze Sicht haben wir Bedenken, dass das Vertrauen in den Wachstumsausblick nachlassen könnte, besonders aufgrund der Schwäche in China. Stagflation bleibt in der Tat eine der Hauptsorgen für die Anleger.

Da die Märkte die Neuigkeiten zur Inflation inzwischen verkraftet haben und sich die Sorgen um die Immobilienentwickler in China gelegt haben , stehen nun die Gewinne im Mittelpunkt. Die gemeldeten Ergebnisse sind trotz Sorgen um Druck auf die Margen überraschend hoch. Während Lieferengpässe und Arbeitskräftemangel den CEOs Sorgen bereiteten, hat die Fähigkeit vieler Unternehmen, Preiserhöhungen weiterzugeben, bisher dazu beigetragen, die Margen zu halten.

Die Renditen von US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit steigen unterdessen weiter, was neben der höheren US-Kerninflation fast ausschließlich auf die Inflationserwartungen zurückzuführen war. Der Markt geht zunehmend davon aus, dass die Inflation über längere Zeit hoch bleiben wird, da Covid weiterhin Störungen auslöst, die Energiepreise steigen und alles darauf hindeutet, dass sich die Mietinflation in den USA beschleunigen dürfte.

Die Märkte haben jetzt andere Erwartungen an die Zinsschritte der Zentralbanken. Man geht inzwischen davon aus, dass die US Federal Reserve ihre Zinsen häufiger erhöhen dürfte – zweimal bis Ende 2022. Auch die Erwartungen an die Geldpolitik der EZB ändern sich in einem Markt, der das Narrativ der vorübergehenden Inflation mit immer größerer Skepsis sieht.
Wir rechnen damit, dass die EZB versuchen wird, diese Überzeugung zu entkräften. Sie dürfte hierzu betonen, dass sie damit rechnet, dass die Zinsen bis mindestens Ende 2022 unverändert bleiben oder zurückgehen. Die Zentralbank  sollte hervorheben, dass Zinserhöhungen in den Jahren 2022 und 2023 unwahrscheinlich sind, denn andernfalls könnten die Märkte davon ausgehen, dass die Zinsen später angehoben werden. 

Anlageallokation  

  • Wir haben in Aktien investiert: Wir glauben, dass die mittelfristigen Aussichten  dank einer soliden Wirtschaft und eines starken Gewinnwachstums gut sind. Darüber hinaus sind Aktien im Vergleich zu Anleihen trotz ihrer hohen Multiplikatoren nach wie vor attraktiv.
  • Wir haben unsere Long-Position in US- und japanischen Aktien  beibehalten. In der Eurozone haben wir Small Caps aus der EWU übergewichtet, denen ihr hohes Beta und die interessanteren Bewertungen im Vergleich zu Large Caps zugute kommen dürften. Unsere Übergewichtung der europäischen Banken haben wir reduziert. Die Ergebnisse der Banken dürften von dem erwarteten Anstieg der langfristigen Renditen profitieren. Auch die Gewinnrevisionen und ihre relativen Bewertungen  sind ebenfalls förderlich. 
  • Aufgrund der zahlreichen Herausforderungen, denen sich Aktien – besonders in China – gegenübersehen, rotierten wir unsere übergewichtete Position in Schwellenländeraktien in US-Aktien.
  • Wir haben US Small-Caps gegenüber US-Aktien übergewichtet, denn eine Erholung der Konjunkturdynamik, die Rückkehr des Reflation Trade oder eine steilere Renditekurve könnten jeweils Treiber für diese Aktienkategorie sein, deren Bewertungen ohnehin bereits interessant sind.
  • Die Untergewichtung der Duration ist angesichts des positiven Konjunkturausblicks, der aktuell niedrigen Renditen und des Ausblicks auf eine Normalisierung der Geldpolitik eine strategische Position.
  • Wir schlossen unsere Short Position in EWU-Staatsanleihen, da sich die Renditen unserem Zielwert näherten.  

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Verwahrung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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