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Monatsüberblick Asset-Allokation – Ebbe und Flut

Die steigenden US-Zinsen, die mit höheren Realrenditen und Inflationserwartungen einhergehen, zeigen das stärkere Wachstum und die Probleme auf der Angebotsseite.


Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Auszug aus dem Monatsüberblick Asset-Allokation für April


Die schwankenden US-Realzinsen und Inflationserwartungen sowie die zukünftige Höhe der Leitzinsen bleiben die wichtigsten Antriebsfaktoren für die Anlagerenditen weltweit.

So spiegelten die Renditen von Schwellenländeranleihen in Lokalwährung und die relative Performance der Substanzwerte gegenüber den Wachstumswerten weitgehend die US-Renditen wider.

Die Renditen der Staatsanleihen der Eurozone sind dagegen während des Ausverkaufs im Februar dank des energischeren Vorgehens der Europäischen Zentralbank zurückgegangen.

Die Dynamik hinter dem Zinsanstieg ändert sich

Im März stiegen die US-Zinsen zwar weiter, allerdings langsamer als zuvor. Auch der Einfluss der einzelnen Segmente war unterschiedlich: Die zehnjährigen US-Staatsanleihen stiegen – ähnlich wie im Februar – um weitere 34 Basispunkte (Bp). Auch das vom Markt prognostizierte zukünftige Niveau der Federal Funds Rate stieg.

Die Marktdynamik veränderte sich insbesondere wegen des veränderten Einflusses der Realrenditen und der Inflationserwartungen. Im Februar war der Anstieg der nominalen Fünf- und Zehnjahresrendite überwiegend höheren Realrenditen zu verdanken, während im März die Inflationserwartungen den größten Beitrag leisteten (siehe Diagramm 1).

Kein Ende des deflationären Trends am Markt abzusehen

Die Marktentwicklungen entsprechen nicht unbedingt immer den Wünschen der US Federal Reserve (Fed).

Einerseits gab die Fed zu verstehen, dass ihr die steigenden Marktrenditen keine Sorgen bereiten, da sie willkommene Aussichten auf stärkeres Wachstum und höhere Inflation zeigen. Die erwartete fünfjährige Inflationsrate ist auf 2,4 % gestiegen. Sie erreicht damit zwar ihren höchsten Stand seit 2018, liegt aber immer noch unter dem Niveau von vor der globalen Finanzkrise (näher an 3 %). Damals erreichte die Fed zum letzten Mal ihr Inflationsziel von 2 %, gemessen an der Kernrate der privaten Konsumausgaben.

Der Markt rechnet im nächsten Jahr mit einer wesentlich höheren Inflation, da der Lockdown der US-Wirtschaft endet, die jüngsten fiskalischen Stimulusmaßnahmen das Wachstum fördern und die Lieferketten gestört bleiben. Das lässt davon ausgehen, dass der Markt nicht von einer Änderung der auf lange Sicht vorherrschenden Deflationsdynamik ausgeht, auch wenn die Inflation in der nahen Zukunft über ihr ursprüngliches Ziel hinausschießt.

Muss bereits früher mit einem Zinsschritt der Fed gerechnet werden?

Auch wenn die Marktzinsen der Fed offensichtlich keine Sorgen bereiten, gilt das nicht für die erwartete Höhe der Fed Funds in zwei Jahren und darüber hinaus.

Der letzte „Dot Plot“ zeigte, dass nur sieben von 18 Mitgliedern des Federal Open Market Committee (FOMC) bis 2023 mit einer Anhebung der Leitzinsen rechnen. Die Fed betonte, dass die Zinsen erst nach dem Ende der Anleihekäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung (QE) steigen werden. Das ist nicht vor 2023 zu erwarten.

Dennoch hat der Markt seine Prognose für die Fed Funds Rate erhöht und preist jetzt einen um mindestens 50 Bp höheren Zinssatz innerhalb der nächsten zwei Jahre ein. Dieser erwartete Anstieg der Leitzinsen könnte ein weiterer Grund dafür sein, dass die mittelfristigen Inflationserwartungen nicht stärker gestiegen sind. Denn obwohl die Fed darauf besteht, dass sie bereit ist, eine Inflation über dem Zielwert zu tolerieren, zweifelt der Markt offensichtlich daran, dass sie wirklich so nachsichtig sein wird. Höhere Leitzinsen würden das Wachstum verlangsamen und die Inflation zügeln.

Vorsicht bei den Zinsen

Gleichzeitig besteht das Risiko einer wesentlich höheren Verbraucherpreisinflation in diesem Sommer: Sie könnte 3,5 % erreichen.

Die Marktbeobachter sind sich dieser Möglichkeit durchaus bewusst, da ein derartiger Anstieg größtenteils auf Basiseffekte zurückzuführen wäre. Trotzdem könnte eine hohe Inflation dem Markt angst machen und einen stärkeren Ausverkauf der Staatsanleihen bewirken.

Sollte es der Fed gelingen, den Markt davon zu überzeugen, dass sie geduldig sein wird, bevor sie ein Ende der QE oder eine Leitzinserhöhung ins Auge fasst, hätte das einen Rückgang der Leitzinserwartungen und Realrenditen zur Folge. Der Rückgang der Nominalrenditen könnte durch steigende Inflationserwartungen mehr als ausgeglichen werden.

Beim Zinsausblick bleiben wir vorsichtig und bevorzugen Anlagen, denen der Reflation Trade zugute kommen kann.


Die komplette Analyse des Monatsüberblicks Asset-Allokation finden Sie hier


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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