BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Teil 2: Europa ist wieder da!

Kürzlich haben wir in einem unserer Blogs angekündigt, näher zu erläutern, warum wir die Lage in Europa derzeit so optimistisch einschätzen -dies werden wir heute tun. Lassen Sie mich zunächst aus der „Rede zur Lage der Nation 2017“ zitieren, die Jean-Claude Juncker am 13. September vor dem Europäischen Parlament gehalten hat. Darin kommt selbstverständlich der Brexit zur Sprache – allerdings erst im letzten Teil der Rede (auf der vorletzten Seite 10 des Manuskripts), was vielsagend ist. Kurz und bündig konstatiert er darin: „Am 29. März 2019 wird das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlassen. Das wird ein trauriger und zugleich tragischer Moment sein, den wir immer bedauern werden. Doch wir müssen den Willen des britischen Volkes respektieren. Wir werden unseren Weg weitergehen, wir müssen ihn weitergehen, denn der Brexit ist nicht alles. Der Brexit ist nicht die Zukunft Europas.“

Kürzlich haben wir in einem unserer Blogs angekündigt, näher zu erläutern, warum wir die Lage in Europa derzeit so optimistisch einschätzen -dies werden wir heute tun. Lassen Sie mich zunächst aus der „Rede zur Lage der Nation 2017“ zitieren, die Jean-Claude Juncker am 13. September vor dem Europäischen Parlament gehalten hat. Darin kommt selbstverständlich der Brexit zur Sprache – allerdings erst im letzten Teil der Rede (auf der vorletzten Seite 10 des Manuskripts), was vielsagend ist. Kurz und bündig konstatiert er darin: „Am 29. März 2019 wird das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlassen. Das wird ein trauriger und zugleich tragischer Moment sein, den wir immer bedauern werden. Doch wir müssen den Willen des britischen Volkes respektieren. Wir werden unseren Weg weitergehen, wir müssen ihn weitergehen, denn der Brexit ist nicht alles. Der Brexit ist nicht die Zukunft Europas.“

Natürlich lässt sich argumentieren, dass Jean-Claude Juncker als Präsident der Europäischen Kommission kaum etwas anderes sagen konnte, solange die Austrittsverhandlungen zwischen Großbritannien und der Union noch in den Anfängen stecken. So berechtigt dieser Einwand sein mag, so klar ist die lapidare Schlussfolgerung, mit der Jean-Claude Juncker das Thema dann auch wieder abhakt: „Am 30. März 2019 werden wir somit eine Union der 27 sein“. Dass der Brexit nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, wenn es um die Zukunft der Eurozone geht, ist nicht neu: Auch unter den Finanz- und Wirtschaftsexperten wird der Austritt Großbritanniens seit ein paar Monaten kaum noch diskutiert.

Abbildung 1: Brexit: Medienpräsenzindex

EuropaQuelle: Bloomberg, BNP Paribas Asset Management, Stand. 18.10.2017

Welche europäischen Themen stehen im Fokus?

  1. Man ist überzeugt, dass Europa institutionell stärker ist als vor der Krise. Eine zentrale Rolle bei der Krisenbewältigung hat der 2012 ins Leben gerufene Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) gespielt – auch wenn er heute mitunter „nur“ als Nachfolger der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) und des Europäischen Finanzstabilitätsmechanismus (EFSM) wahrgenommen wird. Durch den ESM haben fünf in Schwierigkeiten geratene Länder Finanzhilfen erhalten, mit denen sie Reformen vorantreiben konnten. Vier dieser Länder (Irland, Spanien, Portugal und Zypern), die ESM-Chef Klaus Regling gestützt auf Studien der OECD und der Weltbank gerne sogar als „Reform-Champions“ bezeichnet, kommen inzwischen wieder ohne Notfallprogramme klar. Unter dem Rettungsschirm befindet sich jetzt nur noch Griechenland, wobei die dortigen Schwierigkeiten mitunter anderen Ursachen zugeschrieben werden. Doch auch Griechenland befindet auf positivem Kurs. So ist es der Regierung im Juli dieses Jahres erstmals seit 2014 gelungen, syndizierte fünfjährige Staatsanleihen im Volumen von drei Milliarden Euro zu platzieren – zu einem niedrigeren Zins als bei den vorangehenden Emissionen. Damit hat das Land einen wichtigen Test bestanden, bevor es endgültig an die Finanzmärkte zurückkehrt. Am 9. Oktober hat die Euro-Gruppe diskutiert, welche Rolle der ESM bei der Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion spielen könnte. Deutschland setzt sich schon lange dafür ein, den ESM zu stärken und zu einem „europäischen Währungsfonds“ auszubauen. Der derzeitige Finanzminister und designierte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat diese Position auf der letzten Sitzung der Euro-Gruppe bekräftigt. Abgesehen von den umstrittenen politischen Aspekten dieses Vorschlags findet die Idee, den ESM nicht nur auf das Krisenmanagement sondern verstärkt auch auf die Krisenprävention auszurichten,  in der Union Zustimmung. Sicherlich hätte dieser Aspekt auf die Souveränität der Einzelstaaten bedeutende Auswirkungen – jedoch steht der ESM erst am Anfang seiner Entwicklung.
  2. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht geht Europa gestärkt aus der Krise hervor. Inzwischen bezweifelt niemand mehr, dass die Konjunktur in der Eurozone in den letzten Quartalen kräftig an Fahrt aufgenommen hat. Viele Faktoren sprechen zudem dafür, dass sich der positive Trend – gestützt auf eine steigende Binnennachfrage – noch weiter fortsetzt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Eurozone um 0,3 Prozentpunkte auf 2,1 % für das laufende Jahr und um 0,1 Prozentpunkte auf 1,9 % für das kommende Jahr angehoben.

Abbildung 2: Eurozone: BIP-Wachstum (%) (realisiertes BIP bzw. IWF-Prognosen für 2017 und 2018)

EuropaQuelle: Datastream, BNP Paribas Asset Management, Stand. 10/10/2017

Wenngleich das kurzfristige Wirtschaftswachstum sicherlich eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung spielt, gibt es zusätzlich eine Reihe weiterer Indikatoren, die für ein gestärktes Europa sprechen.

Ein Beispiel hierfür ist das Schulden-BIP-Verhältnis: Dieses ist in der Eurozone zwar immer noch deutlich höher als vor der Krise, jedoch niedriger und schneller sinkend als in Japan und den USA.

Wie gesund die Wirtschaft ist, lässt sich außerdem (unter Berücksichtigung der landesspezifischen Besonderheiten) am Saldo der Leistungsbilanz ablesen, der sich in der Eurozone insgesamt trotz steigender Binnennachfrage und Importe bei etwa 3 % eingependelt hat. Die Sparquote der privaten Haushalte wiederum zeigt uns, welche Ungleichverteilungen gegenüber anderen Ländern bestehen und welche Mittel zur Finanzierung von Investitionen verfügbar sind.

Abbildung 3: Konsolidierter Brutto-Gesamtschuldenstand

EuropaQuelle: Frühjahrsprognose der EU-Kommission für 2017, BNP Paribas Asset Management, Stand. 25/04/2017

Abbildung 4: Bruttosparquote der privaten Haushalte

EuropaQuelle: Frühjahrsprognose der EU-Kommission für 2017, BNP Paribas Asset Management, Stand. 25/04/2017

Auch bei der Verteilung von Ungleichheiten schneidet Europa besser ab als die Vereinigten Staaten. So zeigt der Gini-Koeffizient, der die Verteilung der Einkommen unter der Bevölkerung (nach Schätzungen der Weltbank) misst, einen Wert von 31 für die Europäische Union und von 41 für die USA. Dabei steht ein Wert von „0“ für eine absolut gleichmäßige Verteilung und „100“ für eine absolute Ungleichverteilung. In den Unterzeichnerstaaten der Römischen Verträge von 1957 ist der Koeffizient stabil und weiterhin am niedrigsten, während er in den Ländern, die am ESM teilgenommen und Reformen umgesetzt haben, gesunken ist.

Abbildung 5: Gini-Koeffizient

EuropaQuelle: Eurostat, BNP Paribas Asset Management, Stand. 15/10/2017

Abbildung 6: Gini-Koeffizient

EuropaQuelle: Eurostat, BNP Paribas Asset Managament, Stand. 15/10/2017

Was bleibt zu tun?

Es besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Bankenunion für die Stärkung der Wirtschafts- und Währungsunion essentiell ist. Der erste Pfeiler wurde mit dem einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus (SSM) geschaffen, durch den im November 2014 mehr als hundert große Bankinstitute der Eurozone der direkten Aufsicht der EZB unterstellt wurden. Weitere wesentliche Schritte für eine Reduzierung und Verteilung von Risiken wären die Einführung eines Systems zur Sicherung von Bankeinlagen und die Umsetzung der Kapitalmarktunion. Bis zu unserem nächsten Blogbeitrag zum Thema Europa empfehlen wir Ihnen die Lektüre des am 11. Oktober von der Europäischen Kommission veröffentlichten Factsheet „Vollendung der Bankenunion bis 2018“.


Verfasst am 18/10/2017

In Verbindung stehende Artikel

Weekly insights, straight to your inbox

A round-up of this week's key economic and market trends, and insights on what to expect going forward.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Please check the boxes below to subscribe