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Christophe Moulin
2 Autoren · Märkte
06/05/2021 · 4 Minuten Lesezeit

Welche Faktoren die Aktien beeinflussen – Zeit für neue Markttreiber

Die niedrigen Zinsen der Zentralbanken und die umfassenden Konjunkturprogramme der Regierungen kamen den Aktienmärkten zugute und ließen die Bewertungen ihre höchsten Stände seit 20 Jahren erreichen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Arbeitsstellen zu erhalten und das Wachstum anzukurbeln, weshalb sie zu höheren Unternehmensgewinnen führen dürften. Für die Unternehmensgewinne ist daher jetzt die Zeit gekommen, die Rolle des Treibers zukünftiger Kurszuwächse zu übernehmen.


Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Auszug aus dem Monatsüberblick Asset-Allokation für Mai


Die Hoffnung auf deutlich höhere Gewinne könnte angesichts des billionenschweren Konjunkturpakets in den USA gerechtfertigt sein, aber man hat auch Bedenken, dass höhere Steuern das Gewinnwachstum beeinträchtigen könnten. Die Bewertungen an den meisten Märkten – nicht nur in den USA – sind derzeit hoch. Ein Bewertungsaufschlag gegenüber den historischen Durchschnitten ist zwar wegen der niedrigen Zinsen und der geringen Inflation gerechtfertigt, aber es ist eine gewisse Normalisierung zu erwarten.

Rückkehr zur Normalität

Es gibt zwei Szenarios: Entweder einen starken Rückgang der Aktienkurse oder einen schnelleren Anstieg der Gewinne als der Preise. Wir halten die zweite Möglichkeit aber für wahrscheinlicher. Normale Marktvolatilität könnte Anlegern einen besseren Einstiegspunkt bieten. Unseren Indikatoren zufolge wird es bis dahin nicht mehr lange dauern. 

Ein Treiber könnte die Überhitzung der US-Volkswirtschaft und stark steigende Inflationserwartungen sein, eine Entwicklung, die zu Leitzinsanhebungen führen könnte. Eine weitere Möglichkeit wäre eine immer wichtigere Rolle von Steuererhöhungen in den Plänen der Regierung von US-Präsident Biden, was die Anlegerstimmung und das Wachstum der Unternehmensgewinne dämpfen würde.

Aufgrund der hohen Aktienkurse müssen die Gewinne mindestens den Analystenerwartungen entsprechen, um die aktuellen Bewertungen zu stützen. Bisher war das der Fall. Das ist ein gutes Zeichen für den Markt, denn die Impfquoten steigen, immer mehr Länder heben die Lockdowns auf und es ist eine aufgestaute Nachfrage vorhanden. Wenn die Gewinnerwartungen übertroffen werden müssen, ist es aber auch logisch, dass die Aktien stark in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn die Gewinne hinter den Prognosen zurückbleiben.

Wechsel zu europäischen Aktien...

Die starke Performance und die hohen Bewertungen der US-Aktien haben einige Anleger dazu bewegt, einen Wechsel zu europäischen Aktien in Betracht zu ziehen, um von der nächsten Etappe des Reopening Trade zu profitieren.

Die Underperformance der europäischen Substanzwerte gegenüber den US-Substanzwerten ist mit der Outperformance der europäischen Wachstumswerte gegenüber den US-Wachstumswerten zu vergleichen, sodass die Nettorendite in Europa seit November letzten Jahres leicht niedriger ist. Den europäischen Aktien kommt zugute, dass sie zyklischer und wertorientierter sind, während die US-Aktien von finanziellen Hilfsmitteln profitieren.

Wir haben derzeit US-Aktien (Substanzwerte) übergewichtet, aber aufgrund der Aussichten auf höhere Zinsen und Steuern in den USA und weiterhin günstige relative Bewertungen für Europa könnte sich das ändern.

...oder lieber zu Schwellenländeraktien?

Aufgrund der Zyklizität der Schwellenländer, der geringeren Handelsspannungen zwischen den USA und China und des schwächeren US-Dollars rechnen wir mit einer Outperformance der Schwellenländer - gegenüber den Industrieländeraktien.

Trotz des Risikos, dass steigende US-Zinsen Anlagen in Schwellenländern weniger interessant machen, sind die Zuflüsse aus ausländischen Portfolios hoch.

Auch das Wachstum in China – ein wichtiger Faktor für das Wachstum der Schwellenländer – bleibt robust, obwohl es für die Regierung schwierig ist, die Volkswirtschaft zu stützen und sich gleichzeitig um den Abbau der Verschuldung in der Wirtschaft zu bemühen.

Anleihen – Vorsicht bei der Duration

Der Inflationsausblick bleibt ein wichtiges Thema. Die US-Federal Reserve (Fed) betonte erneut, dass ein kurzfristiger Inflationsanstieg kein Problem sei und bestätigte, dass sie nicht beabsichtige, so schnell wie vom Markt erwartet ihre Anleihekäufe zu drosseln oder die Leitzinsen zu erhöhen. Erfahrungen zeigen allerdings, dass wegen der Erholung des Arbeitsmarktes ein Preisdruck entsteht.

Die Realzinsen halten sich derzeit im Rahmen, weil die Fed immer wieder betont, dass sie sich Zeit lassen will. Wir rechnen ab dem ersten Quartal nächsten Jahres mit dem Beginn der Drosselung, und 2024 dürften erste Leitzinserhöhungen erfolgen. Die inflationsbereinigten Zinsen dürften steigen, da der Markt eine Straffung antizipiert. Beim Ausblick für Duration bleiben wir deshalb vorsichtig.

Die Inflationserwartungen in der Eurozone sind fast so stark gestiegen wie in den USA, möglicherweise zu stark. Ein Nachfrageanstieg wegen der Aufhebung der Lockdown-bedingten Einschränkungen im Weiteren Jahresverlauf wird wahrscheinlich nicht von mit den USA vergleichbaren finanziellen Maßnahmen begleitet werden, weshalb unser Ausblick für die Inflation in der Eurozone weniger optimistisch ist.

Zusammenfassung – unsere Asset-Allokation

Wir rechnen weltweit mit einer starken Erholung, die auf Fortschritten bei der Durchführung der Impfkampagnen, der Wiedereröffnung der Volkswirtschaften, umfassender finanzieller Expansion in den USA und der Stützung riskanter Anlagen durch die lockere Geldpolitik. Bisher liegen die USA an der Spitze, aber in anderen wichtigen Volkswirtschaften dürfte sich das Wachstum beschleunigen.

Trotz einer Short-Position in Aktien der Eurozone halten wir in Aktien durch US-Substanzwerte, Schwellenländeraktien, chinesische und japanische Aktien weiterhin eine Netto-Long-Exposure. In riskanten Anlagen wie Rohstoffen und auf Lokalwährungen lautenden Schwellenländeranleihen halten wir eine Long-Position. Zur Diversifizierung unseres Portfolios dienen unter anderen Gold und europäische Immobilien-Investmentfonds.

In Small Caps der EWWU halten wir eine Long-Position, weil wir damit rechnen, dass diese bei einer Konjunkturerholung aufgrund ihres hohen Beta und interessanterer Bewertungen als Large Caps eine Outperformance erzielen.

Mittelfristig sehen wir bei Anleiherenditen der Eurozone weiteres Aufwärtspotenzial, würden aber auf vorteilhaftere Einstiegsmöglichkeiten warten, um wieder Short-Positionen aufzubauen. Wir halten Long-Positionen in auf Lokalwährungen lautenden Schwellenländeranleihen, denn wir sind davon überzeugt, dass Spielraum für eine Verengung der Renditeabstände und eine Aufwertung der Währungen besteht, da der US-Dollar aufgrund seiner hohen Bewertung und der Aussichten auf eine Beschleunigung des Wachstums außerhalb der USA unter Druck gerät.

Lesen Sie unseren Monatsüberblick Asset-Allokation – Zeit für neue Markttreiber


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten, beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit – weil weniger Informationen verfügbar sind – einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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