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Wie Anleiheinvestoren die positiven Wachstumsaussichten nutzen können

Anleiheinvestoren haben mit der aktuellen Lage zu kämpfen: Das (erwartete) Wachstum sorgt für einen Anstieg der Zinsen, die sich auf einem Rekordtief befinden. Aber war es das mit niedrigen Zinssätzen? Unsere Antwort darauf: Ein aktiver Ansatz ohne strategisches Exposure gegenüber dem Zinsrisiko und ohne die Vorgaben einer Benchmark.

Konjunkturausblick

Drei Faktoren lassen uns für das nächste Jahr von einem positiven Konjunkturausblick ausgehen:

  1. Die Geldpolitik ist sehr entgegenkommend – im Allgemeinen verfolgen die Zentralbanken eine lockere Politik und die Zinsen befinden sich insgesamt fast bei einem Rekordtief.
  2. Die finanziellen Maßnahmen haben einen enormen Umfang – die Regierungen haben Programme im Wert von mehreren Milliarden Dollar aufgelegt, um das Wachstum zu stützen, Arbeitsstellen zu erhalten und die Folgen der Lockdowns und anderer Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu mindern.
  3. Immer mehr Menschen werden geimpft, was es den Behörden letztendlich ermöglichen dürfte, die Pandemie unter Kontrolle zu bringen. So kann die Wiedereröffnung der Volkswirtschaften, Wiederankurbelung der Nachfrage und eine Welle von Neuanstellungen eingeleitet werden.

In Zahlen ausgedrückt wird das Konjunkturwachstum im Vergleich zu 2020 aufgrund von Basiseffekten wohl noch größer ausfallen. Insgesamt ist mit einer soliden Erholung zu rechnen, die jedoch Fragen zu den Zinsaussichten und somit auch für den Anleihemarkt aufwerfen wird.

Wie schnell werden die Zentralbanken die entgegenkommende Geldpolitik straffen?

Am US-Rentenmarkt konnten wir in Antizipation einer weniger entgegenkommenden US Federal Reserve (FED) bereits Veränderungen beobachten.Die 10-Jahres-Benchmark für Renditen von Staatsanleihen ist dieses Jahr bereits von 0,9 % auf rund 1,5 % gestiegen. Ein weiterer Anstieg auf 1,8 % im Laufe des Jahres 2021 wäre durchaus realistisch. Wir rechnen mit einem globalen Anstieg der Renditen in dieser Größenordnung.

Anleger sollten allerdings nicht vergessen, das die FED und die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt haben, dass die Erholung nicht viel mit den Bisherigen gemeinsam haben wird. Die Lockdowns haben den Dienstleistungssektor unverhältnismäßig schwer in Mitleidenschaft gezogen. Viele Menschen mit Bürojobs konnten von zu Hause aus arbeiten. Sie werden wesentlich schneller zum „normalen Leben“ zurückkehren. Für andere Menschen und kleinere Unternehmen, die die stärksten Beeinträchtigungen hinnehmen müssen, wird die Erholung länger auf sich warten lassen.

Die FED legt Wert auf eine faire Erholung der gesamten Volkswirtschaft und wir dürfen damit rechnen, dass sie dies bei der Beurteilung des Handlungsbedarfs berücksichtigen wird. Wir sind davon überzeugt, dass die Zentralbank der USA ihre entgegenkommende Geldpolitik aus diesem Grund lieber zu spät als zu früh anpassen wird – z. B. durch die Drosselung ihrer Anleihekäufe. Es ist also nicht sofort mit einer Änderung der Leitzinsen zu rechnen.

Des Weiteren muss bei den Aussichten auf höhere Zinsen auch der kürzlich von der FED eingeführte „Average Inflation Targeting (AIT)“-Rahmen berücksichtigt werden. Aufgrund des AIT darf der Markt erwarten, dass die FED im Hinblick auf die – derzeit unter ihrem Ziel von 2 % liegende – Inflation nachsichtiger sein wird. Wir können davon ausgehen, dass die FED ein stärkeres Aufheizen der Volkswirtschaft und einen längeren Anstieg der Inflation über ihren Zielwert hinaus zulassen wird, bevor sie mit der Straffung ihrer Geldpolitik beginnt.

Erholung = höhere Zinsen?

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass wir bei dieser Erholung das übliche Prinzip "Straffung durch die Zentralbank – folglich steigende Renditen" sehen werden. Die Rentenmärkte rechnen bereits mit einer höheren Inflation und sinkenden Anleihekursen.

Wir sind davon überzeugt, dass die FED eine eindeutige Bestätigung der Daten abwarten wird, bevor sie handelt. Es wird davon ausgegangen, dass die US-Volkswirtschaft bei der Erholung von der durch COVID-19 ausgelösten weltweiten Flaute führend sein wird, weshalb es für Anleger sinnvoll wäre, die Entwicklungen in den USA als Ausblick für Anleihen und Zinsen in anderen wichtigen Märkten zugrunde zu legen.

Für Anleiheinvestoren ist die Aussicht auf einen leichten Anstieg der Marktzinsen (in Antizipation der Erholung) eine Herausforderung, besonders, da die Entscheidungsträger bei den Zentralbanken es ausdrücklich gutheißen, dass die Inflation über ihre Ziele hinaus steigen könnte. In einem derartigen Umfeld würde man von einer Underperformance der Anleihen im Vergleich zu anderen Anlageklassen ausgehen.

Da die Renditen außergewöhnlich niedrig sind und die Portfolios sich durch eine ungewöhnlich hohe Zinssensitivität (Duration) auszeichnen, machen sich Anleger Sorgen um Kapitalverluste aufgrund steigender Renditen und Inflation. Denn dadurch kann der Wert des Kapitals, das sie bei Rücknahme der Anleihe erhalten, an Glanz verlieren.

Müssen wir uns Sorgen um die Inflation machen?

In bestimmten Bereichen stimmen Angebot und Nachfrage nicht überein: So ist bei einer Erholung z. B. mit steigender Ölnachfrage zu rechnen, die proportional zur Wiederaufnahme von (Ferien)reisen sein könnte. Trotzdem dürfte die Produktion nur langsam gesteigert werden. Unter anderem weil es Zeit braucht, um das Angebot zu erhöhen, aber auch, weil sich die Ölexporteure über höhere Ölpreise freuen.

Ein weiteres Beispiel ist das Gastgewerbe: Die Wiedereröffnung von Restaurants wird eine Freisetzung der aufgestauten Nachfrage bewirken, während das Angebot an Tischen vermutlich beschränkt sein wird. Derartige Ungleichgewichte sorgen für Inflationsblasen im gesamten System, die die Anleiherenditen beeinträchtigen könnten.

Wie können Anleiheinvestoren reagieren?

Angesichts der umfassenden Rettungspakete der Regierungen und der sich daraus ergebenden Staatsanleiheemissionen könnte es eine Option sein, sich auf Unternehmensanleihen zu konzentrieren. Besonders weil sich dieses Segment in einem Wachstumsumfeld gut entwickelt. Dieser Markt ist attraktiv und könnte als Absicherung gegen das Zinsrisiko dienen.

Die Risikoprämien sind allerdings gering und scheinen nur für einen begrenzten Spielraum weitere Rückgänge zuzulassen. Viele Unternehmen mussten hohe Kredite aufnehmen , um der Krise standhalten zu können. Sie könnten mit der Bewältigung ihrer Schuldenlast zu kämpfen haben.

Das Ausfallrisiko wäre wahrscheinlich ein geringeres Problem als die "Zombifizierung". Angesichts der derzeit geringen Risikoprämien ist die Vergütung, die die Anleger für das Risiko erhalten, unserer Meinung nach zu gering.

Absolute Return als Alternative

Wir sind uns darüber im Klaren, dass Investoren Anleihen typischerweise zur Diversifizierung gegenüber Aktien als stabile Einkommensquelle und Speicher des Kapitalwerts in ihr Portfolio aufnehmen. Daher sind wir der Meinung, dass die Antwort ein Ansatz ohne Bezug zum breiteren Markt und ohne Benchmark ist.

Ein derartiger Ansatz bedeutet, anstatt eines Marktindex Barmittel (mit Nullrendite) als Grundlage für die Verwaltung von Positionen in festverzinslichen Anlagen zugrunde zu legen, Flexibilität gegenüber allen möglichen festverzinslichen Ertragsquellen zu wahren und – was womöglich am wichtigsten ist – in der Lage zu sein, sowohl Short- als auch Longpositionen zu halten, um aktiv von einem rückläufigen Markt zu profitieren.

Das ist die Aufgabe von Absolute Return orientierten Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren. Dieser Ansatz kann Investoren die Kombination aus Diversifizierung, Einkommen und Wert bieten, die sie von Anleihen erwarten und kann gut für das oben dargelegte Umfeld geeignet sein.

Wir sehen derzeit Chancen in gewerblichen Mortage-Backed-Securities, im Reise- und Freizeitsektor sowie bei Schwellenländeranleihen.


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Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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