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Wöchentlicher Marktüberblick – Neues Vertrauen nach stürmischen Zeiten

Anleger mit Exposure gegenüber China oder Interesse an einer solchen sehen sich zahlreichen Problemen gegenüber, vom langsameren Wachstum – das von Peking geduldet sein kann oder nicht – bis hin zu härterem, umfassenderem Durchgreifen in bestimmten Sektoren. Fügt man noch die anhaltenden Spannungen zwischen China und den USA über geopolitische Themen und die Tatsache hinzu, dass größerer allgemeiner Wohlstand wieder in den Fokus gerückt ist, kann man sich zu Recht fragen: Wie sollen wir den Ausblick für China am besten beurteilen?

Chi Lo, Senior Market Strategist APAC, setzt die jüngsten Entwicklungen in Zusammenhang und gibt seinem Vertrauen Ausdruck, dass sich die Stimmung im Hinblick auf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt verbessern wird.


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Die jüngste Schuldenkrise bei großen chinesischen Immobilienentwicklern ließ die Risikoprämien für Schulden schwächerer chinesischer Unternehmen auf Rekordniveaus steigen und löste eine Reihe von Kreditrating-Herabstufungen aus. Es erschütterte die Märkte, dass ein großer Immobilienentwickler mit Verbindlichkeiten in Höhe von über 300 Milliarden USD und 1.300 Immobilienprojekten die Zinsen für seine internationalen Anleihen nicht zahlen konnte. Andere Unternehmen warnten ebenfalls vor möglichen Zahlungsausfällen.

Der Immobiliensektor im Wert von 5 Billionen USD macht rund ein Viertel der chinesischen Volkswirtschaft aus. Die Tatsache, dass die Risikoprämie für chinesische Investment Grade-Anleihen so weit ist wie zuletzt vor mehr als zwei Monaten, ist ein Zeichen für zunehmende Sorgen der Anleger. Der Renditeabstand von High Yield-Anleihen hat ein Allzeithoch von mehr als 2.300 Bp erreicht, was die Kreditkosten für diese Unternehmen auf deutlich mehr als 20 % bringt.[1]

Zu den Sorgen, ob eine geordnete Umstrukturierung des Immobiliensektors möglich ist, kam die Verknappung des Kohle- und damit Stromangebots hinzu, durch das sich der Druck – nicht nur auf die Aktien des chinesischen Immobiliensektors – noch erhöhte.

Auf lange Sicht dürfte die Marktvolatilität einer Erholung weichen

Die chinesischen Aktien dürften auf kurze Sicht volatiler werden, besonders aufgrund der regulatorischen Straffung in Sektoren wie Immobilien und Bau, Ride Hailing und anderen Bereichen der New Economy. Besonders in den Sektoren Immobilien und Bau führte das zu Sorgen um die Liquidität der Unternehmen und hohe Verschuldung allgemeiner.

Dieses harte Durchgreifen, das teilweise mangelnde Aufsicht, Monopole und wettbewerbswidrige Kontrolle über Big Data ausgleichen soll, dürfte allerdings als Reformbemühung angesehen werden, die den Wohlstand allgemein steigern dürfte. Es ist als Maßnahme gegen die nahezu kapitalistischen Exzesse zu betrachten, zu denen es in den Jahren kam, als robustes Konjunkturwachstum als bestes Mittel gegen Ungleichheit galt.[2]

Insbesondere handelt es sich nicht um die erste Runde der Straffungsmaßnahmen, mit denen sich Peking bemüht, die Volkswirtschaft umzuorientieren. Auch die vorhergehenden Runden machten die Anleger misstrauisch, und die Märkte wurden volatiler. Es handelte sich aber um Entwicklungen von kurzer Dauer, auf die nachhaltige Erholungen folgten, die über ein Jahr anhielten (siehe Diagramm 1).

Dieses Mal rechnen wir mit einer ähnlichen Entwicklung, mit einer eindeutigen Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2022.

Dieses Mal haben wir es mit anderen Reformtaktiken zu tun. Peking gibt jetzt der Entwicklung von ‚Hard Tech‘ Hardware und Komponenten den Vorzug vor dem Ausbau von ‚Soft Tech‘ (elektronischer Handel). Das könnte zu einer Verlagerung der Wachstumsmotoren weg von Sektoren führen, die den Konsum in den Mittelpunkt stellen.

Wir sind davon überzeugt, dass das Gewinnpotenzial der Volkswirtschaft nach einer Umorientierung unverändert hoch bleibt. In dem neuen Umfeld können wir von Verarbeitung mit hohem Mehrwert und High Tech-Branchen mehr erwarten, während die Markterwartungen für die ‚alten‘ Branchen, die unter Beobachtung stehen, nach unten korrigiert werden müssen.

Zeichen, auf die wir achten sollten 

Zeichen, die wir nicht unbeachtet lassen sollten, sind die politischen Schritte der People‘s Bank of China bei Offenmarktgeschäften sowie die Änderungen der Mindestreserveanforderungen für Banken und der Zinsen für ihre Kreditfazilitäten. Wir sind davon überzeugt, dass die Zentralbank ihre lockere Geldpolitik unverändert lassen dürfte, vor allem, weil das Konjunkturwachstum im dritten Quartal angesichts der Verlangsamung im Immobiliensektor und der Energieknappheit auf 4,9 % zurückgegangen ist.

Die Maßnahmen der PBoC dürften den Kreditimpuls – den Kreditstrom an Unternehmen und Haushalte – stimulieren, und damit auch das BIP-Wachstum.

Die Emission von Anleihen durch Lokalregierungen, die der Finanzierung von Investitionen zugute kommen dürften, stellt einen weiteren Faktor dar. Auch das dürfte das chinesische Wachstum (bzw. dessen Erholung) stützen.

Ausblick für China – Über die jüngsten Turbulenzen hinaus schauen

Die Anleger sollten beim Ausblick eine längerfristige Perspektive zugrunde legen. Unserer Meinung nach sind die Aussichten gut, besonders, solange die Bemühungen Chinas um die Öffnung der Volkswirtschaft und seiner Kapitalmärkte voranschreiten und Peking der Rolle von Marktkräften in der Volkswirtschaft gegenüber offen bleibt.

Das Wachstum dürfte sich dank der fiskalischen und geldpolitischen Lockerung und der Tatsache, dass man mit einer Fortsetzung dieser Maßnahmen rechnet, wieder erholen. Peking könnte sogar so weit gehen, einige Einschränkungen, die dem Immobilienmarkt auferlegt wurden, zurückzunehmen, wenn das Gefühl entsteht, dass die Maßnahmen zu drakonisch sind und die Volkswirtschaft allgemeiner beeinträchtigen und zu sozialen Unruhen führen könnten.

Des Weiteren macht man sich Sorgen um die unterschiedlichen Orientierungen der Geldpolitik in den USA und China, die wir allerdings für übertrieben halten.

Wie bereits gesagt, dürfte die aktuell lockere Geldpolitik der PBoC helfen, das Risiko einer weiteren Verlangsamung des chinesischen Wachstums zu mindern. Das dürfte Auswirkungen auf die Verlangsamung des Wachstums im ‚Hinterhof‘ Chinas, das heißt in anderen asiatischen Ländern, mindern. Was den Übergang zu einer strafferen Geldpolitik bei der US Federal Reserve betrifft, so sind wir davon überzeugt, dass dieser durch das stärkere US-Wachstum gefördert wird, das auch das Wachstum in Asien stützen dürfte.

Insgesamt dürfte sich der Unterschied zwischen der chinesischen und der US-Geldpolitik also auf den Konjunkturausblick Asiens – und Chinas – nicht negativ auswirken.

‚In China investieren für China‘

Die Anleger haben Bedenken, dass die anhaltenden Spannungen zwischen China und den USA – bezüglich des Handels, aber auch nicht-wirtschaftlicher Themen – zu einem Rückgang des Handels führen könnten, da die Versorgungsketten und die Produktion in der Region durch Maßnahmen zugunsten der eigenen Region gestützt werden. Wir konnten allerdings keine überzeugenden Hinweise auf eine Unterbrechung der asiatischen oder sogar der globalen Versorgungsketten finden und auch nicht darauf, dass eine Entkoppelung der Volkswirtschaften der USA und Chinas zu befürchten ist (siehe Diagramm 2).

Die asiatischen Versorgungsketten haben sich bisher in der Tat lediglich verlagert, anstatt zusammenzubrechen oder zurückzugehen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Meinung ist tatsächlich eine engere Beziehung zwischen den asiatischen Lieferketten und China zu verzeichnen.[3]

Wir sind davon überzeugt, dass es auch hier wichtig ist, die strategischen Ziele Pekings zu verstehen, zu denen es zählt, die Abhängigkeit des Landes von externen Angebotsquellen zu verringern. Mit derselben Absicht bemüht sich China um die Entwicklung eigener Spitzentechnologie. Das Land betrachtet Innovation als einen Weg zu allgemeinem Wohlstand und möchte, dass kleine und mittelständische Betriebe sowie der private Sektor durch Innovation Veränderungen vorantreiben und die Entwicklung von Hard Tech finanzieren.

Um noch einmal auf das harte Durchgreifen in Form regulatorischer Maßnahmen zurückzukommen: mit diesem soll der private Sektor nicht gezügelt werden, sondern man beabsichtigt, eine Übereinstimmung seiner Interessen mit den strategischen Zielen Pekings herbeizuführen.

Wir sind davon überzeugt, dass die jüngsten Entwicklungen unsere Sicht bestätigen, dass ‚In China für China investiert‘ wird. Dieser Überzeugung sind wir, seitdem die USA ihre Chinapolitik im Jahr 2016 von konstruktivem Engagement in strategischen Wettbewerb änderten.


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The value of investments and the income they generate may go down as well as up and it is possible that investors will not recover their initial outlay. Past performance is no guarantee for future returns.

Investing in emerging markets, or specialised or restricted sectors is likely to be subject to a higher-than-average volatility due to a high degree of concentration, greater uncertainty because less information is available, there is less liquidity or due to greater sensitivity to changes in market conditions (social, political and economic conditions).

Some emerging markets offer less security than the majority of international developed markets. For this reason, services for portfolio transactions, liquidation and conservation on behalf of funds invested in emerging markets may carry greater risk.  


[1] Stand der Daten: 13.10.2021. Quelle: Chinese property firms suffer fresh downgrades amid Evergrande crisis (Neue Herabstufungen chinesischer Immobilienunternehmen während der Evergrande-Krise)| Reuters  

[2] Lesen Sie auch: Regulatory tightening explained: A strategic policy shift and the outlook for China’s private sector (Wir erklären regulatorische Straffung: Strategische Verlagerung der Politik und der Ausblick für den privaten Sektor Chinas) - Investors' Corner (bnpparibas-am.com)  

[3] Lesen Sie auch: Decoupling from China? Not really – Just a shift in Asian supply-chains (Abkoppelung von China? Nicht wirklich, nur eine Verlagerung der asiatischen Versorgungsketten) - Investors' Corner (bnpparibas-am.com)

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