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Wöchentlicher Marktüberblick – Wandelanleihen: Multifunktionales und flexibles Kapital (zum Lesen oder Hören)

Bei Wandelanleihen handelt es sich um hybride Instrumente, die Merkmale von Anleihen und Aktien miteinander kombinieren. Daher zeichnen sie sich wie Aktien durch ein gewisses Gewinnpotenzial aus, bieten aber gleichzeitig Schutz gegen Marktrückgänge wie Anleihen. Wenn wir uns am Beginn eines Zyklus steigender Zinsen befinden, könnte sich die Option, über die Anleger verfügen, nämlich diese nominalen Vermögenswerte (Anleihen) in reale Vermögenswerte (Aktien) umzuwandeln, als außerordentlich wertvoll erweisen.   

Skander Chabbi, Leiter des globalen Wandelanleiheteams, erklärt, warum diese flexible Kapitalform besonders gut für das aktuelle Anlageumfeld geeignet ist

Lesen Sie den Artikel oder hören Sie den Podcast mit Lead Portfolio Manager Skander Chabbi für die Wandelanleihestrategie

Da sich viele Finanzmärkte  sich auf die Aussichten auf steigende Zinsen konzentrieren und führende Volkswirtschaften am Rande einer Stagflation stehen, ist es an wichtig zu verstehen, dass die Duration von Wandelanleihen – ihre Zinssensitivität – begrenzt ist.

Anders als herkömmliche Anleihen verfügen Wandelanleihen zusätzlich zu den Zinsen über weitere Renditequellen wie z. B. Kreditspreads, Aktienkurse und Marktvolatilität.

In einem Umfeld steigender Zinsen erwarten wir, dass die Trends an den Aktienmärkten und Kredite die Haupttreiber der Performance sein werden. Eine allmählich zunehmende Marktvolatilität ist für Wandelanleihen positiv. Eine Wandelanleihe ist eine Kombination aus Anleihe und Call Option (siehe Diagramm 1). Der Wert dieser Option, Aktien des Emittenten zu kaufen, steigt typischerweise, wenn die Volatilität der zugrundeliegenden Aktie zunimmt.

Quelle: BNP Paribas Asset Management, September 2021

Diese Kombination bietet Anlegern ein Gesamtrenditeprofil, das wir für interessant halten, mit einem beschränkten Abwärtsrisiko in Zeiten, in denen der Aktienmarkt keine Performance liefert. Hier kommen die anleiheähnlichen Merkmale zum Tragen: Ein fester Kupon und die Tatsache, dass die Anleihe typischerweise zu ihrem Nennwert zurückgenommen wird.

Bei dem starken, umfassenden Marktrückgang im Februar-März 2020, als das Ausmaß der Pandemie und die Notwendigkeit strenger Einschränkungen deutlich wurden, beschränkten sich die Verluste bei Wandelanleihen auf rund ein Drittel des Rückgangs der Aktien- und Rentenmärkte.

Allgemeiner könnte man sagen, dass sich Wandelanleihen bei einem Einbruch des Aktienmarktes stärker wie Anleihen verhalten. Als sich die Märkte von der Krise erholten, entwickelten sich Wandelanleihen schon bald synchron.

Wandelanleihen – Ein kostengünstiges (Re)finanzierungsinstrument

Vor rund 18 Monaten konnten wir beobachten, dass viele Unternehmen auf Wandelanleihen zurückgriffen, um ihre Bilanzen zu stärken, denn Aktien zu emittieren wäre für sie zu teuer gewesen. Daraus ergab sich ein Tugendkreis: durch die Wandelanleiheemissionen verbesserten sich die Kreditratings, und die Renditespannen verengten sich. Das trug wiederum zur Stützung des Aktienkurses des Emittenten bei; die höheren Aktienkurse machten die Kaufoptionen interessanter, was wiederum den Wandelanleihen Auftrieb verlieh.

Die Tatsache, dass die Aktienkurse so niedrig waren, als diese Refinanzierungswelle begann, machte Wandelanleihen sowohl für Emittenten als auch für Anleger noch interessanter. Günstige Zinsen steigerten die Attraktivität von Wandelanleihen als Refinanzierungsinstrument zusätzlich. Dank der eingebetteten Aktienkaufoption kann der Emittent den Kupon senken, so dass es kostengünstiger ist, eine Wandelanleihe zu emittieren als eine reguläre Kuponanleihe.

Es wurden sogar Wandelanleihen mit Nullkupon begeben, beispielsweise durch einen US-Automobilhersteller und ein französisches Versorgungsunternehmen, die beide über Investment Grade-Ratings verfügen. High Yield-Emittenten mit niedrigeren Ratings könnten Kupons zwischen 1,25 % und 1,50 % zahlen. Hier können als Beispiele eine US-Fluggesellschaft, ein US-Internet- und Internetdienstleistungsanbieter und ein indisches Telekommunikationsunternehmen angeführt werden.

Der Umfang dieses Segments mit einem Marktvolumen von rund 600 Mrd. USD wird auch daran deutlich, dass zu den Emittenten in der letzten Zeit wachstumsstarke Unternehmen der US-Technologie- und Gesundheitssektoren zählten. Aufgrund des Aufwärtspotenzials von deren Aktien halten wir es für selbstverständlich, dass sich Unternehmen dieser Sektoren Wandelanleihen zuwenden. In Europa haben wachstumsstarke Unternehmen des Segments Online-Lieferung Wandelanleihen begeben, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass dieser Sektor jetzt durch steigende Kosten und stärkeren Wettbewerb unter Druck geraten ist.

Insgesamt sind wir davon überzeugt, dass es für Unternehmen unzählige Gründe gibt, Wandelanleihen zu begeben.

Wandelanleihen haben in vielen Portfolios ihren Platz

Des Weiteren denken wir, dass Wandelanleihen für viele Anleger geeignet sind.

Aus Sicht eines Aktienportfoliomanagers, der sich derzeit mit hohen Bewertungen an vielen Märkten und hohen Indizes gegenübersieht, können Wandelanleihen für einen Teil der Allokation eine Alternative sein. Um über einen gewissen Schutz gegen das Abwärtsrisiko des Aktienmarktes zu verfügen, aber trotzdem eine Aktienexposure zu wahren, könnte man in Wandelanleihen umschichten, wenn man überzeugt ist, dass die Aktien einen Höchststand erreicht haben.

Für Manager festverzinslicher Anlagen, die angesichts steigender Zinsen ihre Zinsexposure begrenzen möchten, können Wandelanleihen aufgrund ihrer geringeren Zinssensitivität im Vergleich zu Standard-Unternehmensanleihen eine Möglichkeit darstellen, die Duration des Portfolios zu reduzieren.

Nach den Bewertungen zu urteilen halten wir Wandelanleihen angesichts der steigenden Zinsen im Vergleich zum Markt für Standardanleihen nicht für teuer. Des Weiteren sind die Renditeabstände gegenüber Standard-Unternehmensanleihen immer noch relativ weit, was bei Marktrückgängen ein Sicherheitspolster bieten dürfte. In dieser Hinsicht sind Wandelanleihen unserer Meinung nach angemessen bepreist. 

Insgesamt rechnen wir damit, dass Wandelanleihen im Jahr 2022 eine mit Aktien vergleichbare Rendite liefern dürften, die wir auf mindestens 5 % schätzen, wobei die Volatilität am Markt für Wandelanleihen wesentlich geringer sein dürfte.

Wir sind davon überzeugt, dass die Attraktivität dieses Segments an der breitgefächerten Gruppe an Anlegern deutlich wird, die in dieses investieren. Zu den Anlegern, denen die aktienähnlichen Merkmale wichtig sind, zählen Hedgefonds und Multi Strategy-Fonds; die anleiheähnlichen Aspekte sind für Kreditanleger wie Vermögensverwalter, Versicherungsgesellschaften, Sparkassen und Pensionsfonds interessant. Selbst Zentralbanken kaufen Wandelanleihen.

Zusammenfassend sind wir also der Überzeugung, dass Wandelanleihen für Aktien- und Multi Asset-Portfolios und sogar für Portfolios mit festverzinslichen Anlagen geeignet sind.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Verwahrung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.  

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