BNP AM

Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Wöchentlicher Marktüberblick – Wegen der Pandemie verhalten sich Verbraucher intelligenter, wenn es um die Ernährung geht (lesen oder hören)

Welche Folgen hat die Covid-19-Pandemie für den Lebensmittel- und den Landwirtschaftssektor? Was bedeutet das für den Übergang zu nachhaltigeren Produktions- und Konsumpraktiken? Agne Rackauskaite, Co-Portfoliomanagerin der nachhaltigen Lebensmittelstrategie von Impax Asset Management, gibt den Anlegern ihre Meinung zu den Aussichten auf die Zeit nach der Pandemie.

Hören Sie unseren Podcast mit Agne oder lesen Sie unten den Artikel:

Auswirkungen von Covid-19 auf das Verbraucherverhalten

Zu beobachten war bisher eine Beschleunigung von Trends, die bereits im Gange waren. Unter Verbrauchern ist das Bewusstsein gewachsen, dass ein Zusammenhang zwischen ihrer Ernährung und Gesundheit besteht. Dieses Bewusstsein betrifft zuweilen auch den Zusammenhang zwischen Übergewicht und gesundheitlichen Problemen durch Covid-19.

Eine der wichtigsten Veränderungen ist eine Verlagerung von stark verarbeiteten auf natürlichere Lebensmittel. Während für die Verbraucher früher eher der Preis und die Marke im Vordergrund standen, interessieren sie sich nun mehr für das Lebensmittel an sich, d.h. was drin ist, wie es hergestellt wird und wo es herkommt.

Größeres Bewusstsein für gesundheitliche Problemen durch Lebensmittel

Da die Pandemie die Veränderung der Verbrauchergewohnheiten beschleunigt hat, ist die Nachfrage nach gesünderer Nahrung gestiegen. Die Kategorie der natürlichen Lebensmittel – zu der sogenannte „Better for you“-Snacks wie Obst, Nussriegel und Algenchips gehören – dürfte weltweit weiter eine jährliche Wachstumsrate im oberen einstelligen Bereich aufweisen, da sie den verarbeiteten Lebensmitteln Marktanteile abjagt.

Die Pandemie hat aber auch das Bewusstsein für die Bedeutung unseres Immunsystems gestärkt. Dies ließ die Verkaufszahlen von Ernährungsprodukten wie beispielsweise probiotische Nahrungsergänzungsmittel (Bakterien und/oder Hefen, die natürlich im menschlichen Körper vorkommen) deutlich ansteigen.

Wir sehen viele Anlagegelegenheiten, aber Hersteller von Spezialzusatzstoffen sind zurzeit in einer vorteilhaften Position. Sie reagieren auf die starke Nachfrage nach funktionelleren Lebensmitteln, indem sie mit den Herstellern zusammenarbeiten, um die Zusammensetzung der Produkte zu verändern und beispielsweise den Salz- und Zuckeranteil zu senken, ohne das Geschmacksprofil zu verändern. Spezifische Anlagegelegenheiten sind Unternehmen aus den Bereichen natürliche Zutaten, diätische und Nahrungszusätze, Geschmacks- und Farbstoffe, Emulgatoren, Kulturen und Enzyme.

Auf längere Sicht erwarten wir, dass diese positiven Veränderungen in der Zeit nach Covid-19 Bestand haben und die Nachfrage vor allem aus dem Grund auf einem hohem Niveau bleibt, weil dieser Trend noch mehr Konsumenten anspricht.

Lebensmittelverbraucher profitieren von der Digitalisierung

Die verstärkte Nutzung des elektronischen Handels hat selbstverständlich Folgen für den Lebensmittelkonsum. Bisher bedeutete Online-Shopping, dass mehr und dafür weniger oft eingekauft wird. Verbraucher gingen eher in Läden, die bei ihnen in der Nähe sind.

Dabei konzentrieren sie sich weniger auf den Preis und die Marke als auf das Produkt an sich. Sie wollen wissen, woher ihre Nahrung stammt und was darin verarbeitet wurde. Die Digitalisierung hat ihnen die notwendigen Hilfsmittel beschert, um auf Analysen zuzugreifen und die Qualität der Produkte während des Einkaufs einzuschätzen. Die Lebensmittelhersteller müssen darauf entsprechend reagieren.

Pflanzliche Lebensmittel werden Alltag

Eine weitere wichtige Veränderung ist der Übergang zu pflanzlicher Ernährung. Immer mehr Konsumenten entscheiden sich dazu, auf umweltbelastende Fleisch- und Milchprodukte zugunsten von pflanzlichen Alternativen zu verzichten.

Die steigende Beliebtheit von flexitarischen Ernährungsweisen – weniger Fleisch und mehr pflanzliche Lebensmittel – beruht auf einem wachsenden Bewusstsein für Umwelt, Gesundheit und Tierwohl. Das Angebot an Alternativen zu Fleisch wächst rapide und in den nächsten zehn Jahren wird mit einem deutlichen Umsatzanstieg bei Fleisch auf pflanzlicher Basis gerechnet. Wir erwarten, dass dieses Segment deutlich schneller wachsen wird als das traditionelle Fleischsegment, denn auch der Verbrauch von Milchgetränken ging zurück, als pflanzliche Getränke sich im Markt etablierten.

Fleisch auf pflanzlicher Basis beispielsweise war noch vor wenigen Jahren ein kleines Nischensegment, für das sich ausschließlich Vegetarier und Veganer interessierten. Es gab kaum Innovationen und die Qualität der Produkte war wirklich schlecht.

Heute gehören pflanzliche Fleischalternativen aus den folgenden Gründen schon fast zum Mainstream:   

  • Steigendes Bewusstsein unter Verbrauchern für die Folgen des Fleischkonsums für Umwelt und Gesundheit
  • Wenn die Märkte wachsen, steigt das Tempo der Produktentwicklung. Inzwischen gibt es ein weitaus größeres Angebot an schmackhaften Produkten mit verbesserten Nährwertprofilen.
  • Dass pflanzenbasiertes Fleisch zum Mainstream wird, ist u.a. einem Strategiewechsel beim In-Store-Merchandising vor ein paar Jahren zu verdanken, der einen wichtigen Durchbruch darstellte. Damals entschied man, pflanzenbasiertes Fleisch beim Frischfleisch statt in den wenig frequentierten Tiefkühl- und Spezialitätenabteilungen zu platzieren. Somit fielen die Produkte den Kunden viel mehr auf und sie wurden aufgewertet.   

Mehr Fertiggerichte…

Eine weitere Veränderung im Verbraucherverhalten, von der wir erwarten, dass sie sich auch in der Zeit nach der Pandemie durchsetzen wird, ist die gestiegene Tendenz unter Verbrauchern, die Abende daheim zu verbringen und zu kochen. Dafür sorgt aus unserer Sicht die Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen.

Covid-19 – Auswirkungen auf die Lebensmittel-Lieferketten

Die Pandemie legte echte Schwächen in verschiedenen Abschnitten der Lieferkette offen. Gleich zu Anfang gab es, u.a. weil Grenzen geschlossen waren, erhebliche Lieferverzögerungen bei pflanzlichen Produktionsmitteln. Dank der Entwicklung einer Reihe von Technologien und Praktiken dürfte die Lebensmittelherstellung zukünftig mit weniger Ressourcen auskommen.

Außerdem war im April und Mai letzten Jahres die Fleischversorgung wegen der Pandemie gestört, nachdem sich herausgestellt hatte, dass fleischverarbeitende Betriebe oft Covid-19-Hotspots waren. Solche Fälle gab es auf der ganzen Welt, aber kein Land war so sehr betroffen wie die USA, wo die Branche infolge der Konsolidierung anfällig für solche Störungen ist.

Dass sich andere Teile der Lebensmittel-Lieferkette als sehr robust herausstellten, ist für uns aber ein positives Zeichen.  Um leere Lebensmittelregale zu vermeiden, reagierte der Lebensmitteleinzelhandel sehr schnell, indem Zulieferer aufgefordert wurden, ihre Produktsortimente zu verkleinern und ihr Angebot auf ein paar Kernprodukte zu reduzieren.  Statt zehn verschiedenen Orangensäften gab es also nur noch einen oder zwei. Außerdem ging der Handel zu Standardpackungsgrößen über und stoppte Innovationen, um sicherzustellen, dass die Regale nicht leer wurden.

Zukünftig erwarten wir wesentliche Veränderungen. Die Resilienz gegenüber Angebotsschwankungen wird entscheidend sein. Die Pandemie hat die Vorteile von Anlagen in vertikal integrierten Unternehmen, die mehr Kontrolle über ihre Lieferkette haben, verdeutlicht.

Die Lieferketten könnten lokaler werden. Möglicherweise wird es auch mehr Investitionen in die Landwirtschaft in einer kontrollierten Umgebung geben, vor allem in Ländern, die stark auf Lebensmittelimporte angewiesen sind.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Verringerung der Lebensmittelverschwendung während des Transports oder der Lagerung sein. Eine längere Haltbarkeit von verderblichen Lebensmitteln könnte helfen, die Lebensmittelverschwendung drastisch zu reduzieren. Davon dürften Unternehmen profitieren, die natürliche Konservierungsstoffe wie beispielsweise Milchsäure herstellen.

Kurzfristige Herausforderungen für Anleger 

Auf kurze Sicht stellt der Inflationsdruck eine hohe Herausforderung dar. Im gesamten Lebensmittelsektor, vom Erzeuger bis zum Verbraucher, gab es Berichte über Preiserhöhungen bei Rohstoffen, Arbeitskosten, Transport und Verpackung. Auf dieses Problem weisen mehrere Akteure in der gesamten Wertschöpfungskette hin.

Höhere Lebensmittelpreise mögen für die Erzeuger am Anfang der Wertschöpfungskette positiv sein, doch ist es fraglich, ob Unternehmen weiter unten in der Kette angesichts dieser Kostensteigerungen ihre Bruttomargen halten können.

Als Anleger halten wir es in diesem Umfeld am vorteilhaftesten, in der gesamten Wertschöpfungskette anzulegen und das Risiko zu diversifizieren. Aus diesem Grund achten wir auf stark integrierte Geschäftsmodelle und Unternehmen, die in der Lage sind, ihre Margen zu halten, indem sie die höheren Kosten weitergeben.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

In Verbindung stehende Artikel

Weekly insights, straight to your inbox

A round-up of this week's key economic and market trends, and insights on what to expect going forward.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein
Please check the boxes below to subscribe