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Wöchentliches Investment-Update – 1. Juli 2020

Die COVID-19-Pandemie hat ein dramatisches Ausmaß erreicht: Inzwischen gibt es 10 Millionen bestätigte Fälle und über eine halbe Millionen Tote. Angesichts einer Weltbevölkerung von knapp 8 Milliarden, darunter rund 700 Millionen über 65-Jährige, und der unzureichenden Verfügbarkeit von Behandlungen und Impfstoffen ist uns aber klar, dass wir uns immer noch in einem frühen Stadium der Verbreitung des Virus befinden und weitere Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu befürchten sind.

USA: Umdenken bei den Ausstiegsstrategien

In den USA wurden am 30. Juni über 48.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, das ist der höchste Stand seit Beginn der Pandemie. In acht Bundesstaaten — Alaska, Arizona, California, Georgia, Idaho, Oklahoma, South Carolina und Texas — meldeten die Behörden neue Tagesrekorde.

Gleichzeitig erklärte der US-führende Experte für Infektionskrankheiten, Dr. Anthony Fauci, vor dem Kongress, dass die täglichen Neuinfektionen auf mehr als das Doppelte — 100.000 pro Tag — ansteigen könnten, falls die aktuellen Ausbrüche nicht unter Kontrolle gebrachteingedämmt werden. Zudem warnte er davor, dass die Ausbreitung des Virus im Süden und Westen „das ganze Land gefährdet".n Gefahr“ bringen könnte.

Die Ausbreitung des Virus in den USA führte ein bereits zu einem Umdenken in Bezug auf die Ausstiegsstrategien aus den Ausgangsbeschränkungen. Bundesstaaten, die die Beschränkungen gelockert oder ganz aufgehoben hatten, rudern wieder zurück. Die Bevölkerung scheint die Sache selbst in die Hand zu nehmen, indem öffentliche Orte wie Restaurants und Kneipen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus gemieden werden, auch wenn keine entsprechenden Vorschriften bestehen.

China: Ausbruch in Peking unter Kontrolle, aber erneuter Anstieg in Hubei

In China wurde der Ausbruch in Peking nach Angaben des Chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle und -prävention unter Kontrolle gebracht. Die in mehreren Teilen Pekings geltenden Ausgangssperren wurden aufgehoben.

Allerdings wurden neue Maßnahmen eingeführt, um einen erneuten Ausbruch in der benachbarten Provinz Hubei in den Griff zu bekommen. Ein Gebiet mit fast einer halbe Millionen Einwohner im Kreis Anxin, weniger als 160 Kilometer von Peking entfernt, wurde abgeriegelt. Dabei wurden die gleichen Maßnahmen eingeleitet wie auf dem Höhepunkt der Pandemie Anfang des Jahres in Wuhan.

Die Nachrichten aus Deutschland waren etwas positiver, denn die vom Robert Koch-Institut berechnete Reproduktionsrate, die kurzzeitig auf über zwei hochgeschnellt war, ist wieder auf unter eins gesunken.

Eindämmung ohne Lockdown dank Impfstoff?

Die Erfahrungen in China und Deutschland zeigen unseres Erachtens nach eindeutig, dass das Virus auch ohne einen Lockdown eingedämmt werden kann. Dann könnten aber strenge Quarantänemaßnahmen oder ein hocheffizientes Test- und Rückverfolgungsprogramm zur Begrenzung lokaler Ausbrüche erforderlich sein.

Solange es keinen Impfstoff gibt, sind wir nach wie vor nicht der Meinung, dass Lockerungen ohne Weiteres umsetzbar wären und man schnell zur Normalität zurückkehren könnte. Wie Dr. Fauci erklärte, könnte ein Impfstoff nicht ausreichen, um in den USA eine Herdenimmunität zu erreichen, weil er möglicherweise keinen hundertprozentigen Schutz bietet und eine größere Minderheit der Bevölkerung eine Impfung ablehnen könnte.

Politik: Langsame Fortschritte in Europa

In Europa gibt es langsame, aber kontinuierliche Fortschritte. Bei einem Meeting in Schloss Meseberg betonten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron erneut die Bedeutung eines Wiederaufbaufonds, „der wirklich den Ländern hilft, die ansonsten von der Krise sehr viel stärker betroffen wären“. Allerdings gebe es noch „eine ganze Menge Widerstände“.

Heute übernimmt Deutschland turnusgemäß sechs Monate den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. In diesem Zeitraum hat Berlin stärkeren Einfluss auf die Tagesordnung der Meetings der Fachminister der Mitgliedstaaten. Die anderen Länder erwarten von Deutschland, dass das Land dabei hilft, Kompromisse zu finden, statt eigene nationale Interessen zu vertreten.

Das nächste halbe Jahr kann als entscheidend für Europa angesehen werden, denn der gesamte Kontinent steckt, wenn man von Kriegszeiten absieht, in seiner bisher schwersten Krise. Wenn es der EU gelingt, sich auf den von der EU-Kommission vorgeschlagenen, mit 750 Milliarden Euro ausgestatteten Fonds, einen beispiellosen Akt der grenzüberschreitenden Solidarität, zu einigen, könnten die EU und die Eurozone stärker aus der Krise hervorgehen.

Sollte jedoch der Eindruck entstehen, dass der weniger betroffene Norden dem stark betroffenen Süden zu wenig Solidarität entgegenbringt, könnte der europäische Zusammenhalt Schaden davontragen. Wir erwarten zwar, dass die Regierungschefs der EU sich irgendwann einig werden, befürchten aber gleichzeitig, dass der ursprüngliche Kommissionsplan verworfen wird.

Neben der Festlegung einer Strategie für die Erholung der EU nach der Pandemie müssen außerdem die Beziehungen der Region zu Großbritannien bis zum Jahresende neu geregelt werden.

Antwort auf QE-Klage

Der EZB ist es anscheinend gelungen, den Streit über die Rechtmäßigkeit ihres quantitativen Lockerungsprogramms (QE) zu entschärfen, indem sie im Protokoll ihrer letzten Ratssitzung dieses Programm begründete. Die Mitglieder des Bundestags scheinen sich mit dieser Antwort zufrieden zu geben, wobei sie wohl vor allem froh sind, dass das Problem aus der Welt ist.

Jedoch sollte erwähnt werden, dass die EZB die Bedeutung der Einhaltung des Kapitalschlüssels und der Ausgabeobergrenzen in der Gestaltung eines geeigneten Anleihekaufprogramms betonte, was künftig den Umfang der Käufe einschränken könnte.

Außerdem hat der Ständige Ausschuss des chinesischen Nationalen Volkskongresses Berichten zufolge das umstrittene nationale Sicherheitsgesetz für Hongkong einstimmig verabschiedet. Als Reaktion darauf gab die prodemokratische Oppositionspartei Demosisto ihre Auflösung bekannt. Die USA wollen Hongkongs Sonderstatus wiederrufen.

Märkte und Zahlen

  • Die Konjunkturzahlen verbessern sich parallel zur (selektiven) Lockerung des Lockdowns weiter. An der Spitze dieser Entwicklung ist China, wo die Einkaufsmanagerindizes (PMI) aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor wieder über 50 Punkte und die Exportaufträge schnell steigen. Die Mobilität der Bevölkerung nimmt weiter zu. Dies könnte zu einer schnelleren Erholung der Realwirtschaft beitragen als ursprünglich angenommen.
  • Die Marktstimmung wird jedoch von Sorgen wegen Gebieten, in denen die Neuinfektionen steigen, beeinträchtigt. Da Anstiege wegen dieser Sorgen begrenzt sind, entwickeln sich die Märkte seitwärts. Gleichzeitig erhalten die Volkswirtschaften und damit auch die Märkte weiterhin geld- und haushaltspolitische Unterstützung, wovon risikoreiche Anlagen profitieren.
  • Als Reaktion auf die COVID-19-Krise wurden von Unternehmen und Entwicklungsbanken „Pandemieanleihen“ in einem Gesamtvolumen von 263 Milliarden US-Dollar ausgegeben, um die negativen wirtschaftlichen Folgen des Virusausbruchs zu kontern; 51% dieser Pandemieanleihen stammen aus China.
  • Die Nachfrage nach High-Yield- (HY-) Anleihen könnte steigen, weil die Unternehmen ihre Dividenden senken. Angesichts der Unterstützungsmaßnahmen der Zentralbanken scheint das Anlegerinteresse an diesem Segment und vor allem an HY-Anleihen mit höherem Rating zu steigen. Der Markt für Neuemissionen hat sich aufgrund der wesentlich niedrigeren Finanzierungskosten erholt. Daher hat sich die Liquidität der Bilanzen vieler Unternehmen des HY-Segments drastisch verbessert, während die Risikoprämien weiter sinken. Allerdings erwarten wir einen Anstieg der Downgrade- und Ausfallrisiken von kleineren Unternehmen und High-Yield-Anleihen mit niedrigerem Rating.
  • Die Abflüsse aus Geldmarktfonds beschleunigen sich. Mit dieser überschüssigen Liquidität, für die man auf dem Höhepunkt der Pandemie Zuflucht sucht, will man jetzt größere Erträge erzielen. Dies heizt weiter die Nachfrage nach risikoreichen Anlagen ein und führt zu sinkenden Risikoprämien.

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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