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Wöchentliches Investment Update – Corona-Impfstoff verleiht Märkten neuen Auftrieb

Im Laufe der letzten Woche kündigten zwei Pharmaunternehmen Impfstoffe gegen COVID-19 mit einer Wirksamkeit von mehr als 90 % an, was eine ziemlich positive Neuigkeit ist. Die hohe Wirksamkeit dürfte das Genehmigungsverfahren beschleunigen und gute Voraussetzungen für andere Impfstoffe auf der Basis derselben molekularen Plattform schaffen.

Die Überprüfung bestimmter Sicherheitsaspekte – besonders in Bezug auf Senioren und Personen mit Grunderkrankungen – steht noch aus. Es muss auch ein Sicherheitsbericht für die Zulassung für die Anwendung in Notfallsituationen (EUA) veröffentlicht werden, was in den nächsten Wochen geschehen dürfte. Er sollte einige der offenen Fragen beantworten.

Bis die Impfstoffe verfügbar sind, wird es noch dauern, und daher dürften auch die Lockdowns so schnell nicht aufgehoben werden. Es gilt darüber hinaus, logistische Herausforderungen zu meistern: Lagerraum schaffen, medizinisches Personal für die Impfkampagne organisieren und Bevölkerungen von den Vorteilen einer Impfung überzeugen. Die Unsicherheit im Hinblick auf das Ende der Gesundheitskrise wird daher noch eine Zeit anhalten.

Trotzdem wächst durch die Nachrichten zum Impfstoff das Vertrauen, der Wachstumsausblick verbessert sich und zyklische Aktien sowie die Emittenten und Sektoren, die unter COVID-19 zu leiden hatten, erhalten Auftrieb.

Nachdrückliche Forderung nach neuen Lockdowns

Der starke Aufwärtstrend der täglichen Zahl neuer COVID-19-Infektionen setzt sich unterdessen fort – der Wert liegt inzwischen bei fast 600.000 täglich (7-Tages-Durchschnitt). Auch die Zahl der Todesfälle steigt weiter und erreicht jetzt etwa 9.000 pro Tag. Trotz eines potenziellen Durchbruchs bei der Entwicklung eines Impfstoffs wächst durch diese Situation der Druck auf die Behörden, weitere Lockdown-Maßnahmen zu verhängen.

Womöglich erhöht sich durch die Aussichten auf einen Impfstoff sogar die Wahrscheinlichkeit, dass die Einschränkungen aufrecht erhalten oder sogar strenger gefasst werden, da die Regierungen zumindest ein Ende in der nicht all zu weit entfernten Zukunft absehen können. Der weitere Anstieg der Fallzahlen, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle stellt das wichtigste Risiko für die optimistische Reaktion der Finanzmärkte auf die US-Wahlen und positive Nachrichten zum Impfstoff dar.

Notenbanken zu weiteren Maßnahmen bereit

Wir rechnen damit, dass die Geldpolitik der internationalen Zentralbanken aufgrund der zweiten COVID-Welle sehr entgegenkommend bleiben wird. Sowohl die US Federal Reserve als auch die Europäische Zentralbank dürften bei ihren geldpolitischen Sitzungen im Dezember die Ausweitung ihrer Anleihekaufprogramme bekanntgeben. Die Ankündigung eines Impfstoffs wird keinen wesentlichen Einfluss auf ihren Standpunkt haben.

Andererseits dürften so die internationalen Anleiherenditen verankert und die finanziellen Bedingungen entgegenkommend bleiben, was riskanten Anlagen zugute kommt.

Wir sehen internationale Aktien konstruktiv und rechnen mit weiteren Verlagerungen in Richtung Substanzwerte/zyklischer Aktien und einer größeren geografischen Diversifizierung, gestützt durch den von der Impfung hervorgerufenen Reflation Trade.

Wie die entgegenkommende Politik der Zentralbanken und ein besserer Ausblick für den Gewinn je Aktie (EPS) zeigen, ist die Aktienrisikoprämie derzeit interessant. Aktien dürften im Jahr 2021 weiterhin zu den wichtigsten Anlagen zählen.

Obwohl die uneingeschränkt entgegenkommende Geldpolitik der Zentralbanken einen zu starken Anstieg der Zinsen verhindern dürfte, ist eine schnellere Anpassung der Zinsen am langen Ende wahrscheinlich, wenn die positiven Neuigkeiten zum Impfstoff zu Wachstum führen. Darüber hinaus wird der Markt zunehmend eine höhere Inflation erwarten, so dass die Breakeven-Inflationsraten auf mittlere Sicht steigen dürften. Die Zentralbanken haben es mit Sicherheit nicht eilig, einen Anstieg der Inflation zu verhindern.

Rentenmärkte preisen die guten Neuigkeiten ein

An den Rentenmärkten ist eine Erholung der empfindlich auf COVID-19 reagierenden Sektoren zu verzeichnen. Wenn sich die Wirksamkeit und Verfügbarkeit dieser Impfstoffe bestätigen, werden sich die Renditeabstände sehr wahrscheinlich weiter bis auf ihre Niveaus vor der Pandemie verengen. Die Ausfälle dürften im ersten Quartal 2021 ihren Höchststand erreichen, worüber der Markt allerdings hinwegsehen könnte.

Die Ausfallquoten stiegen nach Ausbruch des Virus, aber nicht so weit wie vor der Großen Finanzkrise (GFK), da die entgegenkommenden Zentralbanken und Regierungen einen förderlichen Hintergrund für Unternehmensanleihen schaffen. Die einzelnen Anleihen werden sich allerdings unterschiedlich entwickeln, besonders im High Yield-Segment.

Unsere wichtigsten Überzeugungen

Der kurzfristige Konjunkturausblick in den Industrieländern bleibt schwierig, denn eine zweite Welle an Virusinfektionen und Todesfällen hat in Europa neue Lockdowns ausgelöst. In den USA setzt eine dritte Corona-Welle ein, und weitere Lockdowns werden immer wahrscheinlicher.

Die langfristigen Aussichten sind dagegen wesentlich optimistischer. Der endgültige Ausgang der US-Senatswahlen bleibt zwar unsicher, aber wir halten Biden als Präsidenten und einen republikanischen Senat für das wahrscheinlichste Szenario.

Für viele wäre das keine schlechte Konfiguration für die Märkte, da sie wohl wenige Änderungen an Unternehmenssteuer und -regulierung nach sich ziehen würde. Trotz allem kann die Möglichkeit einer Präsidentschaft Bidens mit einem demokratischen Senat ("blaue Welle") noch nicht ganz ausgeschlossen werden. Das würde unserer Meinung nach einer äußerst umfassenden fiskalischen Expansion (rund 10 % des BIP) den Weg ebnen, die der US-Konjunktur und riskanten Anlagen äußerst zuträglich wäre.

Der makroökonomische Hintergrund ist derzeit mit Sicherheit konstruktiver als noch vor wenigen Monaten, und ein gesundes, reflationäres Umfeld wird immer wahrscheinlicher. Positive Überraschungen bleiben möglich, beispielsweise falls sich andere Impfstoffe als wirksam erweisen und die Aussichten auf flächendeckende Impfungen steigen. Ein demokratischer Senat würde ebenfalls ein Aufwärtsrisiko darstellen.

Die wichtigsten Abwärtsrisiken wären neue Lockdowns in den USA, die eine schwächere Konjunkturaktivität zur Folge hätten; eine unsaubere Machtübergabe zwischen US-Präsident Trump und dem designierten Präsidenten Biden sowie Rückschläge bei den Corona-Impfstoffen.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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