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Wöchentliches Investment Update – Ein Sommer voller Enttäuschungen

In den letzten Tagen wurden verschiedene enttäuschende Konjunkturindikatoren bekannt, besonders in China und in den USA. Auch die Pandemie wirkte weiter als störender Einflussfaktor. Das vergrößerte die Besorgnis, dass sich die Konjunkturaktivität seit dem Frühjahr verlangsamt haben könnte. Zeigen diese Faktoren den Beginn einer radikalen Veränderung der Rahmenbedingungen, oder handelt es sich nur um unbedeutende Schwankungen, deren Auswirkungen in den trägen Sommermonaten übertrieben wirken?

Sorgen um die Gesundheitssituation

Die Zahl der gemeldeten Covid-19-Fälle stieg in der letzten Woche weiter an. Bisher scheint es unmöglich zu sein, die durch die Delta-Variante ausgelöste Welle zu stoppen, die auch Länder betrifft, die bisher relativ wenig in Mitleidenschaft gezogen wurden. Darüber hinaus gefährdet diese die ‚Zero Covid‘ Strategien verschiedener Regierungen.

Australien kündigte eine Verschärfung der Einschränkungen an, und in Neuseeland wurde erneut ein strenger Lockdown verhängt, nachdem ein einziger Fall in Auckland entdeckt wurde. In Japan ist der Druck auf die Krankenhäuser so stark wie nie, sodass der Gesundheitsnotstand ausgeweitet wurde. Im Süden der Vereinigten Staaten, wo die Impfraten niedrig bleiben, breitet sich die Pandemie stark aus. Da es in der absehbaren Zukunft nicht viel gibt, das den Lauf der Dinge aufhalten könnte, könnte die Situation das Vertrauen der wirtschaftlichen Akteure beeinträchtigen und die Anleger weiter beunruhigen.

In China sind die Konjunkturindikatoren weniger förderlich …

In den letzten Tagen zeigten zwei wichtige Treiber des globalen Wachstums Zeichen für Schwäche.

In China blieben die Produktions- und Verbrauchsdaten im Juli hinter den Erwartungen zurück, während sich die Ergebnisse der Aktivitätsumfragen aufgrund neuer Einschränkungen zur Bekämpfung der Delta-Variante bereits verschlechtert hatten. Diese Schwierigkeiten könnten durch die ungünstigen klimatischen Bedingungen während des Sommers (Hochwasser) noch verschlimmert worden sein, aber die Binnennachfrage bleibt auch ohne diese einmaligen Ereignisse zurückhaltend. Die entgegenkommendere Geldpolitik der chinesischen Behörden im Juli erinnerte daran, dass Peking nicht nur eine Politik zum Schuldenabbau im privaten Sektor verfolgt, sondern auch einer deutlichen Verlangsamung der Aktivität vorbeugen möchte. Wir teilen diese Meinung, die immer mehr Zuspruch findet.

… und in den USA gemischt

In den USA hat sich die Marktstimmung von der Erleichterung, dass die Inflation nach mehreren positiven Überraschungen endlich im Einklang mit den Erwartungen liegt, hin zur Sorge über den Rückgang des Verbrauchervertrauens im August und den Rückgang der Einzelhandelsumsätze im Juli verschoben.

Im Juni betrug die Inflation im Jahresvergleich 5,4 %, und die Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie) ging von 4,5 % auf 4,3 % zurück. In bestimmten Bereichen (vor allem Transport, Gastgewerbe und Freizeit), die von der Wiedereröffnung der Volkswirtschaft profitieren, sind immer noch starke Anstiege zu verzeichnen, aber diese Tendenz schwächt ab. Bei einigen Industrieerzeugnissen müssen noch die Versorgungsengpässe überwunden werden. Die Inflation der Kosten für Unterkunft stieg ebenfalls. Diese Entwicklung dürften die Anleger und die US Federal Reserve (Fed) in den nächsten Monaten aufmerksam im Auge behalten.

Laut erster Schätzungen für August lag das Verbrauchervertrauen (Statistiken der University of Michigan) unter den Erwartungen und ist gegenüber Juli deutlich zurückgegangen (70,2 gegenüber 81,2 im Vormonat und 85,5 im Juni). Der Index erreichte in der Tat seinen niedrigsten Stand seit 2011. Das könnte durchaus darauf zurückzuführen sein, dass der Rhythmus der Impfkampagnen zunächst die Hoffnung stützte, dass die Pandemie schon bald überwunden sein könnte, bis die Delta-Variante diesen Optimismus zunichtemachte.

Der Einzelhandelsumsatz ging zwischen Juni und Juli wegen der stark rückläufigen Automobilkäufe (eine Tendenz, die wahrscheinlich durch den Anstieg der Kraftfahrzeugpreise noch gefördert wurde) um 1,1 % zurück. Die Zahlen zur Industrieproduktion waren ermutigender: Die Produktionsmenge stieg im Juli um 1,4 %, was darauf schließen lässt, dass die Engpässe langsam überwunden werden. Aufgrund der restriktiven Gesundheitsmaßnahmen einiger asiatischer Exportländer könnte sich das jedoch bald wieder ändern.

Lupe oder Teleskop?

Unabhängig von diesen spezifischen Faktoren gibt es widersprüchliche Indikatoren, aufgrund derer sich schwer vorhersehen lässt, was als Nächstes geschieht und innerhalb welchen Zeitrahmens.

Die jüngsten Neuigkeiten waren nicht besonders gut. Nächste Woche werden die Umfragen für August veröffentlicht (Flash Einkaufsmanagerindex-Schätzungen, Verbrauchervertrauen in Frankreich, Italien und Belgien und IFO-Geschäftsklima in Deutschland), die erste Eindrücke von den Auswirkungen des erneuten Aufflackerns von Covid in Europa vermitteln dürften.

Die Indizes, die das Vertrauen messen sowie harte Daten und Inflation bleiben dagegen relativ hoch.

Das erinnert an den Scherz des ehemaligen US-Präsidenten Harry Truman, der sich einen Ökonomen mit einer einzigen Hand wünschte, damit man nicht länger ständig eine Seite gegen die andere abwiegen und sagen kann: „On the one hand this...on the other hand that“. Aber im Grunde sollten sich politische Entscheidungsträger und Anleger gleichermaßen den wirklich schwierigen Fragen stellen.

Wie sehen wir die Finanzmärkte?

Diese Frage nach dem Zeithorizont ist vielleicht noch wichtiger als sonst, um das Verhalten der Finanzmärkte zu überwachen. Sollten wir den jüngsten Rückgang der internationalen Aktien (Rückgang des MSCI AC World Index in US–Dollar um 0,7 % zwischen dem 11. und 17. August), deren Anstieg um 0,7 % gegenüber Ende Juli oder das Plus von fast 13 % seit Anfang des Jahres betrachten?

Die Ratlosigkeit der Anleger kann zu angespannten Marktbedingungen, geringer Beteiligung, schwachem Momentum und starken Abweichungen zwischen Indizes und Sektoren führen. Rein technische Faktoren können auf kurze Sicht eine wichtige Hilfe bei der Entscheidungsfindung sein. Wir berücksichtigen diese in unserem Anlageallokationsprozess, und die Analyse dieser Faktoren hat unsere Entscheidung bekräftigt, das Risiko während des Sommers allmählich zu reduzieren und die Übergewichtung von Aktien aus Industrieländern beizubehalten.

Die Bedeutung der fundamentalen Faktoren könnten nach dem Sommer zunehmen. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass diese auf mittlere Sicht positiv für riskante Anlagen sein dürften. Allerdings sind erratischere Entwicklungen möglich, während sich ein Konsens herausbildet, denn von Stagflation bis hin zur Rückkehr des Reflationsszenarios gibt es viele Möglichkeiten.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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