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Der offizielle Blog von BNP Paribas Asset Management

Wöchentliches Investment Update – Inflationsüberraschungen

Für riskante Anlagen war die Woche zunächst gut, denn die Märkte überdachten die möglichen Reaktionen der Zentralbank nach der Kehrtwende der Bank of England. Dann wurde die US-Verbraucherpreisinflation für Oktober veröffentlicht.   

Steigende COVID-19-Fallzahlen

Die Zahl der neuen Covid-Fälle ist weltweit auf rund 465.000 täglich gestiegen, was vor allem auf den weiteren Anstieg in Europa zurückzuführen war, wo die Infektionsrate auf rund 260.000 täglich gestiegen ist.

In den USA sind die Infektionsraten in den letzten beiden Monaten zwar zurückgegangen, bleiben aber mit rund 70.000 pro Tag hoch.

In China gibt es wenige Anzeichen für einen Rückgang der täglichen Zahl neuer Fälle, was auf kurze Sicht mit Risiken für den Verbrauch rechnen lässt.

Die Politiker weltweit sind immer weniger bereit, neue Einschränkungen zu verhängen, wobei China allerdings eine Ausnahme bleibt, da die Behörden vor den Olympischen Winterspielen in Peking im Februar 2022 wahrscheinlich nicht von ihrem Nulltoleranz-Ansatz abweichen werden. Hohe Infektionsraten stellen ein Risiko dar, das zu weiteren Lieferkettenunterbrechungen und angespannten Arbeitsmärkten in China führen kann.

Antivirales Medikament gegen Covid – Wirklich bahnbrechend?

Pfizer kündigte am 5. November an, dass seine orale Behandlung gegen Covid-19 Tests in der späten Testphase zufolge das Risiko von Krankenhauseinweisung und Tod um 89 % verringert. Der Test wurde an 775 nicht geimpften erwachsenen Patienten mit leichten bis mäßigen Covid-19-Symptomen durchgeführt, bei denen von einem höheren Risiko einer schweren Covid-Erkrankung ausgegangen wurde.

Die Ergebnisse der klinischen Tests waren ermutigend: 0,8 % der Patienten, die innerhalb von drei Tagen nach dem Auftreten von Symptomen das antivirale Medikament einnahmen, wurden ins Krankenhaus eingewiesen, gegenüber 7 % derjenigen, die ein Placebo erhielten. Von den Patienten, die das Medikament erhielten, starb keiner, im Vergleich zu 1,6 % derjenigen, die ein Placebo einnahmen.  

Antivirale Medikamente sind einfach, leicht zu verabreichen und kostengünstiger als andere Behandlungen. Ihre Herstellung ist weniger kompliziert als diejenige von Impfstoffen. Sie könnten die verfügbaren Instrumente, mit denen Covid-19 zu einer kontrollierbaren Krankheit werden könnte, ergänzen.

Die gemäßigte Bank of England bringt die Erwartungen durcheinander

Die Bank of England (BoE) überraschte letzte Woche die Märkte, indem sie ihre Zinsen unverändert ließ. Das wirkte sich über das Vereinigte Königreich hinaus auf Anleihen aus, da die Entscheidung der BoE damit rechnen ließ, dass die Zentralbanken angesichts der Kostenschocks ihre Leitzinsen später anheben könnten als erwartet. Die britischen Anleihen erholten sich, da die Anleger ihre Positionen auflösten, weil sie Zinserhöhungen antizipierten.

Die BoE beschloss, von einer sofortigen Zinserhöhung Abstand zu nehmen und ließ ihren Leitzins auf dem historischen Tiefstand von 0,10 %, obwohl sie ihre höchste Inflationsprognose seit einem Jahrzehnt veröffentlichte. Sie rechnet jetzt damit, dass die Inflation im Vereinigten Königreich im nächsten Frühjahr 5 % erreicht, und der geldpolitische Ausschuss (MPC) der BoE sagte, dass ‚in den nächsten Monaten‘ wahrscheinlich Zinserhöhungen erforderlich seien.

Die Bekämpfung der Inflation wurde allerdings als weniger wichtig betrachtet als die Kommentare von BoE-Gouverneur Andrew Bailey im letzten Monat vermuten ließen, denn dieser erwähnte, dass der MPC ‚Maßnahmen ergreifen werden muss‘ um dem Preisanstieg entgegenzuwirken. Die Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, verwirrte die Finanzmärkte, die davon überzeugt waren, dass die BoE ihre Geldpolitik straffen und den Leitzins zum ersten Mal seit 2018 auf 0,25 % erhöhen würde.

Der MPC versuchte, die Besorgnis der Märkte mit Signalen zu beschwichtigen, dass immer noch Maßnahmen erforderlich sind, um die Inflation zu mindern. Bailey äußerte sich allerdings nicht dazu, wann diese eingeleitet werden sollen. Auf die Frage, zu erklären, was mit ‚in den nächsten Monaten‘ genau gemeint sei, sagte der Gouverneur, dass „in den nächsten Monaten mehrere Sitzungen (des geldpolitischen Ausschusses) stattfinden“ würden. Er wies darauf hin, dass die BoE ihre Zinsen bis Ende des Jahres 2022 nicht wie von den Märkten erwartet auf 1 % erhöhen würde, denn ihre Prognosen zeigten, dass die Inflation bei einer derartig starken Straffung der Geldpolitik auf mittlere Sicht unter das Ziel von 2 % sinken würde.

Nach der überraschend gemäßigten Haltung der BoE und dem Kommentar der US Federal Reserve, der Inflationsdruck würde Faktoren widerspiegeln, die vorübergehender Art sein dürften, beschlossen die Anleger, ihre untergewichteten Durationspositionen zu reduzieren. Die Renditen von Anleihen aus der Eurozone und US-Treasuries fielen deutlich, da die Anleger die möglichen Reaktionen der Zentralbank neu überdachten.

Erholung der US-Stellenzuwächse im Oktober.

Der jüngste Arbeitsmarktbericht war solide. Die Arbeitgeber fügten während des Monats 531.000 Stellen hinzu, und die Stellenzuwächse im August und September wurden stark nach oben korrigiert. Die Gesamt-Stellenzahl ist immer noch um 4,2 Millionen niedriger als vor der Pandemie und liegt um 7,5 Millionen unter dem vor der Pandemie verzeichneten Trend.

Wenn es der Volkswirtschaft gelingt, den Rhythmus der Stellenschaffungen der letzten sechs Monate während des ganzen nächsten Jahres aufrecht zu erhalten, würden die USA Ende 2022 wieder dieselben Arbeitsmarktbedingungen erreichen wie vor der Pandemie. Unter normalen Umständen wären anhaltende Stellenzuwächse in diesem Rhythmus bemerkenswert, besonders angesichts der Tatsache, dass im Jahr 2022 keine bedeutenden Konjunkturmaßnahmen zur Stützung der Volkswirtschaft geplant sind. Derzeit gibt es mehrere Millionen freier Stellen mehr als üblich, was zur Stützung des Arbeitsmarktes beitragen dürfte.

Ein genauer Blick auf die Sektorverteilung zeigt, dass der Rückgang der Covid-Fallzahlen seit Mitte September zu Stellenzuwächsen in den Sektoren beigetragen hat, die am empfindlichsten auf die Auswirkungen des Virus und das wahrgenommene Infektionsrisiko reagierten (Bars, öffentliche Verkehrsmittel, Hotels usw.). Gleichzeitig blieben die Stellenzuwächse in der Volkswirtschaft allgemein (Verarbeitung, Unternehmensdienstleistungen usw.) mit über 300.000 robust.

Trotz der starken Nachfrage nach Arbeitskräften veränderte sich die Erwerbsquote erneut nur geringfügig, so dass die Arbeitslosenquote weiter bis auf 4,6 % zurückging. Die eigentliche Frage lautet, wie repräsentativ der Wert der allgemeinen Arbeitsmarktflaute von 4,6 % ist. Das Lohnwachstum blieb mit besonders starken Zuwächsen im Freizeitsektor robust, was davon ausgehen lässt, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften nach wie vor höher ist als das Angebot. Ob das in der ersten Hälfte nächsten Jahres der Fall sein wird, dürfte für den geldpolitischen Ausblick entscheidend sein.

Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell betonte in seiner Pressekonferenz am 3. November, dass die Fed zum ‚Risikomanagement‘-Modus übergehen würde, um einen Kompromiss zu finden, da sie einerseits möchte, dass der Arbeitsmarkt zu seiner Beschäftigungssituation von 2019 zurückkehrt, andererseits aber das Risiko besteht, dass die Inflation länger als gewünscht über dem Ziel bleibt.

Das Repräsentantenhaus verabschiedet Bidens Infrastrukturplan

Das Repräsentantenhaus stimmte dem überparteilichen Infrastrukturplan von Joe Biden im Wert von 1,2 Billionen USD zu, was für den US-Präsidenten nach einem monatelangen internen Machtkampf in der demokratischen Partei einen wichtigen Sieg darstellte.

Für Biden war dies ein dringend benötigter Sieg, da er mit rückläufiger Beliebtheit und Niederlagen der Demokraten bei verschiedenen wichtigen Wahlen in der jüngsten Zeit konfrontiert ist.

Der Inflationsdruck in den USA nimmt zu

Um auf den jüngsten Preisdruck zurückzukommen: die aktuellsten Daten zeigen, dass der US-Verbraucherpreisindex im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 6,2 % gestiegen ist. Es handelt sich um den stärksten Anstieg innerhalb eines Monats seit 1990, der breitbasierte Preissteigerungen widerspiegelt. Die monatliche Verbraucherpreisinflation stieg gegenüber September um 0,9 %, was dem stärksten Anstieg seit vier Monaten entspricht. Beide Werte übertrafen die Konsenserwartungen.

Höhere Preise für Energie, Unterkunft, Lebensmittel und Automobile trieben den Wert im Oktober in die Höhe und lassen davon ausgehen, dass sich der Inflationsdruck ausweiten wird. Angesichts der hohen Nachfrage erhöhen die US-Unternehmen ihre Preise für Konsumgüter eindeutig, während Angebotsengpässe und eine Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften die Kosten in die Höhe treiben.

Die Kerninflation ohne die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie stieg im Oktober gegenüber September um 0,6 % und gegenüber dem Vorjahr um 4,2 %. Bei dem Anstieg im Jahresvergleich handelt es sich um den stärksten seit 1991.

Die Kosten für Unterkunft – eine strukturellere Komponente der Verbraucherpreisinflation, die rund ein Drittel des Gesamtindex ausmacht – verzeichneten im Oktober aufgrund höherer Mieten und Preise für Wohneigentum mit 0,5 % den stärksten Anstieg seit vier Monaten. Die Neuwagenpreise stiegen im Oktober um 1,4 %, da die weltweite Halbleiterknappheit weiterhin für geringe Lagerbestände und steigende Fertigungskosten sorgte. Die Gebrauchtwagenpreise stiegen um 2,5 %.

Die Veröffentlichung der überraschend hohen Inflation machte die Erholung der Staatsanleiherenditen, die auf die Entscheidung der Bank of England gefolgt war, größtenteils wieder zunichte. Der in einem Jahr erwartete Fed Funds-Satz stieg um 15 Basispunkte. Bei US-Aktien war ein Ausverkauf zu verzeichnen, wobei besonders bei Wachstumsaktien, die empfindlich auf die Realrenditen reagieren, eine Schwäche festzustellen war.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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